Gepostet in Portfolio Roasts
Auch wenn man schon älter ist....
Hallo Zusammen,
meine Reise in Welt der Investments begann 2019. Ich war damals 60 Jahre alt. Die Rentenbescheide, die ich bis dahin bekommen hatte machten mir eines ganz deutlich: Ich werde meinen Lebensstandard erheblich einschränken müssen, wenn ich nichts unternehme. Konkret würde das mit aktuellen Daten bedeuten, ich muss mit 60% weniger Geld pro Monat auskommen. Das war für auch deshalb überraschend, weil ich als IT Leiter in einem Pharmaunternehmen sehr gut verdienen und ich das als Führungskraft im IT Bereich verschiedener Branchen seit Jahrzehnten schon getan habe.
Auf YouTube bin ich auf Frau Sanders gestoßen. Eine Dame, die mit 60 Jahren und 30.000€ begann in Aktien zu investieren und nach knapp 15 Jahren zur Millionärin wurde (vermutlich allerdings nicht nur mit Aktien).
Mein Resümee daraus: Besser spät als nie :-)
Wenn es um das Thema investieren geht liest man an vielen Stellen im Internet was aus einem Investment in 30 Jahren werden kann. Ich habe keine 30 Jahre. Ich brauche eine Strategie, die schon nach sehr viel kürzerer Zeit auskömmliche Erträge erwirtschaftet. Ich denke das schließt ein reines Investment in ETF aus. Bei der Auswahl meiner Einzelaktien habe ich auf viele Informationen aus vielen Quellen zurückgegriffen und mir dann eine Meinung für mich gebildet. Ich habe mir für jedes Investment notiert warum ich es gekauft habe. Bevor ich Parqet nutzte habe ich mit einer aufwändigen Excel Tabelle gearbeitet, die ich noch nicht ganz ablösen konnte.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr euch mein Portfolio anschaut und es kommentiert.
Liebe Grüße
Joachim
Hallo Joachim,
Hut ab, es gehört eine Portion Mut dazu, sich "in Deinem Alter" hinzustellen und einzuräumen, dass man sich um etwas nicht gekümmert hat, obwohl man es hätte tun sollen. Ich teile Deinen Schluss, dass es nie zu spät ist. Was ich allerdings nicht teile ist Dein Schluss, dass ein ETF-Investment für Dich eher nicht in Frage kommt. Wie Moecean schon richtig andeutet: gerade falls Du (vielleicht) nicht mehr Jahrzehnte hast spielt die Risikokontrolle eine recht große Rolle, da Du weniger als ein z.B. 20-jähriger die Möglichkeit hast, den einen oder anderen Verlust einfach auszusitzen. So wie Du es schreibst meine ich zu verstehen, dass es mit den monatlichen Cashflows nur aus der gesetzlichen Rente etwas knapp werden könnte. Um genau das auszugleichen könntest Du auf eine Kombination von 3-4 ETF setzen, die jeweils quartalsweise ausschütten, allerdings in verschiedenen Monaten, sodass monatlich Ausschüttungen hereintröpfeln. Ein Beispiel dafür findest Du hier: https://de.extraetf.com/etf-portfolio/jeden-monat-ausschuettungen\ Ansonsten lässt sich das auch mit klassischen Welt-ETF umsetzen, die eine breitere Streuung, eine niedrigere Ausschüttungsrendite und geringere Kosten haben. Während viele Welt-ETF im März, Juni, September und Dezember ausschütten, ist hier https://de.extraetf.com/etf-profile/IE00B4X9L533?tab=distributions ein Beispiel für Januar, April, Juli, Oktober und hier https://de.extraetf.com/etf-profile/IE00BYXVGZ48?tab=distributions ein Beispiel für Februar, Mai, August, Oktober. Solltest Du eher auf Vermögenserhalt - und damit auf geringere Volatilität - setzen kannst Du auch darber nachdenken, einen Teil Deines Kapitals in Anleihen zu investieren. Hier gibt es auch ETF mit monatlicher Ausschüttung, z.B. diesen: https://de.extraetf.com/etf-profile/IE00BG47KB92?tab=distributions
Insofern kommt es aus meiner Sicht stark darauf an, wie Du das Kapital früher oder später verkonsumieren möchtest. Weiterer Punkt: soll etwas übrig bleiben, z.B. um es zu vererben oder zu spenden? Wenn nicht könntest Du auch alles in ein Produkt (sei es nun ein reiner Aktien-ETF oder eine Multi-Asset-Lösung) stecken und dann entsparen. Gute Infos dazu gibt es meiner Meinung nach auf den letzten ca. 50 Seiten des Buches "Die genial einfache Vermögensstrategie" von Prof. Weber et al. Das Buch ist deutlich besser als der reißerische Titel es vermuten lässt.
Das so meine grundsätzlichen Gedanken.
Mit Blick auf die von Dir ausgewählten Titel sind sicherlich diverse zuverlässige Dividendenzahler dabei, die sich in vielen privaten Portfolios finden. Die eine oder andere etwas spekulative Position darf natürlich nicht fehlen, das Salz in der Investmentsuppe. Ein Detail fiel mir noch auf: von SAP hast Du nicht die eigentliche Aktie gekauft, sondern ein ADR. Hast Du Dich da vergriffen oder hat das einen bestimmten Grund?
Abschließend hoffe ich, dass Du falsch liegst und entgegen Deiner Annahme noch 30+ glückliche und gesunde Jahre hast. Viel Erfolg und beste Grüße
@joachim_c55917 gerne. Ich fürchte, das ist nun eine Frage der Erwartungshaltung bzw. die Frage, was Aktien leisten können. Auf 1.000 Euro bis 4.000 Euro/Monat zu kommen dürfte aus Dividenden aus Deinem jetzigen Stand plus weiterer einigermaßen vernünftiger Investments tatsächlich sehr schwierig bis unmöglich werden. Du müsstest ja in den kommenden Jahren wahnsinnige Renditen erzielen, um Deinen Depotwert ungefähr zu vervierfachen (und auch das würde nach meiner Rechnung nicht ausreichen). Das wird vermutlich mit Aktien nicht gelingen, sofern Du nicht durch extrem glückliches Stockpicking den einen oder anderen Tenbagger findest. Das gilt insbesondere, wenn Du - wie Du oben schreibst - Deine Rücklagen im risikofreien Bereich erhöhen möchtest - umso weniger kannst Du risikobehaftet investieren. Natürlich besteht grundsätzlich die Möglichkeit, über Hebelprodukte oder einen höheren Cryptoanteil die potentielle Rendite zu erhöhen. Da dann allerdings auch das (Total-)Verlustrisiko entsprechend steigt lasse zumindest ich davon im Großen und Ganzen die Finger und würde es auch nie jemandem nahelegen so zu investieren. Daher zurück zum Anfang meiner Gedanken: ich bin mir nicht sicher, ob die Börse Deine Erwartungshaltung erfüllen kann. Dennoch wünsche ich Dir weiter viel Erfolg, ob nun bei Plan A oder Plan B - Hauptsache, Du triffst Deine eigenen Entscheidungen und nimmst Deinen Erfolg in die eigenen Hände.
@das_lama vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Die Erkenntnis, dass ich mindestens 20 Jahre gepennt habe und trotz gutem Verdienst nichts für meine Rücklagen getan habe war schon schwer zu verdauen. Mit dem Ergebnis muss ich jetzt leben aber ich glaube es noch nicht zu spät 🙂.
Zu Beginn waren Dividenden kein Kriterium für mich. Das ist auch an meinen ETFs zu sehen. Mit einer Ausnahme sind die thesaurierend. Jetzt sind Dividenden es schon. Ich werde mir jeden Tipp von Dir anschauen - vielen Dank dafür. Ich denke allerdings, dass man schon ein recht hohes Investment benötigt, um interessante Auszahlungen zu bekommen. Bei deinem ersten Tip z.B. müsste, bei 5,28% Auszahlung im Jahr, das Investment bei knapp 230.000€ liegen, um 1.000€/Monat zu bekommen. Meine Deckungslücke (wenn ich nur meine Rente betrachte) liegt bei 4.000€. Ich denke Dividenden sind ein wichtiger Teil aber ich fürchte ich brauche noch einen Plan B.
Liebe Grüße
Joachim
P.S. bei der SAP habe ich mich vergriffen 😟
Hallo @joachim_c55917 ,
eine Dividendenstrategie (oder zumindest teilweise) wie du sie angesprochen hast könnte in deiner Position durchaus Sinn machen. Ich verweise hier auf den Sparer-Pauschbetrag, also Freibetrag bei Kapitaleinkünften bis 801€ bei einzelnen und 1602€ bei verheirateten Menschen in DE. Damit könntest du Dividenden (man rechnet hier üblicher Weise mit etwa 2-3% im Durchschnitt), je nach deiner Strategie, die ersten Jahre reinvestieren und zu einem späteren Zeitpunkt als zusätzliches Einkommen zum Leben verwenden. Das wären z.B. bei 55.000€ etwa 1100-1650€, die, wenn du und deine Frau sonst keine Kapitalerträge habt und nicht alle Investments in Dividendenaktien/ -ETFs sind, bis 1602€ steuerfrei.
LG