Marcus
Investor
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Gepostet in Schnack

Hype um Dividendentitel

Hallo zusammen,

ich lese und höre zunehmend mehr über Dividendentitel und Dividendenportfolios. Ich verstehe den ganzen Hype nicht. Was ist so reizvoll an Dividenden?

Dem Unternehmen wird Kapital entnommen was nicht für weiteren Wachstum investiert werden kann. Wo macht es den Unterschied zwischen 500€ erhaltener Dividende die mit Auszahlung im Kurs eingepreist wird und einem Verkauf von Anteilen im Wert von 500€?

Kann mich mal jmd. über den Hype von Dividendenportfolios aufklären?

Ich kaufe Aktien von Unternehmen von denen ich ein starkes Wachstum erwarte und nicht von denen die eine hohe Dividende versprechen.

16 Kommentare

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Das_Lama
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Ich hoffe, dass ich nicht Teil des Hypes bin, aber weswegen ich Dividenden und ausschüttende ETF bevorzuge hat wesentlich folgende Gründe: 
1. Ausschüttungen motivieren mich insbesondere in Phasen stagnierender oder sinkender Kurse.
2. Ich kann die auflaufenden Dividenden nutzen, um andere Aktien ins Portfolio aufzunehmen ohne von außen Kapital zuführen zu müssen.
3. Irgendwann kann ich die Dividenden verkonsimieren, ohne dass ich dafür irgendwas verkaufen muss.

Ich verspreche mir also ausdrücklich keinen Renditevorteil davon, sondern folge einer Präferenz. Heißt nicht, dass ich grundsätzlich keine Aktien kaufe, die keine Dividende ausschütten. Soweit meine 2 Cent.

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Matt
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Deine Sichtweise entspricht die eines außenstehenden Aktionärs. Hinter jeder Aktie steckt ein Unternehmen. Bei allen Unternehmen geht es im Kern um die Steigerung von Gewinnen, um somit den Eigentümer möglichst viel Geld zu bringen. Ein Bäcker backt seine Brötchen auch nicht um den Welthunger zu stillen, sondern um Geld für sein tägliches Leben zu verdienen.
Unternehmen schütten die Gewinne an die Gesellschafter/Eigentümer aus. An der Börse nennt man das Dividenden. Dieses Geld steckt im Unternehmen als Eigenkapital, sodass beim Ex-Dividenden-Tag die Aktie mit einem Abschlag in Höhe der Bruttodividende gehandelt wird (Dividendenabschlag). Das Geld "wandert" vom Unternehmen an seine Eigentümer, daher ändert sich wertmäßig eigentlich nichts.
Gute Unternehmen schütten dabei nur soviel aus, wie das Unternehmen nachhaltig auch erwirtschaften kann. Langfristigen Aktionären ist dies auch wichtig, um auch in Zukunft vom Unternehmen zu profitieren.
Wenn ein Unternehmen trotz steigender Gewinne  keine Dividende zahlt, treten unter anderem zwei Effekte auf:

  1. Die Aktionäre verhungern, da sie ohne Ausschüttung nichts zum Leben erhalten. (Ein Verkauf der Anteile ist nicht gewollt, da der Aktionär weiterhin vom Unternehmen profitieren will).
  2. Ressourcenverschwendung im Unternehmen und keine effiziente Tätigkeit des Managements. Ein Beispiel wären die deutschen Autokonzerne in den 90er Jahren, wo einfach halbblind anderen Autofirmen gekauft wurden. Man hat eben "zu viel" Geld und muss keine wirtschaftlich optimalen Entscheidungen treffen. Das oft genannte Wachstum hängt auch von weiteren Faktoren ab. Z. B. ist es unwahrscheinlich, dass Apple pro Jahr mehr iPhones verkauft als es Menschen auf der Erde gibt.

Den Dividendenhype gibt es nicht, ebenso nicht den Growthhype. Das meiste kommt von den Medien und von selbsternannten Finanzgurus. Es muss eben irgendeine Sau durchs Dorf getrieben werden...2020 waren es Impfstoff-Firmen, 2021 Wasserstoff, 2023 KI, aktuell könnte es Kryptowährung werden.

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Matthias Parlow

Ich persönlich nehme keinen Hype wahr. Es ist halt einfach eine Ausrichtung/Strategie, die viele gerne verfolgen. Man hat quasi noch einen doppelten Boden, sollte der Kurs fallen - dann hat man ja noch die Dividenden. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man Dividendentitel länger im Depot behält, selbst wenn das Wachstum nachlässt. Wie eine Stempelkarte beim Friseur....sorry fürs schlechtes Beispiel.

Zwar sind Dividendenrenditen keine Kaufenstscheidung bei meiner Aktienauswahl, jedoch versuche ich die Anzahl meiner Dividendentitel so zu wählen, dass ich den jährlichen Freibetrag von 2000€ ausschöpfe.

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MaiTai

Über das Thema Dividenden und seine Strategien lässt sich realtiv einfach ohne viel Tiefgang berichten. Besonders durch so Bezeichnung wie "passives Einkommen" oder "(monatlichens) Divideneneinkommen" wurden auch viele erstmalige Aktionäre gewonnen.

In den USA schon länger ein Thema, haben sich mit der Zeit eigene Geschäftsmodelle danach ausgerichtet. Beispielsweise ist ein Großteil der Beiträge und Abo-Modelle auf SeekingAlpha nach Dividenden ausgerichtet.
Ebenso die Seite "Simply Safe Dividends" bekannt und komplett darauf ausgerichtet.

Seit 2018 sind hierzulande auch viele sog. Finfluenzer auf den Zug aufgesprungen. Siehe die Labertaschen von "echtgeld.tv" oder sonstige Konsorten wenn man nur mal nach deutschen Content in Verbindung mit Dividenden sucht. Ebenfalls die Software "Divydiary" oder gar der "berühmte" "Aktienfinder" positionieren sich vollständig um dieses Thema.

Vor nicht all zu langer Zeit hat der Kanal von "Aktienrebell" in drei Videos die Thematik ganz gut zusammengefasst und auch entsprechend mit der Community diskutiert. Bei Interesse nach: "Die 7 teuren Irrglauben von Dividenden-Investoren", "Es gibt noch mehr Dividenden-Irrtümer..." und "Wie gut sind Dividendenstrategien wirklich?" auf YT suchen.

Ich vermute du bist einfach nur einer Bubble beigetreten bzw die Algorithmen vermutet das dich dieses Thema interessiert.

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Matt
Plus

@marcus_26d82f Es hat eine wirtschaftliche und psychologische Komponente.
Der größte wirtschaftliche Vorteil besteht darin, dass das Unternehmen "gezwungen" wird nachhaltig und langfristig zu wachsen um regelmäßig auszuschütten. Risikoreiche Geschäfte und  Wachstum ohne Ende gehören hier weniger dazu.

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Matt
Plus

@marcus_26d82f Das kann sein, muss es aber nicht. Wenn du CEO wärst und wüsstest, dass alle Gewinne im Unternehmen bleiben, hast du weniger Druck und kannst freier entscheiden. Dann kaufst du eher das was du magst, auch wenn es vll. teurer ist. Oder "unnötige" Ausgabe, wie viel mehr Marketing, Bonuszahlungen, etc.

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Z4Re
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@marcus_26d82f der wirtschaftliche Vorteil ist der, dass Dividenden unabhängig vom Kurs betrachtet werden sollten. Nehmen wir 2 Portfolios als Beispiel heran. Beide verfolgen das Ziel, im Alter die Rente zu ersetzen beispielsweise. Im ersten Portfolio wird die "WELT-AG" abgebildet alternativ kann ein ETF herangenommen werden. Im 2. wird auf eine Dividendenstrategie mit Qualitätsaktien gesetzt. Szenario: Der Markt läuft die nächsten 30 Jahre (bis zur Rente oder dergleichen) mit 7% im Schnitt = Beide Portfolios sind gewachsen haben sich vom Wert verdoppelt allerdings unterschiedliche Rendite. Mit Steuer und so weiter bist du Wohl mit einem Welt ETF etwas erhaben. Nach 30 Jahren willst du endlich von dem Geld etwas entnehmen. Die Verkaufshürde bei Anlegern mal ausgenommen, bist du ab diesem Zeitpunkt auf den Markt angewiesen im Weltportfolio, denn sollte genau wenn du das Geld brauchst ein Crash oder sonst etwas kommen wäre das denkbar schlecht. Du musst deutlich mehr Anteile verkaufen da die Preise gefallen sind. Evtl. dauert die Krise 2 oder 3 Jahre und du musst viele deiner Anteile verkaufen und das Geld reicht nicht für deinen Entnahmeplan. Entweder musst du jetzt kürzer Treten oder du versucht den Crash auszusitzen.

Schauen wir uns das gleiche bei Portfolio zwei an. Du hast Dividendenaktien mit einer super Bilanz, da du sie analysiert hast und sie ein gutes Management haben. Erstens wird bei diesen Aktien die Dividende normalerweise regelmäßig erhöht, was deine Dividendenrendite über die Jahre (Zinseszins) enorm pusht. Zweitens bist du relativ unabhängig von Kursen. Gute Firmen bilden Rücklagen und Einkommensströme welche auch Krisensicher sind. Dies bedeutet, selbst wenn der Kurs um 50% fällt kann es dir egal sein. Die Dividenden werden (bei guter Auswahl - siehe Vergangenheit Dividendenaristrokraten - kein Gewähr für die Zukunft) weiter bezahlt. Vielleicht werden sie in den 3 Crash Jahren nicht erhöht aber du musst auch nicht zwangsläufig Kürzer treten. Außerdem musst du keine Anteile veräußern was vielen Menschen sowieso schwer fällt. Man hat ein "festes und wachsendes" Einkommen. Das sollt zumindest das, in meinen Augen, Ziel sein. Gute Aktien, steigende Dividende, top Management, Free Cashflow, Kurs unabhängig.

Das ist in meinen Augen der wirtschaftliche Vorteil.

Beste Grüße :)

2
Marcus
Autor
Investor
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+1

Hallo zusammen,
vielen Dank für die vielen und teils ausführlichen Antworten.
Das hat mir geholfen meine aktuelle Strategie zu überdenken und zum Teil anzupassen. 
Viele Grüße Marcus

1
Simon
Investor
Beta
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@marcus_26d82f Ich stelle mein Kapital dem Unternehmen zur Verfügung, weil ich eine faire und regelmäßige Vergütung dafür erwarte. Ich möchte nicht, dass das Unternehmen sein Geld "verschwendet", indem es gegebenenfalls in riskante oder unrentable Projekte investiert, die seine Rentabilität und seinen Marktwert gefährden.
In einem gesättigten Markt ist es umso wichtiger, die bestehenden Kunden/Investoren zu binden und neue zu gewinnen, indem man ihnen attraktive Dividenden bietet. Wachstum kann nicht nur durch Forschung und Innovation, sondern auch durch Kundenloyalität erreicht werden.
Am Ende des Tages suche ich nicht nach dem nächsten 10,20,100 Bagger, sondern nach einer stabilen und sicheren Rendite, die mir erlaubt, meinen Lebensstandard zu verbessern und mein Vermögen zu vermehren. Ich bin überzeugt, dass ein Unternehmen, das mir eine  Dividende zahlt, mir mehr Gewinn bringen wird als eines, das sein Geld zurückhält. Ich möchte Teil eines profitablen Unternehmens sein, das mich an seinem unternehmerischen Erfolg beteiligt, indem es mir einen Teil seines Gewinns ausschüttet.
Und noch ganz zum Schluss: Jede andere Investmentstrategie ist für mich auch absolut ok, solange man stringent dabei bleibt, wichtig ist einzig und allein etwas aus seinem zur Verfügung stehenden Geld zu machen, im Idealfall: mehr Geld😁

In diesem Sinne liebe Grüße und erfolgreiche Geschäfte 🙂

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Goldesel
Plus

Ich denke Deine Frage wird hier ganz gut mit Leben gefüllt.

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Blumentopf
Plus
Beta

Wenn du mal einen schlechten CEO erwischt, hast du deine ganzen unrealisierten Gewinne ohne Dividendenausschüttung verpufft. Durch Dividenden bist du zumindest in der Theorie vorher teilweise entschädigt. Wenn du es natürlich wieder in die gleiche Aktie reinvestierst, ist der Effekt halt nicht wirklich gegeben ;)

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Daniel
Plus

@stephan_streckwaldt Völlig richtig - um Warren Buffet zu zitieren: “I try to invest in businesses that are so wonderful that an idiot can run them. Because sooner or later, one will”

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Bart70

Letztlich ist das ja auch immer die Grundidee am Aktienbesitz - an der Wertschöpfung durch Ausschüttungen zu profitieren. Die Wertsteigerung eines Unternehmens durch die Thesaurierung von Gewinnen verschiebt deine Ausschüttungen ja nur in die Zukunft (hoffentlich mit entsprechendem Steigerungspotenzial). Ich investiere seit über 30 Jahren an der Börse, habe alle Hypes und Crashs in der Zeit mitgenommen, mal ordentlich verdient und auch viel verloren. Letztlich repräsentieren die kumulierten Dividendenauszahlungen tatsächlich einen guten Teil meines langfristigen Gewinns, das Geld ist dann einfach schon mal versteuert eingesackt.

Den ‚Hype‘ aktuell erkläre ich mir dadurch, dass zuletzt einfach viele Substanzwerte viel, viel schlechter gelaufen sind als die Magnificient 7 / S&P500 / Tech… da ist aufgrund der extremen Bewertungsunterschiede von vielen eine zyklische Aufholung zu erwarten. Es gibt sehr viele Werte, bei denen das KBV und KGV in den letzten Jahren ständig gesunken & die Ertragskraft & Dividenden dennoch gestiegen sind. Da bietet sich dann sogar bei vielen high-yield Aktien mal an, die 5-8% Dividende als Halteprämie mitzunehmen und auf eine 20-50% Kurssteigerung zu warten, bis die langjährige Durchschnittsbewertung wieder erreicht ist. Da kann man bei kontinuierlichen Dividenden dann ja durchaus ein paar Jahre warten und es aussitzen.

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Marcus
Autor
Investor
Beta
+1

Danke.
Alles nachvollziehbar, insbesondere der psychologische Effekt.
Aber den wirtschaftlichen Vorteil erkenne ich immer noch nicht.

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