Das_Lama
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Gepostet in Schnack

Aktien Life Balance

Noch ein Buch über Finanzen? Muss das? Aber gut, da ich von Aktiengram viel halte wollte ich Aktien Life Balance dann natürlich doch lesen. Dank US0231351067 und DE0005552004 war es Freitagnachmittag da und ich habe es über das Wochenende gelesen. Hier also meine ungefragte Meinung:

Die Einleitung ist sehr gelungen mit persönlicher Note, ohne dass es zu egozentrisch wäre. Gleichzeitig findet ein anschauliches Herunterbrechen der Produkte die uns umgeben auf die dahinterstehenden börsennotierten Hersteller statt. Sprachlich einladend, einfach lesbar und deutlich flüssiger als z. B. das möchtegern-lockere Geschreibsel von Natascha Wegelin aka Madame Moneypenny. Dabei findet trotzdem eine Wissensvermittlung über die Grundfunktionen des Marktes statt und wichtige Grundbegriffe werden anschaulich erklärt.

Die Einführung zum ETF-Investieren greift alle wichtigen Faktoren zur ETF-Auswahl auf, es wird aber auch weit fortgeschrittenes Wissen offenbar, so z. B. hinsichtlich des Fondsdomizils Irland für US-lastige Produkte. Wenn man einen Kritikpunkt an diesem zweiten Kapitel finden möchte, dann kann man anmerken, dass der grundsätzliche Nutzen des Investierens in ETF an dieser Stelle stärker hätte betont werden können. Nach meiner Einschätzung ist das aber grundsätzlich so in Ordnung. Auch die Ausführungen zum Investieren in Einzelaktien halte ich für gelungen. Hier zeigt sich, dass Lisa neben dem geistigem Überbau eben auch umfassende praktische Erfahrung hat; das tut dem Buch insgesamt und dem Kapitel im Besonderen gut. Stark finde ich dabei auch, dass Lisa ausdrücklich darauf hinweist, dass unter Renditegesichtspunkten vermutlich auch für sie selbst ein ETF-Investment die bessere Wahl wäre – bevor sie dann ausführt, warum „ihr Weg“ trotzdem wesentlich über Einzelaktien verläuft. In diesem Kapitel, der Aktienauswahl und -analyse, zeigt sich dann auch der echte Mehrwert des Buches: Die Herangehensweise ist nachvollziehbar dargestellt und gleichzeitig inhaltlich fundiert. So können sich blutige Anfänger ein solides Basiswissen aufbauen, bisher ETF-only-Investoren können sich Einzelaktien annähern und (auch) in Einzelaktien Investierende können ihre eigene Herangehensweise an den Darstellungen challengen.

Beim zweiten Schwerpunkt des Buches, den Dividenden, gibt es dann erwartungsgemäß nichts zu meckern. Solide werden wir mitgenommen auf eine Reise durch die unterschiedlichen Dividendenstrategien, Lisas eigene Motivation & Ansätze bis hin zu Schmankerln wie dem Lindt-Koffer und dem Calida-Pyjama. Best of Aktiengram sozusagen.

Abgerundet wird das Buch dann durch ein Kapitel „Was ich gerne früher gewusst hätte“, in dem z. B. die diversen Investment-Biase beschrieben werden. Das dann wieder mit persönlicher Note und eigenen Erfahrungen in Verbindung gebracht. Letzteres ist ohnehin prägend für das Buch: es ist zu keinem Zeitpunkt von oben herab und erklärt uns die Welt, sondern schafft es, Wissen zu vermitteln und dabei stets nahbar zu bleiben. Sehr gelungen.

Allerdings gibt es auch drei Punkte, die ich kritisch sehe:

Erstens ist der Aufbau des Buches ein wenig ungewöhnlich. Die detaillierteren Ausführungen, weswegen Investieren sinnvoll ist, finden sich in der Mitte des Buches, kurze Ausführungen zu Notgroschen etc. am Ende des Buches. Vermutlich eine bewusste Entscheidung, um den Schwerpunkt des Buches beim Investieren selbst zu belassen, so grundsätzliche Ausführungen hätten aber nach meiner Meinung besser zum Herleiten des Hauptteils beigetragen, wenn sie an den Anfang gestellt worden wären.

Zweitens: Als Beispiel für Inflation geht es im ersten Kapitel um Eispreise. So weit, so anschaulich. Allerdings geht das Rechenbeispiel davon aus, dass ein Monat vier Wochen habe. Wenngleich dabei steht, dass das Beispiel „stark vereinfacht“ ist, stellen sich mir hier die Nackenhaare auf. Denn das ist nicht stark vereinfacht, sondern schlicht falsch. Ein Monat hat im Schnitt 4,35 Wochen. Klingt nach nichts? Sind aber 8,75 % mehr. Und dieses falsche Gleichsetzen ist genau der Trick, mit dem uns Fitnessstudios und Mobilfunkanbieter unauffällig in 13 vierwöchige statt 12 monatliche Abrechnungsperioden pro Jahr bringen wollen. An der Stelle darf man es also in einem Buch, in dem es ums Geld geht, gerne genauer nehmen.

Drittens ein aus meiner Sicht ärgerlicher Stockfehler: der DAX ist 1988 mit 1000 Punkten gestartet. Im Buch heißt es „Wenn [der DAX] bei 15.000 Punkten schließt, dann ist der DAX insgesamt seit 1988 um das Fünfzehnfache gestiegen.“. Nö. Er ist auf das Fünfzehnfache oder um das Vierzehnfache gestiegen.

Geschenkt, ich möchte ja positiv schließen.

Fazit: Das Buch ist aus dem Stand heraus mein Top-Pick wenn es darum geht, zukünftig im Freundes- und Bekanntenkreis für ein Auseinandersetzen mit der Börse zu werben. Gefühlt fundierter als Kehl/Linke, erheblich kompakter und weniger ETF-zentriert als Kommer oder Warnecke, breiter als Röhl/Heussinger und viel einfacher lesbar als Weber et al.

Für erfahrene Investoren vermutlich kein Wissensgewinn mehr – dafür gibt es andere – aber für Einsteiger vollumfänglich empfehlenswert. Auch wenn Paarhufer eigentlich keine Daumen haben: dieses Lama hebt den Daumen.

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10 Kommentare

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Sumit
Team
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Sehr schöne Review 👏 - vielen vielen Dank dass du sie mit uns teilst!!!

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Das_Lama
Autor
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@sumit Schön, etwas zurückgeben zu können - ich danke für all die positiven Dinge, die ich aus parqet ziehe!

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Aktiengram
Investor
Beta

Wow, vielen Dank für das ausführliche Fazit! "Best of Aktiengram" gefällt mir richtig gut! 😄 Tatsächlich habe ich die Kapitel Notgroschen & Cashreserve bewusst in den Bereich weiter nach hinten zu "Investieren – jetzt geht’s los" geschoben, weil ich mir dachte, jemand der es nicht gleich am Stück durchliest, sollte diese beiden Punkte auf jeden Fall noch einmal vor dem Börsenstart im Sinn haben. Deine Gedanken dazu kann ich aber auch gut nachvollziehen. Danke auch für die Hinweise zu Inflation & DAX-Beispiel; ist gleich notiert für die nächste Auflage. Mir ist selbst auch noch aufgefallen, dass ich im Kapitel über die Teilfreistellung bei ETFs einen Fehler gemacht habe. Die Reihenfolge der Anrechnung bei der Teilfreistellung habe ich hier vertauscht; korrekt wäre: Erst die 70 %, und dann kommt der Freibetrag. (Dadurch fällt die tatsächliche Rechnung noch besser aus, als das Beispiel im Buch, fuchst mich aber trotzdem. - Wird auch korrigiert in der 2. Auflage.)

Abschließend: Ein großes Dankeschön für das ausführliche Fazit, deine Gedanken und das schöne Schlusswort dazu. Das freut mich wirklich sehr!

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Das_Lama
Autor
Plus

@aktiengram Sehr gerne, ich ziehe meinen Hut vor dir.

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Marcus
Investor
Beta
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@aktiengram Mal schauen ob ich danach schlauer bin 🤔

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Aktiengram
Investor
Beta

@marcus_26d82f  Bin gespannt wie es dir gefällt! 🙏

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Je suis Ich
Investor
Beta
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Schöne Rezension. Nun weiß ich gleich jemanden, dem ich dieses Buch zu Weihnachten schenken werde.

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Marcus
Investor
Beta
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So, bestellt. Kommt noch vor Weihnachten und wird zwischen den Tagen gelesen. Soweit der Plan…

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Michael
Plus
Beta

So so, von 100 auf 15.000 ist aber 150fach/149fache gestiegen. Wer hat nun den Tippfehler gemacht?

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Das_Lama
Autor
Plus

@michael Danke dir für den Hinweis, habe es korrigiert.

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