Das_Lama
Plus

Gepostet in Schnack

Handbuch Geldanlage – Stiftung Warentest/Finanztest

Damit der Sessel besser aussieht, musste ich ein neues Regal kaufen. Das wiederum führte dazu, dass ich etwas kaufen musste, das ich in das Regal stellen kann. So kam ich denn also zum Handbuch Geldanlage von Stiftung Warentest (4., aktualisierte Ausgabe). Und wo ich das Buch schon mal hatte, habe ich es halt gelesen, da wird man ja nicht dümmer von.

Der Aufbau des Buches folgt durchaus dem inzwischen klassischen Weg, indem zunächst Grundlagen wie beispielsweise das magische Dreieck der Geldanlage, die Wirkung des Zinseszinses oder auch die Macht der Diversifikation erläutert werden. Auch das Erstellen einer persönlichen Vermögensbilanz wird prägnant und gut nachvollziehbar dargestellt und erläutert, weswegen das Gewinnen eines Überblicks vor Auswahl der Investments ratsam ist. Später folgt dann der eigentliche Inhalt sauber getrennt nach Assetklassen. Sauber strukturiert, schön abgegrenzt und gut geeignet für alle, die übersichtliche Kapitellängen zu schätzen wissen.

Stärken, die mir aufgefallen sind:

Eine der Stärken des Buches ist meines Erachtens, dass viel mit ansprechend gestalteten Bildern, Tabellen, Grafiken etc. gearbeitet wird. Das macht es an der einen oder anderen Stelle gerade für Einsteiger erheblich einfacher, das Geschriebene besser nachzuvollziehen. Insbesondere werden in den Fließtext viele optisch abgetrennte Pro-Contra-Listen eingearbeitet, die dabei helfen, den Inhalt zu bewerten ohne dabei allzu belehrend zu wirken. Zu beachten ist, dass der Datenstand aus 2021 und 2022 datiert, sodass neuere Entwicklungen naturgemäß nicht dargestellt werden.

Ebenfalls gut finde ich, dass man hier in einem einzigen Buch einen Einblick in sehr viele Anlageklassen bekommt. Die Autoren verweisen z.B. nicht einfach nur darauf, dass es einen Unterschied zwischen Staats- und Unternehmensanleihen gibt, sondern gehen noch eine Stufe tiefer und stellen die unterschiedlichen Formen von Bundeswertpapieren dar. Zertifikate und Derivate bekommen ebenso ein eigenes, informatives Kapitel, auch Genussrechte und weitere Anlagen finden mehr oder weniger umfassend Erwähnung.

Und natürlich werden auch die Pantoffelportfolios vorgestellt, was ich persönlich sehr gut finde. Ob man den ausgewogenen „Deutschland-Pantoffel“ (50 % Staatsanleihen/Tages-/Festgelder und 50 % Aktien Deutschland) wirklich gut finden muss, sei dahingestellt. Gleichwohl sind es damit auf kompaktem Raum 8 Pantoffel in je 3 Varianten = 24 einfach umzusetzende Investmentideen, von daher überwiegt bei mir das positive Gefühl.

Die schwachen Seiten, oder: was leistet das Buch nicht?

Das Buch benennt zwar grundsätzlich wesentliche Risiken der Geldanlage, bleibt aber in der Erklärung derselben an der Oberfläche, der Abschnitt „Die Risiken von Aktienanlagen“ umfasst drei Seiten. Der Fairness halber sei ergänzt, dass auch an anderen Stellen des Buches teilweise Risiken beschrieben werden (z.B. das Zinsänderungsrisiko bei Anleihen), aber es bleibt überschaubar. Zum Vergleich: Gerd Kommer widmet in „Souverän investieren […] für Fortgeschrittene“ der Risikodiskussion über 100 Seiten.

Zweite Schwäche: Mangelnde Aktualität. Es wird an mehreren Stellen dargestellt, dass man ja nicht gleich zu einer von diesen neuen Direktbanken wechseln muss, wenn einem das gruselig vorkommt. Aber man könnte doch zumindest mal bei der Hausbank oder Sparkasse das Onlinebanking einrichten. Alleine dadurch ließen sich die Orderkosten schon dramatisch reduzieren. Wirkt auf mich dann doch arg aus der Zeit gefallen. Fintechs: eine Seite, Kryptos: 4 Seiten, Robos: 2 Seiten, Neobroker: eine halbe Seite. Zu all diesen Themen hätte man auch 2023 bzw. mit Datenstand aus dem Herbst 2022 schon erheblich mehr schreiben können.

Was steht also unterm Strich? Ich bin auch nach der Lektüre nicht sicher, wer überhaupt die Zielgruppe dieses Buches sein soll. Die Kombination aus den zaghaften Verweisen auf dieses neue, verrückte Onlinebanking einerseits und den Beispielen, in denen „kleine Beimischungen“ mit mehreren Tausend Euro angesetzt werden lässt mich denken, dass sich das Buch vorrangig an Menschen richtet, die das Internet nur vom Hörensagen kennen, aber morgens beim Aufstehen ne gute Million unterm Kopfkissen gefunden haben.

Allerdings bereue ich ausdrücklich nicht, das Buch gelesen zu haben. Es ist ein wirklich gutes Nachschlagewerk mit strukturierter Aufbereitung relevanter Informationen. Insofern sicher gut geeignet als Ergänzung für leicht finanznerdige Leute, die ab und an gerne noch Papier in den Händen haben. Als Grundlage für Neueinsteiger und insbesondere jüngere Menschen gibt es aber inzwischen sicherlich geeignetere Alternativen.

Ich stelle es jetzt erstmal zurück ins Regal und widme mich der „Technischen Analyse der Finanzmärkte“ von Murphy. Das wird ne ganz andere Nummer.

11
4

4 Kommentare

Melde dich an, um mitzudiskutieren.
Don Absolute
Investor
Terminal
+1

“dass sich das Buch vorrangig an Menschen richtet, die das Internet nur vom Hörensagen kennen, aber morgens beim Aufstehen ne gute Million unterm Kopfkissen gefunden haben.”

Ein herrlicher Kommentar! 🤣🤪

Wenn ich das so lese, ärgert es mich zu wenig Zeit für gute Bücher zu haben und selbst eine Rezession schreiben zu können. Der nächste Urlaub sollt bitte Abhilfe bringen.

Danke, @das_lama !

3
Das_Lama
Autor
Plus

@don_absolute Danke für die nette Rückmeldung!

0
Parqet Nutzer
Investor
Beta
+1

Vielen Dank für deine Buchbeschreibung, sehr interessant!

1
Marcus
Investor
Beta
+1

Hört sich für mich nicht so an als das ich mir das Buch kaufen sollte.

Davon nicht dümmer werden trifft auf alle Bücher zu, davon schlauer werden allerdings nicht auf alle.

P.S.: Danke für die Buchvorstellung und viel Spaß mit dem Regal.

0
🍪

Parqet  nutzt Cookies. Erfahre mehr