Jens
Plus

Gepostet in Schnack

Quellensteuer Irland?

Hallo Zusammen,

ich habe gerade voller Schrecken festgestellt, dass für Dividenden in Irland gelisteter Aktien zumeist eine doppelte Steuer angesetzt wird (und ich dachte immer Irland sei so toll bezüglich der Steuern…)

So zahle ich bei den Dividenden zu

“Trane” und “Medtronic” erst 25% an Irland (oder USA?) und dann noch einmal 26,25% (selbstverständlich auf die volle Dividende) an Deutschland

komischerweise wird “Linde” anders behandelt, hier fällt nur die deutsche Steuer an.

(Alle Assets liegen bei der Comdirect, also kann es kein Bankenphänomen sein)

Hat irgendjemand von Euch eine Erklärung warum die Unternehmen steuerlich unterschiedlich behandelt werden?

18 Kommentare

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Marcus K
Investor

Krass, wusste ich auch nicht. Ich habe mal die KI nach Medtronic gefragt. Hier die Antwort:

Bei der Besteuerung der Medtronic-Dividende in Deutschland gibt es einige Besonderheiten zu beachten:

Steuerliche Belastung

Die Gesamtsteuerbelastung auf Medtronic-Dividenden ist außergewöhnlich hoch und kann bis zu 46,3% betragen. Dies setzt sich wie folgt zusammen:

20% irische Quellensteuer

25% deutsche Kapitalertragsteuer

5,5% Solidaritätszuschlag auf die deutsche Steuer

Besonderheit bei Medtronic

Der hohe Steuerabzug resultiert aus der speziellen Situation von Medtronic als irisches Unternehmen mit US-Vergangenheit. Obwohl Dividendenzahlungen irischer Unternehmen an deutsche Anleger normalerweise quellensteuerfrei sein sollten, wird bei Medtronic dennoch Quellensteuer einbehalten.

Praktisches Beispiel

Bei einer Bruttodividende von 11,13 € würden folgende Abzüge vorgenommen:

2,23 € irische Quellensteuer (20%)

2,78 € deutsche Kapitalertragsteuer (25%)

0,15 € Solidaritätszuschlag

Die irische Quellensteuer kann dabei nicht auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet werden.

2
Jens
Autor
Plus

@marcus_05acd0 tja, man sollte zukünftig immer die KI befragen, bevor man losmacht ;)

(tatsächlich sind’s 25% irische Quellensteuer)

Auf jeden Fall zerhagelts mir mein schönes “Medtronic-Vorhaben”

In meiner Börsenzeitschrift bin ich kürzlich auf folgende Aussage gestossen (das war überhaupt der Auslöser für mich nochmals in meine Auszüge Divendendenzahlungen zu schauen):

“Laut BZSt null Prozent für EUBürger, faktisch werden bei vielen unserer Leser aber 25 Prozent Quellen steuer belastet. Dazu kommen noch 25 Prozent deutsche Abgeltungsteuer, weil die deutschen Behörden argumentieren, dass der irische Steuersatz für EUBürger ja null Prozent betrage.”

(insbesondere wenn ich die Argumentation der Behörde lese, fühle ich mich ein kleinwenig verarscht 🥳)

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zero
Investor

Das traditionell deutsche Unternehmen Linde ist primär in den USA gelistet und hat seinen steuerlichen Sitz in UK, wo keine Quellensteuer erhoben wird. Eine irische ISIN hat die Aktie nur, um die Verwirrung komplett zu machen.

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Jens
Autor
Plus

@zero ich muß noch viel lernen.

(…und habe von Euch in den 9 Monaten, die ich hier bei Parqet bin, zehnmal mehr gelernt als in den 9 Jahren zuvor!)

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Jens
Autor
Plus

@zero Danke, das ist dann mal eine schlüssige Erklärung!

Das würde dann aber auch weiter bedeuten, dass Linde eher die Ausnahme ist und andere Unternehmen mit US-Bezug, die in Irland ihren steuerlichen Sitz haben, werden doppelt besteuert?

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zero
Investor

@jens_11a37b Genau, Linde ist der Spezialfall. Standard ist auch ohne US-Bezug, dass du eigentlich 0% Quellensteuer zahlen müsstest, sie mangels Formular XY aber trotzdem einbehalten wird, und dann nicht mit der deutschen Steuer verrechnet werden kann, denn es gibt sie ja nicht, und so kommst du auf die über 50%. Steuerparadies Irland.

1
zero
Investor

@jens_11a37b Das ist aber auch normal. Fonds und Einzelaktien werden bei sehr vielen steuerlichen Regelungen unterschiedlich betrachtet, auch hierzulande.

1
Jens
Autor
Plus

@zero verstehe…

dann unterstütze ich mit meinen Steuern doch gerne die Unternehmen, die nach Irland gehen, um Steuern zu sparen …

Komisch nur, dass dann die ETFs in Irland scheinbar ganz anders steuerlich behandelt werden

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Marcus K
Investor

Ich habe mich bei Interactive Brokers von der irischen Quellensteuer befreien lassen. Ich denke aber, dass das vielen Banken zu aufwändig ist.

Dafür muss das Formular “Non-Resident Form V2A” ausgefüllt und vom deutschen Finanzamt bestätigt werden.

Das bestätigte Formular muss vor dem nächsten Dividendentermin über die Depotbank an die irischen Steuerbehörden übermittelt werden.

Viel Spaß!😉

1
Jens
Autor
Plus

😊sind bei mir zum Glück noch “Pfennigbeträge”. Linde und Trane zeichnen sich ja auch nicht wirklich durch hohe Dividenden aus ;)

Und bei Medtronic hatte ich kürzlich erst einen Sparauftrag gestartet, da ist noch nicht viel drin. Die schienen mir unterbewertet und dann dachte ich, ich nehme einfach im Vorbeigehen noch mal die nette Dividende mit … (schön gedacht, wie so oft ;)

Auf jeden Fall gut zu wissen, was du oben über das Formular zur Befreiung von der irischen Quellensteuer schreibst.

So langsam werde ich mich wohl auch diesem Thema stellen müssen. Bisher habe ich’s immer gescheut. (bei der DKB sollte ich mit Frankreich starten)

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David
Plus
Beta

Was ist denn mit deinem Freistellungsauftrag ?

Sollte der Betrag noch nicht ausgeschöpft sein, dann sollte auch keine deutsche Kapitalertragssteuer anfallen.

0
David
Plus
Beta

@jens_11a37b , keine Ahnung was du genau mit “doppelt zahlst” meinst.

Ich habe 7 US Aktien in meinem Depot.

Alle schütten Dividenden aus.

Die Quellensteuer in den USA beträgt regulär 30 %

Dank Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und den USA, reduziert sich die Quellensteuer auf 15 %.

Diese 15 % Quellensteuer werden von meinem Broker (Scalable) direkt abgeführt und ich erhalte dann die Nettodividende auf mein Verrechnungskonto.

Und dank bestehendem und noch nicht ausgeschöpftem Freistellungsauftrag in voller Höhe.

Was ich jedoch auch als Nachteil bzw. in Teilen als ungerecht empfinde ist die Tatsache, dass beim Freistellungsauftrag die Brutto-dividende angerechnet bzw. abgezogen wird.

Alternativ kannst du dir beispielsweise Aktien mit britischer ISIN suchen.

In Großbritannien fällt keine Quellensteuer an.

Und zum Thema Irland…. ich habe zwar keine in Irland gelisteten Aktien, aber ETFs mit irischer ISIN…..

Da läuft es gleich ab, wie schon oben am Beispiel der USA beschrieben.

Wobei ETFs i.d.R. den Vorteil mitbringen, dass es eine s.g. Teilfreistellung i.H.v. 30 % gibt.

Das bedeutet, dass nur 70% der Ausschüttungen steuerrelevant sind und auch dein Freistellungsauftrag würde mit dem reduzierten Betrag belastet werden.

1
El Sino
Investor
Terminal
+1

HI @jens_11a37b ,

von den 30% Quellensteuer, die du auf Dividenden amerikanischer Wertpapiere zahlst, kannst du dir 15% zurückholen und 15% auf die in Deutschland zu zahlende Kapitalertragsteuer anrechnen lassen.

Für die 15% die du dir zurückholen kannst brauchst du in Regel nichts zu tun, denn die meisten Broker haben ein QI-Agreement, erfüllen also bestimmte Dokumentationspflichten, so das sich deine Quellensteuer auf 15% reduziert.

Die zweiten 15% musst du in jedem Fall zahlen, kannst sie dir aber auf die in Deutschland zu zahlende Kapitalertragsteuer anrechnen lassen. Zahlst du keine Kapitalerstragssteuer, weil beispielsweise dein Freistellungsauftrag noch nicht aufgebraucht ist, kannst du dir auch nichts anrechnen lassen. In dem Fall landet die gezahlte Quellensteuer im Verlusttopf und wird dann verrechnet, wenn dein Freistellungsauftrag aufgebraucht und Kapitalertragssteuer zu zahlen ist.

Viele Grüße

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Jens
Autor
Plus

@david_holland ich hatte für das entsprechende Depot keinen Freistellungsbetrag beauftragt.

Zudem scheint das mit dem Freistellungsbetrag vs. Quellensteuer nicht so einfach zu sein, wie man denkt ….

Mir ist letztes Jahr bei Dividendenzahlungen zu USA-Aktien aufgefallen, dass mir die Quellensteuer (für USA wohlgemerkt!) nach USA überwiesen wurde PLUS ein entsprechender Betrag von meinem Freistellungsbetrag abgebucht wurde …

Das heißt auch da, dass du “doppelt” zahlst (vielleicht kann ich mir das zuviel gezahlte Geld aus den USA zurückholen - keine Ahnung. Da es nicht so viel ist, stehen wie so oft, Kosten/Nutzen in einem ungünstigen Verhältnis …

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Jens
Autor
Plus

@david_holland das scheint bei ETFs, die in Irland ihren Sitz haben steuerlich anders zu sein als bei irischen Aktien.

hatte Zero Income Strategy weiter oben schon kurz kommentiert

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El Sino
Investor
Terminal
+1

Wieso? Du zahlst die Quellensteuer ja nicht doppelt. Sie wird dir zwar abgebucht, aber als Verlust dem Quellensteuerverlusttopf hinzugefügt. Du bekommst sie also früher oder später zurück.

Viele Grüße

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