Das_Lama
Plus

Gepostet in Schnack

Lifecycle-ETF

Ich war gerade dabei, meine ETF den einzelnen SRI-Risikoklassen zuzuordnen, als ich über die Lifecycle-ETF von Amundi gestolpert bin. Ich bin grundsätzlich interessiert an Portfoliokonzepten und hatte auch selbst zeitweise schon einen Vanguard-LifeStrategy-ETF und einen iShares-Portfolio-ETF im Depot. Deswegen habe ich mich gefreut zu sehen, dass es aus diesem Universum etwas Neues gibt und habe mit die Produkte mal im Überflug angeschaut.

Der Grundgedanke ist dabei, dass es sich um Mischfonds mit Aktien und Anleihen handelt. Es wird im Laufe der Zeit (je näher man einem definierten Zieljahr kommt) automatisch von Aktien in Anleihen umgeschichtet. Das scheint dann auch der wesentliche Unterschied zu den Vanguard- und iShares-(und anderen)Produkten zu sein: Diese investieren immer gleichbleibend z.B. 60:40 in Aktien und Anleihen, eine automatische Umschichtung erfolgt nicht. Ich meine, ich hätte Ähnliches schon einmal über die kapitalgedeckte Altersvorsorge in England gelesen, bin mir aber nicht mehr sicher.

Laut Website ist mit Erreichen des Zieljahres auch kein automatischer Verkauf vorgesehen, die Anteile können also weiter gehalten oder nach und nach entspart werden.

Was ich an den ETF eher positiv finde:

  • Es ist ein Versuch, eine Ein-Produkt-Lösung anzubieten. Also sehr geeignet für Menschen die einsehen, dass sie „etwas machen müssen“, sich aber nicht wirklich mit Geldanlage beschäftigen möchten.
  • Durch die Berücksichtigung von Aktien und Anleihen entsteht eine bessere Diversifikation als bei reinen Aktienprodukten.
  • Die Kosten sind mit Amundi-typischen 0,18 % sehr überschaubar.
  • Die ETF sind derzeit ausschließlich als Thesaurierer verfügbar, was ich bei solchen Produkten für besser halte.
  • Der US-Anteil ist mit rund 40 % überschaubar. Bei einem Altersvorsorgeprodukt ergibt es Sinn, das Währungsrisiko zu begrenzen und stärker auf Euro zu setzen.

Was ich an den ETF eher negativ finde:

  • Das automaische Umschichten kann dazu führen, dass Aktien in sehr ungünstigen Marktphasen verkauft bzw. in Anleihen umgeschichtet werden. Das halte ich für ein großes Risiko, erwirtschaftete Rendite ohne Not wieder abzugeben.
  • Wenn ich es richtig verstehe, beginnt auch der „Langläufer“ mit dem Zieljahr 2039 nur mit einer Aktienquote von 50 %. Dadurch kann nur ein überschaubarer Teil des Portfolios überhaupt eine Rendite erwirtschaften.
  • Die auf 0 sinkende Aktienquote sorgt zwar für Sicherheit im Alter, nimmt aber auch jede Renditechance. Wenn man einen Ruhestand/ein Entsparen von 10+ Jahren annimmt, sollte man meines Erachtens zumindest teilweise in Aktien investiert bleiben.
  • Durch die Zusammensetzung bzw. das Sinken der Aktienquote auf 0 dürfte dann auch keine Teilfreistellung der Gewinne möglich sein.

Habt ihr euch die ETF schonmal angesehen? Was haltet ihr ansonsten von Portfoliolösungen, haben die eine Chance, in euren Depots zu landen oder möchtet ihr lieber selbst steuern?

3
2

2 Kommentare

Melde dich an, um mitzudiskutieren.
___

Ich habe mir die Amundi Lifecycle-ETFs auch schon angeschaut, gerade weil sie als einfache Lösung für langfristiges Sparen beworben werden. Für Leute, die sich nicht tief mit Geldanlage beschäftigen wollen, ist so ein Konzept auf den ersten Blick ziemlich attraktiv. Die Idee, dass automatisch von Aktien in Anleihen umgeschichtet wird, klingt zunächst vernünftig.

Das große Problem sehe ich aber genau wie du in der extrem defensiven Ausrichtung zum Zieljahr hin. Dass die Aktienquote bis auf null Prozent sinkt, halte ich in der heutigen Zeit für nicht mehr sinnvoll. Studien von Vanguard, Morningstar und anderen zeigen ziemlich klar, dass ein Aktienanteil von mindestens 50 Prozent auch im Ruhestand die höchste Wahrscheinlichkeit bietet, dass das Vermögen lange hält. Gerade bei einer Rentenphase von 20 oder mehr Jahren braucht es einfach weiterhin Wachstumschancen im Portfolio. Wer zu früh zu stark auf Sicherheit umschichtet, riskiert, dass die Inflation langfristig die Kaufkraft auffrisst und das Geld zu früh aufgebraucht ist.

Etwas interessanter sind da die LifePath Target Date ETFs von iShares aus den USA. Die verfolgen ebenfalls einen automatischen Glide Path, lassen aber auch nach dem Zieljahr einen bedeutenden Aktienanteil im Portfolio, in der Regel um die 40 Prozent. Das ist aus meiner Sicht ein deutlich sinnvollerer Kompromiss zwischen Sicherheit und Renditechance. Leider sind diese Produkte nicht UCITS-konform und damit für uns in der EU aktuell nicht verfügbar. Das ist wirklich schade, denn so ein Konzept würde in Europa ziemlich gut in die Altersvorsorgelücke passen.

Wer trotzdem gerne mit einem Amundi Lifecycle-ETF arbeiten möchte, kann das Risiko einer zu konservativen Endallokation ein Stück weit abfedern, indem man ihn mit einem breit gestreuten Aktien-ETF kombiniert. Eine sinnvolle Ergänzung wäre zum Beispiel ein MSCI ACWI (IMI) ETF wie der von iShares, SPDR oder der Amundi Prime All Country World. Damit stellt man sicher, dass auch im Alter noch ein substanzieller Aktienanteil im Depot vorhanden ist. Allein zu 100 Prozent in einen Lifecycle-ETF zu investieren, der seine Aktienquote komplett abbaut, halte ich hingegen – wie du auch schon geschrieben hast – für nicht ideal.

Wenn man sich das geplante Altersvorsorgedepot in Deutschland anschaut, das ab 2026 kommen soll, dann gibt es da aus meiner Sicht eine vielversprechendere Alternative. Man könnte beispielsweise mit dem Vanguard FTSE All-World ETF starten und darüber ein globales, wachstumsorientiertes Portfolio aufbauen. Sobald man sich der Rentenphase nähert oder die eigene Risikobereitschaft abnimmt, kann man dann innerhalb des Vorsorgedepots steuerfrei auf einen der Vanguard LifeStrategy ETFs wechseln. Diese bieten feste Mischungsverhältnisse zwischen Aktien und Anleihen, etwa 80:20, 60:40 oder 40:60, und verändern ihre Zusammensetzung nicht automatisch. Man kann so seinen persönlichen Glide Path flexibel und effizient selbst gestalten, ohne dass jede Umschichtung steuerpflichtig wird. Die Besteuerung erfolgt erst bei der Auszahlung im Ruhestand – und dann nur auf die erzielten Gewinne, nicht auf die eingezahlten Beträge.

Zusammenfassend würde ich sagen: Die Amundi Lifecycle ETFs sind okay für Leute, die wirklich gar nichts mit der Geldanlage zu tun haben wollen. Wer aber etwas mehr Kontrolle möchte, ohne sich ständig kümmern zu müssen, ist mit einer Kombination aus einem globalen Aktien-ETF und einem Lifecycle-Produkt besser aufgestellt. Noch flexibler und langfristig attraktiver wird es, wenn man das kommende Altersvorsorgedepot nutzt und mit Produkten wie dem Vanguard FTSE All-World oder den LifeStrategy ETFs arbeitet. Und sollte iShares irgendwann ihre LifePath ETFs in einer UCITS-Variante nach Europa bringen, dann wäre das für viele sicher eine der besten Optionen überhaupt. Bis dahin bleibt Vanguard vermutlich die durchdachtere Wahl.

3
Das_Lama
Autor
Plus

@patrick_c2ce33 Danke für die umfassende Antwort. Die Target Date Funds kannte ich tatsächlich gar nicht. Habe mir diese, bzw. die Vanguard Target Retirement Funds, gerade angesehen. Und du hast Recht, selbst der Target Retirement 2020 Fonds - also für Menschen, die schon im Ruhestand sind - hat noch eine Aktienquote von 35 %. Beim Target Retirement 2025 sind es sogar 50 %.

Schade, dass sie keine UCITS-Konformität haben bzw. es keine europäischen Pendants gibt. Das wäre aus meiner Sicht eine echte Alternative als Basisanlage. Satelliten oder andere Schwerpunkte kann man dann ja als Selbstentscheider immernoch beimischen. Vielleicht besteht ja Hoffnung, dass diese oder ähnliche Produkte irgendwann auch zu uns kommen. Jedenfalls danke für den Tip zu diesen Produkten, kann ich mich noch weiter reinnerden.

Ansonsten teile ich Deine Meinung: ein Lifecycle-ETF müsste jedenfalls noch um eine Aktienkomponente erweitert werden, dafür sind die von dir genannten ETF auch zweifellos geeignet.

Hinsichtlich eines etwaigen Altersvorsorgedepots bleibe ich allerdings skeptisch - zum einen, ob es überhaupt kommt, zum anderen, ob es dann auch attraktiv ausgestaltet wäre. “Irgendwas” wird aber jedenfalls passieren, um die Umsetzung der Frühstart-Rente zu ermöglichen. Wenn wir Glück haben, führt das zu einer etwas breiteren Auseinandersetzung mit dem Investieren an sich.

Danke nochmals für deinen Post!

1
🍪

Parqet  nutzt Cookies. Erfahre mehr