Julian
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Gepostet in Schnack

Bausparvertrag als Hebel für Wertpapierdepot?

Hallo liebe Community,

manche Pläne zerschlagen sich und manche (Finanz-)Entscheidung aus der unwissenden Vergangenheit trägt man noch mit sich herum. Vielleicht sogar eine “Chance”?

Konkret: Das Bausparvertrag-Darlehen als Hebel für das eigene Wertpapierdepot nutzen.

Bausparsumme: 50.000 EUR

Guthabenzins: 0,10% p.a.

Darlehenszinssatz: 1,25% (zzgl. sonstige Kosten ; effektiv über Laufzeit ca. 1,7%)

Darlehensgröße: 30.000 €

Tilgungsrate: ~200 mtl.

Tilgungszeit (ohne Sondertilgung): ca. 15 Jahre

Abschlussgebühr: 250 EUR (ist also schon weg)

Aktuelles Mindestsparguthaben: ca. 55%

Das Mindestsparguthaben von 20.000 € könnte bis spätestens Ende 2026 vollmachen.

Mit dem Darlehen von 30.000 € und dem aktuellen Depotvolumen würde ich auf einen 1,2-fachen Hebel kommen.

Rechne ich konservativ, benötige ich eine durchschn. 2% Netto-Marktrendite p.a. (= nach Kosten & Steuern), also ca. durchschn. 3% Brutto-Marktrendite p.a. über die Laufzeit von 15 Jahren.
Das Darlehen + Mindestsparsumme würde in einen weltweitgestreuten ETF gehen (z.B. MSCI, MSCI ACWI, FTSE), also 50.000 € (20.000 € EK + 30.000 € Darlehen).
Bei den angenommenen 50.000 € und 1,5% Div.-Rendite (vor Steuer) würde sich eine Netto-Dividende von ca. 600€ p.a. (= 50€ mtl.) (ohne Wertsteigerung, ohne Div.-Steigerung) ergeben. D.h. 25% der Tilgungsrate würde alleine aus der Dividende gestellt werden können, ohne Beachtung der zusätzlichen Kursteigerung. Der Anlagehorizont dieses Kapitals wäre >35 Jahre.

Eine Verwendung in Richtung Immobilie (ob Selbstnutzung oder Vermietung) schließe ich nahezu aus. Keine Pläne, Bedürfnisse oder Wunsch in diese Richtung - aus privaten Gründen und aus rechtlichen/zeitlichen (z.B. Vermieten).

Den Vertrag zu kündigen, wäre die endgültige Möglichkeit um an das bereits eingezahlte Geld heranzukommen.

Die ganzen Hebelprodukte und die dazugehörigen Berichte, Simulationen usw. sehe ich hier als nicht passend. Die Pfadabhängigkeit durch das Leveragen & des täglichen Resets (z.B. beim 2-fach-gehbelten SP500) sehe ich bei meiner Anwendung als nicht vorhanden. Ich habe “nur” das normale Marktrisiko.

Mich würde sehr gerne eure Meinungen, Einschätzungen und auch mögliche (nicht-gesehene) Risiken interessieren.

14 Kommentare

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zero
Investor

Wenn ich hier jetzt nix falsch verstanden habe, ist der Plan wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Zweckbindung eines Bauspardarlehens zunächst mal illegal, oder? Das würde ich dann als nicht unwesentliches Risiko betrachten 😉

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Jens L.
Investor

Neben den bereits genannten sachlichen Vorbehalten zur Zweckentfremdung des BV: Kredithebeln von Aktieninvestments aus Risikogründen nur dann wenn 1. der erwartete Maximale Drawdown mit hoher Wahrscheinlichkeit kleiner 50% und das anfängliche Verhältnis Fremdkapital zu Gesamtinvest kleiner 20% ist und 2. hinreichend Erfahrung im Anlagegeschäft besteht und 3. ein Verlust wirtschaftlich verkraftbar ist, Für mich aber keine Option, Wenn es nicht so wäre, gäbe es bedeutend mehr Milliardäre

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Jens L.
Investor

@julian_fda966 Na klar wird ein BV verzinst. Und zwar mit der Bausparprämie die Du nach Ablauf erhältst, wenn Du den Kredit nicht in Anspruch nimmst. Nicht viel, aber der Basiszins wird es schon sein.

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Jens L.
Investor

@julian_fda966 Wenn Du in der glücklichen Lage sein solltest, das Dein Kredithebel-Geschäft funktioniert (Das weisst Du erst am Ende), hast Du die Rendite durch Leverage-Risiko “erkauft”. Vermutlich hast Du aber bei der Berechnung weitere Randbedingungen nicht berücksichtigt z.B. kommt Dein EK nicht aus dem luftleeren Raum sondern aus einer Anlageform, ebenfalls mit Rendite. Weshalb die für einen Ertrag notwendige Realrendite höher als angenommen sein muss. Du holst Dir wegen zwangsläufig auftretenden “handwerklichen Fehlern“ bei der Kalkulation also weiteres Risiko (=Operatives Risiko) ins Haus, das Du vorher nicht hattest und auch nicht in Deiner Portfolio-Allocation abgebildet ist. Will sagen die korrekte Berechnung ist weit komplexer, ohne das das die Prognose zuverlässiger wird.

Die einfachste Meinung die mir zum Kreithebeln einfällt: Wär Kredithebeln von Aktiengeschäften für Kleinanleger eine verlässliche Strategie zur Rendite-Maximierung, würde es jeder machen.

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Julian
Autor
Plus

@jensl Ich bin seit einigen Jahren an der Börse und wie oben geschrieben würde das Darlehen aktuell einen Hebel von 1,2 ausmachen, also 20% des neuen Depotwerts (aktuell + 20.000€ EK + 30.000€ Darlehen). Mit der Zeit wird der Hebel immer geringer, da weiterhin neues EK zufließen wird.

Meine Allokalation von sicheren zu risikobehafteten Geldanlagen wäre weiterhin in meiner Range.

Das zusätzliche Kapital würde ich in einen Ausschüttungen Welt-ETF legen, ergo über viele Firmen gestreut. Dass der gesamte Aktienmarkt zu Grunde geht, bezweifel ich stark. Ansonsten wäre es irgendwie komisch, da weiterhin meine Sparpläne laufen. Also Totalverlust “schließe ich aus'“, weil dann ist der Kapitalmarkt unser geringstes Problem.

Der Drawdown war historischen beim MSCI World sogar über 50%. Aufgrund es langen Anlagehorizont (>35 Jahre) sehe ich das Risiko, aber die Chance durch die Wertentwicklung finde ich größer.

Die Tilgungsrate könnte ich ggfs. problemlos aus dem mtl. Gehalt stemmen.

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Julian
Autor
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@jensl Ich stimme dir bedingt zu.
Ich möchte allerdings nicht die Rendite maximieren, sondern "mein Grundkapital” erhöhen, welches historisch gesehen später länger vom Zinses-Zins-Effekt profitieren kann.
Der Bausparer hat aktuell keine Rendite - vergleichbar mit einem Girokonto.

Die Zukunft kennt keiner - historisch gesehen wäre es ein gewinnbringendes Vorgehen gewesen.

Ich stimme dir zu, dass das “Kredithebeln”, z.B. via 2x Leverage-ETFs das große Risiko der Renditereihenfolge haben. Zumal dort die Rendite nicht verzweifacht wird, obwohl das Risiko sich verdoppelt.

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Julian
Autor
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Vielen Dank für alle diejenigen, die meinen Gedanken kommentiert hatten.

Meine Nachfrage bei der Bausparkasse ergab das, was @zero und @johannes_olbrich bereits angesprochen hatten. Darlehen zweckgebunden.

Unter anderem habe ich mir ein Buch von Gerd-Kommer gekauft und lese dies gerade. Dort ist u.a. auch ein bisschen etwas zu Bausparverträgen erklärt. Hätte ich das früher gewusst.

Würde ich nun meinen Bausparvertrag mit einer entsprechenden mtl. Sparrate aufstocken, sodass er in 10 Jahren die Mindestsparsumme erreicht, …
Im Gegenzug das aktuelle EK-Kapital an den Wertpapiermarkt lege, dort mit einer 4% Rendite p.a. und der Steuer (bei 30% Teilfreistellung) rechne, komme ich zu dem Ergebnis, dass ich mit dem ideal gerechneten Wertpapierdepot (keine Kurseinbrüche, kein Rücksetzer bei Entnahme) für die selbe Gesamtsumme (Eigenkapital + Darlehen) wie bei dem Bausparer einen Bankkredit für ca. 4,5% Zinssatz nehmen könnte.

Rechne ich das ganze mit 1,5% Tagesgeld über die Laufzeit, wäre es dennoch ein Bankkredit von ca. 2,5% Zinssatz.
D.h. trotz sicheren Sparens wäre ein ca. 50% höherer Zinssatz als mit dem Bausparer möglich und würde mir weiterhin die Flexibilität über das Kapital erhalten.

Denn … wie oben beschrieben. Das Thema Eigenheim ist nicht aktuell und wird es die nächsten Jahre definitiv nicht sein.

Ich tendiere immer mehr dazu, den Bausparvertrag zu kündigen (und das Kapital in den Wertpapiermarkt bringen). Eine sichere Geldanlage (Festgeld) ist nicht notwendig (kein Sparziel), da der Notgroschen ausreichend groß ist, sowie ein eigenes Tagesgeldkonto für Urlaub, Autoreparatur vorhanden ist.
Also ganz nach dem Gedanken von @jens_11a37b .

Wie seht ihr das ganze?

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Julian
Autor
Plus

@zero Die Hebel-Idee war ein Gedanke, um den Bausparvertrag “sinnvoll” zu nutzen. 🤪 Das ist ja rechtlich (auch irgendwo sinnvoll) nicht möglich.
Beim Daily-Leveraged-ETF ist die Pfadabhängigkeit ein Risiko, das mir nicht gefällt. Daher verzichte ich auf diese Produkte.

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zero
Investor

@julian_fda966 Ich würde da in die gleiche Richtung tendieren: Wenn deine Situation es erlaubt, das Geld in Risiko-Assets zu investieren, dann kann man die Renditechance ruhig nutzen.
Sichere Anlagen sind ja eigentlich nur attraktiv, wenn das Anlageziel die Sicherheit auch braucht.
Und wenn du jetzt der Hebel-Idee nach trauerst, kannst ja 10% davon in den Daily Leveraged ETF stecken 😉

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Alpalaka
Plus

Ein Bausparvertrag darf nur für den Bau verwendet werden und nicht für einen Autokauf, Aktienkauf, o.Ä.

Schau mal unter Punkt 3: https://www.wuestenrot.de/bausparen/bausparvertrag-erklaert#a994796

Du hast dir gute Gedanken gemacht, aber nicht die Rahmenbedingungen gelesen…

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Julian
Autor
Plus

@johannes_olbrich Ich habe es bei dem Vertreter so verstanden, dass ich den Bausparer NICHT zweckgebunden einsetzen muss, insofern ich KEINE staatliche Zulagen beanspruche. Ich werde diesbezüglich explizit nochmal nachfragen.

Danke dir für den Hinweis!

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Jens
Plus

Du willst also quasi auf Kredit Aktiengeschäfte tätigen…

Mach es nicht. Das Leben ist kein Schweizer Uhrwerk, es hat viele Überraschungen parat und manchmal öffnet sich Pandoras Box und es kommen unschöne Dinge heraus. Investieren würde ich nur mit eigenem Geld.

Löse den Bausparvertrag bei nächster Gelegenheit auf und investiere dann das freigewordene Kapital

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XYZ123

Zum einen hat “ @zero ” vermutlich recht, zum anderen hätte ich bei so einem Plan das Geld auf 5-10 Dividenden Aristokraten aufgeteilt, die momentan teilweise sehr günstig sind und oft um 5% rum liegen, dann hättest du bei 30 000€ nach Steuern schon 50% der Tilgung für low bezahlt (mit Freibetrag vermutlich mehr). Bei Einberechnung der 50 000€ wären nach Steuer in genanntem Beispiel schon rund 75% abgedeckt, und wenn du jetzt noch davon ausgehst, dass die Div jährlich steigt, dann müsstest du nach 4-5 Jahren gar nichts mehr beisteuern.

Aber das muss natürlich jeder selber wissen.🤷

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Julian
Autor
Plus

@d._h ich würde meine Portfolio treu bleiben und einen Ausschüttungen Welt-ETF anvisieren.

Die Tilgungsrate würde aus anderen Dividenen finanziert, sodass ich keine Anteile verkaufen muss.

Rechne ich Ausschüttungen + Kursgewinn und mit 6% Marktrendite (brutto) … Wird es immer lukrativer.

Ich finde den Hebel von 1,2 noch in Ordnung und aufgrund des langen Anlagehorizont keine “Gefahr” der Marktschwankung oder Krisenzeiten.

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