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Gold raus, Öl rein - Mein Öl-Portfolio
Hallo zusammen,
nachdem ich vor kurzem meine (leider viel zu kleine) Position in Gold fast komplett geschlossen habe, ist für mich nun der Zeitpunkt gekommen, das Kapital in den nächsten Rohstoffzyklus zu rotieren. Bei der Wahl zwischen Kupfer und Öl habe ich mich für Öl entschieden. Meiner Ansicht nach ist der Erfolg dieser These keine Frage des „Ob“, sondern lediglich eine Frage des „Wann“ und während der Markt diese Neubewertung vollzieht, profitiere ich zusätzlich von attraktiven Dividendenzahlungen.
Meine These:
Weltweit wird seit etwa 10 Jahren zu wenig Kapital in die Erschließung neuer Ölfelder gesteckt.
Ich gehe davon aus, dass der Markt die Folgen der jahrelangen Unterinvestition unterschätzt. Seit dem preisverfall 2014 wurde weltweit zu wenig in die Exploration und Erschließung neuer Vorkommen investiert. Da bestehende Ölfelder einer natürlichen Erschöpfungs-Rate unterliegen, reicht das aktuelle Investitionsniveau kaum aus, um das Angebot stabil zu halten, geschweige denn zu erhöhen. Dieser „Investitionsstau“ bildet gute Bedingungen für einen langfristigen Preisanstieg.
Erschwert wird diese Situation durch den zunehmenden Einfluss von sinnlosen ESG-Richtlinien und die allgemeine politische Unsicherheit. Dieser regulatorische Druck hat dazu geführt, dass Großbanken die Kreditvergabe für Ölprojekte drastisch reduziert haben. In der Folge fehlen die notwendigen Mittel für langfristige Großprojekte, die oft eine Vorlaufzeit von fünf bis zehn Jahren benötigen, was die strukturelle Angebotsverknappung in der Zukunft weiter verschärfen dürfte. Sollte der Preis heute stark ansteigen und sich einige Projekte dadurch lohnen, wird es einige Zeit dauern bis das Angebot bedient werden kann.
Während die meisten oft vom baldigen Ende des Ölzeitalters spricht, folge ich der Datenlage: Die globale Ölnachfrage ist robust und steigt, getrieben durch das Bevölkerungswachstum, Chemie, Pharma, und den Schwellenländern wie Indien. Ich bin der Überzeugung, dass die Energiewende langsamer voranschreitet, als der Markt einpreist, und Öl unverzichtbar bleibt.
Ich beobachte eine Zeitenwende beim US-Schieferöl. Die Phase des ungebremsten Wachstums scheint vorbei, da die besten Flächen bereits angebohrt sind und Investoren heute Disziplin (Dividenden statt Wachstum) fordern anstatt der Erforschung neuer Quellen. Da auch die OPEC+ ihre Marktmacht aktiv nutzt, sehe ich ein Marktumfeld, in dem das Angebot vermutlich knapp bleibt, was einen „Floor“ für den Ölpreis oberhalb historischer Tiefstände bildet.
Was könnte schiefgehen an meiner These? Es gibt zwei Szenarien, in denen ich blöd aussehen werde…und bei einem wünsche ich mir sogar, dass es eintritt. Das erste ist eine globale Wirtschaftskrise wie 2008, die den Ölpreis ordentlich durchschütteln würde. Szenario Nummer zwei ist Frieden: Frieden in der Ukraine, was Russland einfachere Ölexporte ermöglicht, kein großflächiger Krieg im Mittleren Osten und Stabilität in Venezuela. Sollte Szenario 2 eintreffen und meine These nicht aufgehen, ist das etwas, womit ich sehr gut leben kann.
Fazit: Mein Investment ist keine kurzfristige Spekulation auf den Ölpreis von morgen, sondern eine Wette auf eine kommende Angebotslücke, die durch jahrelange ideologische und finanzielle Vernachlässigung entstanden ist.
Ich gehe davon aus, dass eher früher als später der Tag kommen wird, an dem wir WTI-Preise von über 100 $ sehen und an der Tankstelle 2,50 € pro Liter bezahlen. Um dieses Szenario abzubilden, habe ich mich für Produzenten entschieden (z.B. kanadische Ölsande oder US-Majors), die über einem längeren Zeitraum hinweg kostengünstig produzieren können, selbst Preise von unter 50 $ aushalten und weiterhin ihre Dividenden zahlen.
Im Öl-Sektor sagt man: „The cure for low prices is low prices“ und momentan erinnert mich der Öl-Sektor an Gold vor 5 Jahren als ich zum ersten Mal Physisches Gold gekauft habe oder 2018 als ich in meine erste Goldmine investiert habe. Kauft Rohstoffe wenn jeder sie hasst und verkauft sie wenn jeder sie liebt. In Gold ist viel zu viel Liebe und Öl der Hass.
Das Öl-Portfolio macht knapp 6% meines Aktiendepots aus. Das Ziel ist es auf 10% hoch zu kaufen in den nächsten Monaten: https://app.parqet.com/p/696655c10e1ab88183170de1
Hat jemand eine ähnliche These zu dem Thema? Ich suche ausserdem nach unterbewerteten Small- und Mid-Caps, die vom Markt aufgrund von ESG-Sorgen oder Unkenntnis ignoriert werden, aber bei Ölpreisen über 75 $ massive Cashflows generieren 🙂
Gruß
Warum keine europäischen Förderer?
Ich würde noch Szenario 3 hinzufügen: Die Energiekosten durch billige chinesische Solarmodule machen in vielen EM-Ländern die Investitionen einfacher, in den USA fahren die Demokraten wieder die Solar- und Windenergieproduktion hoch und die generelle Erzeugung lässt sich schnell hoch skalieren UND zeitgleich überschreiteten die Kosten des Klimawandels durch Extremwetterereignisse breit die von Lobbyisten errichteten Meinungskorridore, was dazu führt, dass wie eventuell in der EU die hohen Kosten für Öl-Verwendung vor allem durch regulatorische Steuern und Versicherungskosten gefressen werden, aber nicht als Gewinne bei den Öl-Konzernen landen??? Gibt vermutlich auch noch Szenario 4 und 5.
;)
@wurstsuppe Es wird oft übersehen, dass Erdöl nicht nur ein Energieträger ist, sondern unverzichtbar für die Chemie-, Kunststoff- und Pharmaindustrie ist. Der Anteil fossiler Brennstoffe (Kohle, Öl, Gas) am weltweiten Energiebedarf liegt je nach Quelle noch immer bei 80 bis 90%.
Ich habe einige Zeit in Lateinamerika und Asien gewohnt und ich weiss dass sich dort niemand um Erneuerbare schert. Während wir in Deutschland bereits zB. mit dem Aufbau einer “stabilen” Ladeinfrastruktur kämpfen, ist ein solcher Umstieg in den meisten anderen Regionen der Welt auf absehbare Zeit technisch und ökonomisch unvorstellbar.
Ich erwarte, dass sich meine These noch vor 2029 am Markt bestätigen wird. Bis dahin werden erneuerbare Energien zwar leicht an Marktanteil gewinnen, lass es 1-2% sein, doch der absolute Bedarf an Öl, insbesondere für die industrielle Produktion, wird weiter steigen.
@n_f Ich wollte gar nicht so erneuerbar klingen ;) auch wenn ich da biased bin.
Aber ich denke, dass es da neben meinem zugespitzten Szenario 3, durchaus einige mehr für deine These negative Szenarien gibt.
Die 3 größten Ölproduzenten (Iran, Venezuela und Russland ohne “Schattentankerflotte”) sind aktuell vom Weltmarkt ausgeschlossen und dort bewegt sich aktuell politisch viel. Zudem halte ich eine begrenzte große Wirtschafts- aka. Ölnachfrage-krise, hinsichtlich der ökonomischen Veränderungen in den USA für eine reales Szenario, gegen die globale Krise hedgen ja gerade alle an der USA vorbei mittels neuen Handelsverträgen. Die globale Nachfrage des Chemiesektors ist natürlich ein Faktor, der aber durch den legislativ gewollten und geförderten regenerativen Energieausbau in bspw. China und der EU eher zu einer Verbilligung des Rohstoffs führen könnte(?). Ich vermag da nicht wirklich einzuschätzen, wo es hingeht. Meines Erachtens ist aber auch der Klimawandel ein realer Faktor, die großen Versicherer versuchen da bereits weltweit zu steuern und auch real wird es eine Kostenschmerzgrenze geben, die ganz unideologisch durch die Klimawandelfolgen (Extremwetterereignisse) gegensteuernde Handlungen erzwingen wird. Kurzfristig mögen deine Wetten laufen (aber auch da würde ich die Norweger/Europäer mit reinnehmen) aber langfristig sehe ich das nicht. Aber wie gesagt, ich bin da biased.
Aber so hatte ich deinen Beitrag auch vertsanden, dass du ggf. auch andere Sichtweisen zu deiner These hören wolltest. vG
Zu deinem letzten Absatz: Wenn der Ölpreis hochgeht, dürften Yieldco’s vom hohen Energiepreis profitieren.
Kannst dir ja mal diese Smallcaps hier ansehen:
GG00BB0RDB98 , IE00BF2NR112 , GB00B8SC6K54 , GG00BBHX2H91
Die schütten im Bunde ca. jeweils 6-8 % aus und sind mit der Zinswende in der EU alle abgestürzt, da sie wie Reits oder allgemeine Infrastrukturwerte von niedrigen Zinsen abhänig sind und eigentlich auch REIT-ähnliche Kursverläufe haben. Bis auf den Iren sind alle quellensteuerfrei. Allerdings sind Yieldco’s eine eigene Kategorie und einige leiden auch unter den ölbedingten Klimawandelfolgen durch Veränderungen der Windgeschwindigkeiten und globalen Strömungssysteme.
;)
@n_f
https://taz.de/Energiewende-in-Asien/!6147003/
@wurstsuppe du hast vollkommen recht, es gibt hier mehrere Scenarien. Danke für dein Feedback 🙂 Das bringt meine Gehirnzellen dazu noch etwas mehr nach zu denken. Man ist da manchmal in seiner Sichtweise zu stark gefangen.
Ich habe die letzten Monate mir unzählige Quellen gegeben und bin irgendwann zu dem Schluss gekommen, Öl wird weiter regieren. So traurig wie es auch ist. Ich würde lieber in einer Welt leben wo wir das nicht müssten. Aber ein Großteil der Welt ist noch weit weg von Erneuerbaren wenn es um Energie geht und ich gehe davon aus dass wir weiter Unmengen an Plastik verbrauchen werden.
Eine Rezession ist unausweichlich wenn man sich manche Faktoren anschaut, ich hoffe sie kommt nach 2030 😄
Europäische Player habe ich leider noch keine gefunden die mich glücklich machen. Bei den Norwerger hat mich die Steuer etwas genervt, obwohl die glaube ich schon ab 10$ pro Barrel profitabel sind, was stark ist.