Gepostet in Schnack
Meine Gedanken zur Straße von Hormus: Warum eine schnelle Lösung leider Wunschdenken ist
Nachdem ich hier Anfang Februar mein Rohstoff-Portfolio, hautsächlich Öl, vorgestellt habe (https://app.parqet.com/p/696655c10e1ab88183170de1) und was von 100$ WTI Preisen gefaselt habe mit dem Ziel 2030, verfolge ich die Lage an der Straße von Hormus gerade sehr genau und ehrlich gesagt: Ich glaube nicht, dass wir so schnell zur Normalität zurückkehren, selbst wenn die Durchfahrt morgen offiziell wieder freigegeben würde. Hier ist warum das Ganze viel tiefer sitzt:
1. Die „Ein-Mann-Gefahr“ Man muss sich mal klarmachen, wie verletzlich dieses Nadelöhr ist. Es braucht keine ganze Armee, um den Welthandel zu schockieren. Ein einziger Soldat oder eine kleine Miliz mit einer tragbaren Rakete reicht aus, um einen riesigen Supertanker auszuschalten. In so einem engen Gebiet ist das Risiko für die Schifffahrt permanent da. Solange da kein echtes Vertrauen herrscht, wird kaum eine Reederei ihre Schiffe ohne massive Angst (und extrem hohe Versicherungskosten) da durchschicken.
2. Verzweiflung als Strategie Der Iran hat militärisch massiv eingesteckt, aber die Kontrolle über die Straße von Hormus bleibt ihre letzte, mächtigste Karte. Es ist ihre „wirtschaftliche Waffe“. Sie werden diesen Hebel nicht einfach so loslassen, ohne im Gegenzug massive politische Zugeständnisse zu bekommen – und solche Verhandlungen dauern Monate, nicht Tage.
3. Das Märchen vom schnellen Preissturz Ich höre: „Wenn die Schiffe wieder fahren, wird das Benzin billiger.“ Ich sehe das anders. Der Ölmarkt ist global. Selbst wenn wir hier in Deutschland oder die USA kein Öl direkt von dort beziehen, bestimmt der Weltmarkt den Preis. Wenn der globale Preis durch die Unsicherheit oben bleibt, ziehen unsere Produzenten hier mit. Keiner verkauft sein Öl billiger, wenn er woanders mehr dafür bekommt.
4. Der „Angstzuschlag“ bleibt Die Märkte hassen Unsicherheit. Dieser „Krisenzuschlag“ ist in den Ölpreis eingebacken. Erst wenn wirklich Ruhe einkehrt – und nicht nur die Blockade gelöst wird – werden wir das an der Zapfsäule spüren.
Mein Fazit: Wir sollten uns auf eine längere Phase der Instabilität einstellen. Die Straße von Hormus ist kein Lichtschalter, den man einfach wieder umlegt. Es ist ein geopolitisches Tauziehen, bei dem wir alle am Ende die Zeche zahlen. Solange diese Unsicherheit bleibt, sind die Unternehmen in dem Rohstoff-Portfolio wahre Cashflow Maschinen. Die meisten mit einer einer FCF-Yield > 12% bei einem Barrel-Preis von über 90$ WTI. Das meiste davon geht an den Aktionär zurück.
Was meint ihr? Übersehe ich einen Punkt oder seid ihr auch so skeptisch?
Unsicherheit und Erwartung sind Triebkräfte der Märkte. Dieses Wechselspiel ist nicht neu. Neu ist lediglich, das wir wie blöd medial beteiligt - und emotionalisiert werden. Aussitzen ist meine Devise
@jens_l genau. Tech und Konsumgüter kommen bald wieder in den Fokus.
Oder Medizin, oder…
@oldman …oder eine bestimmte Region, ein Markt, große oder kleine Aktien oder auch Anleihen (eher unwahrscheinlich) kämen mir sehr gelegen, Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.
@jens_l ich muss jetzt meine Anteile weiter ausbauen, statt immer neue zu “schürfen”…