Peter Andres
Plus

Gepostet in Schnack

Meine Gedanken zur Straße von Hormus: Warum eine schnelle Lösung leider Wunschdenken ist

Nachdem ich hier Anfang Februar mein Rohstoff-Portfolio, hautsächlich Öl, vorgestellt habe (https://app.parqet.com/p/696655c10e1ab88183170de1) und was von 100$ WTI Preisen gefaselt habe mit dem Ziel 2030, verfolge ich die Lage an der Straße von Hormus gerade sehr genau und ehrlich gesagt: Ich glaube nicht, dass wir so schnell zur Normalität zurückkehren, selbst wenn die Durchfahrt morgen offiziell wieder freigegeben würde. Hier ist warum das Ganze viel tiefer sitzt:

1. Die „Ein-Mann-Gefahr“ Man muss sich mal klarmachen, wie verletzlich dieses Nadelöhr ist. Es braucht keine ganze Armee, um den Welthandel zu schockieren. Ein einziger Soldat oder eine kleine Miliz mit einer tragbaren Rakete reicht aus, um einen riesigen Supertanker auszuschalten. In so einem engen Gebiet ist das Risiko für die Schifffahrt permanent da. Solange da kein echtes Vertrauen herrscht, wird kaum eine Reederei ihre Schiffe ohne massive Angst (und extrem hohe Versicherungskosten) da durchschicken.

2. Verzweiflung als Strategie Der Iran hat militärisch massiv eingesteckt, aber die Kontrolle über die Straße von Hormus bleibt ihre letzte, mächtigste Karte. Es ist ihre „wirtschaftliche Waffe“. Sie werden diesen Hebel nicht einfach so loslassen, ohne im Gegenzug massive politische Zugeständnisse zu bekommen – und solche Verhandlungen dauern Monate, nicht Tage.

3. Das Märchen vom schnellen Preissturz Ich höre: „Wenn die Schiffe wieder fahren, wird das Benzin billiger.“ Ich sehe das anders. Der Ölmarkt ist global. Selbst wenn wir hier in Deutschland oder die USA kein Öl direkt von dort beziehen, bestimmt der Weltmarkt den Preis. Wenn der globale Preis durch die Unsicherheit oben bleibt, ziehen unsere Produzenten hier mit. Keiner verkauft sein Öl billiger, wenn er woanders mehr dafür bekommt.

4. Der „Angstzuschlag“ bleibt Die Märkte hassen Unsicherheit. Dieser „Krisenzuschlag“ ist in den Ölpreis eingebacken. Erst wenn wirklich Ruhe einkehrt – und nicht nur die Blockade gelöst wird – werden wir das an der Zapfsäule spüren.

Mein Fazit: Wir sollten uns auf eine längere Phase der Instabilität einstellen. Die Straße von Hormus ist kein Lichtschalter, den man einfach wieder umlegt. Es ist ein geopolitisches Tauziehen, bei dem wir alle am Ende die Zeche zahlen. Solange diese Unsicherheit bleibt, sind die Unternehmen in dem Rohstoff-Portfolio wahre Cashflow Maschinen. Die meisten mit einer einer FCF-Yield > 12% bei einem Barrel-Preis von über 90$ WTI. Das meiste davon geht an den Aktionär zurück.

Was meint ihr? Übersehe ich einen Punkt oder seid ihr auch so skeptisch?

19 Kommentare

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Jens L.
Investor

Unsicherheit und Erwartung sind Triebkräfte der Märkte. Dieses Wechselspiel ist nicht neu. Neu ist lediglich, das wir wie blöd medial beteiligt - und emotionalisiert werden. Aussitzen ist meine Devise

6
Oldman
Investor
Beta

@jens_l genau. Tech und Konsumgüter kommen bald wieder in den Fokus.

Oder Medizin, oder…

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Jens L.
Investor

@oldman …oder eine bestimmte Region, ein Markt, große oder kleine Aktien oder auch Anleihen (eher unwahrscheinlich) kämen mir sehr gelegen, Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

0
Oldman
Investor
Beta

@jens_l ich muss jetzt meine Anteile weiter ausbauen, statt immer neue zu “schürfen”…

0
joerginle
Investor
Terminal
+1

So lange wir von fossiler Energie abhängig sind, werden wir immer sorgenvoll und ziemlich machtlos auf die Weltpolitik schauen. Heute in die Straße von Hormus und morgen wer weiß wohin.

3
Goldaktie
Investor
Terminal
+1

Wenn ich tanken muß, tanke ich. Da kann ich nur auf aktuelle Preise schauen.

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user_2f9e60
Plus
Beta

Ich möchte etwas plakativ anworten : “Wir sind im 3. Weltkrieg” nur wird der mit anderen Mitteln geführt.

Angefangen mit der Ukraine, dann die China-Taiwan Frage, Venezuela und nun Iran.

Ich denke Trump hat sich hier verzockt - er hatte wohl ein Venezuela 2.0 im Kopf.

Zu deiner Frage : Es bleibt weiter unsicher da mit Katar auch ein LPG Produzent ausfällt.

Ich bin zum Glück Portfolioseitig nur sekundär betroffen. Privat als Stromkunde auch nur sekundar da 100% Windstrom von den Stadtwerken. Benzinpreise 4 Tage Home Office - 1 Tag Büro (Hamburg)

Licht im Tunnel vielleicht im Sommer.

2
Marius
Plus

Was soll denn “Normalität” überhaupt sein? $100 pro Barrel ist ja immer noch eine ganze Ecke entfernt vom ATH. Die derzeit etwas erhöhten Energiekosten sind sicher ärgerlich, aber weit von einer echten Krise entfernt (die Situation vor Ort ist eine ganz andere Sache). Aber heutzutage wird von den Medien ja alles bis zum geht nicht mehr überdramatisiert.

Natürlich wird der Ölpreis nach einem wie auch immer gearteten Kriegsende nicht spontan auf das Vorkriegsniveau fallen:

  • Etliche Anlagen wurden aus Sicherheitsgründen abgeschaltet, bis die wieder bei voller Leistung sind wird es eine Weile dauern.
  • Gleiches gilt für die Logistik, auch während/nach Corona hatten die temporären Probleme auch Monate und Jahre später noch Auswirkungen.
  • Die jetzt freigegebenen strategischen Reserven müssen wieder aufgefüllt werden. Und vermutlich will der ein oder andere sie noch weiter ausbauen.
  • Trump hat eigentlich gar kein Interesse an niedrigen Ölpreisen. Es ist ja nun wirklich kein Geheimnis dass er mit der Ölindustrie ins Bett geht, und denen kommt ein hoher Ölpreis mehr als gelegen. Hat er ja auch schon öffentlich kundgetan dass “sie” jede Menge Geld verdienen. Ist nur die Frage welchen Preis die eh schon gereizte US-Bevölkerung mittelfristig akzeptiert bevor sie zu den Waffen greift.

Aber: Es gibt so viele andere Unwägbarkeiten die mittel- und langfristig die ganze Situation wieder komplett auf den Kopf stellen können. Stichwort US-Schuldenkrise. Genauso wie der Preis steil ansteigen kann ist er historisch auch oft sehr schnell wieder massiv abgestürzt wenn die Realwirtschaft nicht mehr rund läuft.

1
user_2f9e60
Plus
Beta

Es gibt Preise und Preise - ich möchte wieder auf die legendäre Simspon Folge verweisen. “Trump ruiniert die USA” wirtschaftlich vielleicht nicht ganz aber mit seiner Ich King LMAA zerschlägt er viel Porzellan.

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Jens
Plus

Hier noch ein ganz informativer Beitrag dazu:

So hat Trump den Iran-Krieg unterschätzt | Militärökonom Keupp bei ZDFheute live

https://m.youtube.com/watch?v=SYTXgdrLwKk&pp=ygUKSG9ybXVzIHpkZtIHCQnFCgGHKiGM7w%3D%3D

1
Jens
Plus

Ich denke, dass das, was wir sehen erst der Anfang ist.

Trump wird versuchen das begonnene Fiasko anderen Ländern aufzudrücken. Er droht ja bereits mit dem Austritt aus der NATO und ich befürchte es gibt einige Deppen, die sich davon ins Bockshorn jagen lassen.

(Wie es aussieht ist ja nun bereits Kuba als Nächstes Opfer der Orange gesetzt.)

Auch „sehe“ ich massive Flüchtlingsströme Richtung Europa ziehen.

Ich denke das wird noch eine lange, weiterhin sehr unschöne Geschichte werden

1
Jens
Plus

@user_2f9e60 - eine Katastrophe ist es, da die USA allen Staaten verbieten, Kuba zu helfen.

Die wirtschaftliche Situation in diesem Land ist Maßgeblich den Restriktionen der USA geschuldet!

Meine Meinung.

BITTE KEINE WEITERE DISKUSSION DAZU!

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user_2f9e60
Plus
Beta

Warum so dünnheutig ich habe Dir nichts getan.

Ausserdem lasse ich mir nichts Dir verbieten.

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user_2f9e60
Plus
Beta

Kuba ist eine humanitäre Katastrophe - von daher hätte ich nichts dagegen das er Erfolg hat damit den Leuten geholfen werden kann.

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Jens
Plus

@user_2f9e60 - ich habe eine starke persönliche Bindung zu diesem Land und seinen Menschen.

Ich beobachte die Dinge dort bereits seit langem, habe mich mit der dortigen Geschichte beschäftigt und habe einen differenzierteren Blick auf die Situation.

Ich bitte dich das zu respektieren!

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Wurstsuppe
Plus

Ich musste neulich, als die Preise explodiert sind an dein Depot denken ;)

btw. die beiden(/alle) Norweger wie Aker BP und Equinor sind mit explodiert und zumindest Norwegen dürfte jetzt einige Zeit, als Sicherheits- und Versorgungsanker für Europa herhalten.

Die zerstörten Förderkapazitäten da unten wieder aufzubauen, dürften einiges an Zeit erfordern, trotzdem bleibt es mMn bei der Frage der Kurskontinuität eine stark zyklische Anleiheklasse.

Aber Gratulation zum Pick, auch wenn deine Investmentthese damals eine friedvollere war.

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Jens
Plus

@n_f - Norweger sind stark, aber ca. 50% der Bruttodividende gehen weg …

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Peter Andres
Autor
Plus

Du hast vollkommen recht. Die Infrastruktur wird dauern bis sie wieder aufgebaut ist, Logistik Ketten die wieder abgestimmt werden, Öl-Raffinerien die Momente auf andere Öl-Arten umgestellt werden um dann wieder umgestellt zu werden, Versicherungen die da nichts mehr versichern,… und vieles mehr.

Es ist ein zyklischer pick und wenn der Tag kommt werde ich alles verkaufen um bei einem niedrigeren Preis wieder einzusteigen. Aber je länger der Mist dort läuft, desto mehr Geld machen die Unternehmen die ich ausgesucht habe.

Die Norwerger sind stark. Ich glaube die sind schon ab 5-10$ Profitabel. Da kann kaum jemand mithalten. Die Steuer auf die Dividenden und auf die Unternehmensgewinne, haben mich aber bis jetzt abgeschreckt.

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HoDler
Investor
Terminal
+1

Würde mich wundern, wenn das noch länger als 6-8 Wochen dauert.

Finde es auch erstaunlich, dass die betroffen Golfstaaten, die auch vom Iran angegriffen werden sich bisher auf rein defensive Maßnahmen beschränken.

Auch die haben ja ein Interesse daran das die Straße offen ist.

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