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US-Schuldenberg am Limit: Mein Depot-Setup für die Fiskalische Dominanz [Teil 3]: Der Härtetest
Rund 35 Rechenläufe, einige hundert durchgerechnete Konstellationen und über 5 Millionen simulierte Entnahmeverläufe. Heute zeige ich, was dabei herausgekommen ist, und stelle es zur Diskussion.
In Teil 1 ging es um die Szenarien, in Teil 2 um das Setup. Jetzt kommt die Frage, ob das Setup auch hält, wenn es drauf ankommt: Wie baue ich ein Depot, das den Start in die Entnahmephase übersteht, selbst wenn die ersten Jahre schlecht laufen? Der Gegner heißt Sequence-of-Returns-Risiko. Gleiche Durchschnittsrendite, aber der Crash kommt zuerst.
Die Methode
- Szenarien sind Stresstests, keine Prognosen. Es gibt keine Eintrittswahrscheinlichkeiten und keine Lieblingsstory. Jedes Szenario wird einzeln getestet.
- Historie zuerst. Kein Modell und keine Szenarioannahme fließt ein, ohne gegen historische Daten abgeglichen zu sein.
- Absicherung: Cash-Puffer für die ersten Jahre, dazu Entnahme-Leitplanken (Guyton-Klinger), die in Kursdellen kürzen und in guten Phasen erhöhen.
- Rahmen: höchstens 7 bis 9 ETFs, breite Streuung über viele Länder und Regionen. Ausgeschlossen sind China, Bitcoin und REITs.
- Rechenweg: Monte-Carlo mit 10.000 Pfaden pro Konstellation und Szenario, Steuern (Teilfreistellung, FiFo) sind eingerechnet.
1. Die Szenarien
Jedes Szenario startet entweder 2027 oder 2030 (gekennzeichnet als 2027 bzw. 2030). Danach folgen 10 Jahre Erholung.
2. Die Top 5 im Vergleich
K steht für Kandidat. K13 ist mein heutiger Aktienmix und dient als Referenz. Überlebt heißt: Das Depot fällt bis Alter 94 nicht aus. Die Historie ist eine Gegenprobe mit realen Monatsdaten, ohne Bewertungsannahmen und ohne Szenarien:
- H_A: Bootstrap 1997–2026. Aus den realen Monatsdaten werden in Blöcken von 60 Monaten zufällige Pfade zusammengesetzt, nur Originaldaten.
- H_B: Bootstrap 1975–2026, gleiches Verfahren mit längerer Datenbasis. Vor 1997 sind teils Ersatzreihen im Einsatz.
- H_R: echte Abfolgen. Das Depot startet in jedem Monat seit 1975 und läuft am Stück durch die tatsächliche Marktgeschichte.
K35, K27 und K32 liegen so eng beieinander, dass ich sie statistisch nicht trennen kann. Der Standardfehler liegt bei 10.000 Pfaden und etwa 84 % bei rund 0,4 Prozentpunkten.
3. K27 im Detail
K27 ist der Kandidat, den ich weiterverfolge: 70 % Aktien, 22,5 % Linker (inflationsgebundene Staatsanleihen), 7,5 % Gold, Startentnahme 3,6 %.
Was für K27 spricht:
- In 10 von 11 Stressfällen liegt die Überlebensquote bei mindestens 85 %. Der schwächste Fall ist S2_2030 mit 83,3 %.
- Im Gut-Fall (97,3 %) und in der historischen Gegenprobe (99,8 / 100 / 100 %) liegt K27 vor K35.
- Der Mix ist breiter gestreut als K35: K35 enthält keine USA, dafür 12,5 % ASEAN, davon rund 57 % Singapur.
- Gegenüber meinem heutigen Aktienmix (K13) und der 80-%-Variante (K24) steht K27 im Stressvergleich deutlich besser da.
Was offen ist:
- K27 ist der beste Kompromiss unter den getesteten Konstellationen, aber keine perfekte Lösung. S2 mit Start 2030 bleibt die Schwachstelle.
- Der Engpass liegt weniger bei der Aktienauswahl als beim Einstieg in die Entnahmephase. Die Hebel sind Startrate und Gleitpfad.
- Eine Startrate von etwa 3,5 % erreicht das 85-%-Ziel nach einer ersten Schätzung mit 2.000 Pfaden vermutlich auch im schwächsten Fall. Der Beleg mit 10.000 Pfaden steht noch aus.
4. Vergleich von 18 Konstellationen
Jetzt seid ihr dran
- 70 % Aktien, rund 22 % Linker, 8 % Gold: mutig, zu defensiv oder passend?
- Wie würdet ihr Startrate und Gleitpfad gewichten? Eher die Rate senken oder früher umschichten?
- 20 % Minimum-Volatilität: Stabilitätsanker oder versteckte Wette?
- Welches Szenario fehlt noch? Welche Annahme würdet ihr als Erstes angreifen?
Widerspruch ist ausdrücklich erwünscht. Ich baue eure Einwände gern in die nächste Simulationsrunde ein.
Transparenz: Idee, Fragestellung und Struktur des Projekts stammen von mir. Bei der Umsetzung (Rechenengine, Simulationen, Datenaufbereitung) und beim Schreiben dieses Artikels hat mich Claude (KI von Anthropic) unterstützt. Die Entscheidungen treffe ich.
Quelle der Zahlen: eigene Monte-Carlo-Läufe mit 10.000 Pfaden und historische Gegenprobe (Stand 16.10.2026). Marktdaten u. a. von MSCI, Kenneth R. French Data Library, FRED und iShares. Alle Werte sind Modellergebnisse und keine Prognose oder Anlageberatung.
Und dann passiert das Leben. Schönes Wochenende
@markus_0615bb wie Dein weiteres Leben wird? Du, das weiß keiner. Das lässt sich auch nicht berechnen. Auch wenn ich als Ingenieur verstehe, dass Zahlen auch Sicherheit geben können.
Beispiel aus dem Bekanntenbereich. Leitender Ingenieur, Mitte 40, Firmenwagen, >100k€ vor Steuer im Jahr, keine Familie, Haus abbezahlt. Road to Million. Wurde krank, dauerhaft Arbeitsunfähig, Rente und zum Glück noch BU. Kommt über die Runden, darf aber am besten nichts mehr passieren. Hat er im wahrsten Sinne des Wortes nicht mit gerechnet.
Das meinte ich, Du kannst mit noch so vielen Durchgängen simulieren, aber Du kannst Dein Leben nicht simulieren. Und schon mal gar nicht „perfekt“.
Sieh das Ganze als Übung wissenschaftlichen Arbeitens, aber bitte mehr nicht.
@markus_0615bb
na immer anders als man gedacht hat
Und das geht dann wie?
@sirnoodles , wie wahr, das ist das Leben. Wie die Zukunft für einen selbst aussieht, ob Glück oder Leid, wird oft nicht von uns selbst bestimmt. Berechnen lässt sich das nicht, da stimme ich dir zu. Ich kenne einen tragischen Fall aus meinem näheren Umfeld, dort trifft trat das ein.
Im Bereich der Finanzen bin ich etwas anderer Meinung. Und ja, ich bin wie du Ingenieur, gut beobachtet. Natürlich sehe ich auch dort nicht in die Zukunft, was natürlich genial wäre.
Ich entwickle aus historischen Daten Stress-Szenarien und suche mir im zweiten Schritt Konstellationen, die meine Ziele in Bezug auf Resilienz für diese Szenarien einhalten. Zum Schluss prüfe ich die Top-Konstellationen gegen echte, historische Datenreihen.
Lass doch mal dein Expertenwissen in dein Urteil zu Konstellation K27 fließen. Daumen hoch oder runter und wenn, warum?
Natürlich kann man aus der Vergangenheit die Zukunft nicht vorhersagen, jedoch die Sicherheit gewinnen, dass das Depot diese Krisen einigermaßen heil übersteht. Mehr ist es nicht. Kein Rettungsschirm, sondern Risikominimierung.
Gruß, Markus