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Gepostet in Schnack

Warum keine gehebelten Welt-ETFs?

Warum werden eigentlich keine gehebelten Welt-ETFs empfohlen wie z.B. Scalable MSCI AC World Leveraged Daily Swap Xtrackers UCITS ETF 1C 0,00 % wenn es sich um einen langfristigen Anlagehorizont (mind. 25 Jahre+) handelt? Könnte man nicht einen angepassten Hebel erstellen in dem man die Sparrate des gehebelten ETFs z.B. mit einen anderen Welt ETF Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF 0,00 % teilt und das Risiko mindern.

Ich hätte mir eine 50/50 Sparrate überlegt. Was würde dafür und dagegen sprechen? Danke für eure Einblicke liebe Parqet Community.

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MSSTDF
Investor

@perannum da ich exakt deine Frage vor 14 Tagen für mich selber beantworten musste, darf ich dir das Ergebnis meiner AI Analyse anhängen

Das Konzept verstehen

Der Scalable MSCI AC World x3 Leveraged setzt täglich auf den 3-fachen Tagesgewinn/-verlust des Index. Deine Idee: 50 % davon + 50 % normaler Welt-ETF ergibt effektiv ~1,5-fache Marktexposition – quasi eine „geglättete Hebelstrategie".

Was dafür spricht

  • Renditepotenzial bei langem Horizont: Wenn der Markt langfristig steigt, verstärkt der Hebel das Ergebnis. Historisch (z. B.Simulationen mit MSCI-World-Daten seit 1970) lag die Endsumme einer strategisch gehebelten Variante oft deutlich höher als bei 1x-Investition.
  • Lump Sum vs. Sparplan: Ein monatlicher Sparplan mildert das Sequenzrisiko – man kauft Rücksetzer automatisch günstiger.
  • Rebalancing-Effekt: Durch das „Nachkaufen" des gehebelten Anteils nach Crashs entsteht faktisch ein automatisches Rebalancing, das historisch zusätzliche Rendite bringen kann (ähnlich einer Lifecycling-Strategie).
  • Kosten sind ok: 0 % Ausgabeaufschlag und geringe TER für ein solches Produkt.

Was dagegen spricht – und das Wiegt schwer

  1. Volatility Drag / Pfadabhängigkeit: Der tägliche Reset des Hebels sorgt dafür, dass der ETF in schwankenden Seitwärtsmärkten systematisch Wert verliert – selbst wenn der Index danach wieder auf altem Niveau steht. Bei 3x Hebel schmerzen Seitwärtsphasen mit hoher Volatilität enorm. Beispielrechnung: Index fällt 33 % und steigt dann 50 % → wieder bei 100 %. Der 3x-ETF verliert aber 99 % und gewinnt 150 % → nur noch 2,5 % vom Startwert.
  2. Keine Garantie für „25 Jahre retten alles": Ein 3x-Hebel kann einen Crash von 50 % in einen Verlust von über 90 % verwandeln. Nach 2000–2003 und 2008 hätte ein 3x-MSCI-World mehr als ein Jahrzehntzum Erholen gebraucht – trotz 25-Jahres-Horizont. Niemand weiß, ob die nächsten 25 Jahre wie die letzten verlaufen.
  3. Swap-basiertes Risiko: Der ETF nutzt Swaps, d. h. Kontrahenten- und Strukturrisiko. Bei einem Produkt, das langfristig >90 % Verluste erleiden kann, ist das keine Kleinigkeit.
  4. Psychologische Realität: Der größte Risikofaktor bist du selbst. Wer 2008 oder März 2020 ein Depot gesehen hat, das um 80–90 % gefallen ist, verkauft oft – und macht alle theoretischen Renditen zunichte. 25 Jahre Disziplin bei solchen Ausschlägen sind sehr viel verlangen.
  5. Der 50/50-Split hilft weniger, als man denkt: Ja, er reduziert die Hebelexposition auf effektiv ~2x statt 3x. Aber der Volatility Drag bleibt bestehen, nur kleiner. Und im Crash fällt trotzdem alles zusammen – die Korrelation zwischen beiden Bausteinen ist praktisch 1. Es gibt keine echte Diversifikation, nur eine andere Hebelstufe.
  6. Steuerliche Komplexität: Bei Teilliquidation muss man ggf. den vorabpauschalen Freibetrag und bei Verkäufen unrealisierte Gewinne versteuern – das ständige Rebalancing zwischen den beiden Positionen kostet Rendite und Aufwand.

Fazit

Die Grundidee ist nachvollziehbar und wissenschaftlich diskutiert (Stichwort Lifecycle Investing von Ayres/Nalebuff). Aber: Einen einzelnen Tag-hebel-basierten ETF über 25 Jahre zu halten, ist kein „angepasster Hebel", sondern ein hochriskantes Wetten auf glatte Märkte. Wer bewusst hebeln möchte, tut besser daran, selbst zu rebalancieren (z. B. 50 % normal + 50 % Hebel, jährlich zurückgesetzt aufs Soll) – das kontrolliert den Drag besser und erzwingt „billig kaufen, teuer verkaufen". Und selbst dann sollte die gehebelte Quote klein bleiben und nur mit Geld, dessen Totalverlust man psychisch und finanziell verkraften könnte.

Kurz gesagt: Nicht per se falsch, aber deutlich riskanter und pfadabhängiger, als es die einfache 50/50-Rechnung suggeriert – und die meisten Anleger scheitern hier nicht an der Mathe, sondern an der Durchhaltestärke.

Für mein Risikoprofil daher von der AI abgelehnt. Zum Beispiel hatte ich letzte Woche moderaten Kursgewinn. Was mich darin bestärkt, die richtige Strategie zu fahren. Zumindest bis zur nächsten gegenteiligen Erkenntnis.

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