Gepostet in Portfolio Roasts
Umzug von aktiven Fonds (Sparkasse) zu ETF nach 9 Jahren
Moin moin,
kurz zu mir:
Bin 28, lebe bescheiden, habe früh geerbt und ein festes Einkommen.
https://app.parqet.com/p/615f6e738f4e6ff5a754fd2b
Zur Sache:
Bin Kunde bei der Sparkasse, dementsprechend sieht mein Portfolio auch aus. Das soll an dieser Stelle aber kein Vorwurf sein, ich habe mich die letzten Jahre - bis auf 1-2 Beratungsgespräche pro Jahr - einfach nicht mit meinen Finanzen beschäftigt und anfangs war meine Risikofreudigkeit auch noch nicht sehr hoch, was dem Berater ja auch in gewisser Weise die Hände bindet.
Neben diverser Anleihen habe ich ca. 2012 damit begonnen, in aktive Fonds zu investieren über Sparpläne. Bei den Beratungsterminen habe ich dann jeweils noch mal zusätzlich "aggressivere" Sparpläne über wenige Monate in Auftrag gegeben in die gleichen Fonds oder mir neue zeigen lassen und dort mit einer Einmalanlage Geld angelegt. Die Fonds sind alle ausschüttend mit automatischer Wiederanlage, d.h. Sparerpauschbetrag wurde mitgenommen.
So lief das eigentlich bis zu diesem Jahr im Juli, da hatte ich mein letztes Gespräch und habe wieder neue große Sparpläne abgeschlossen, um endlich mal diesen riesigen Liquiditäts-Berg von meinem Giro-Konto runter zu kriegen (#firstworldproblems).
Doch dann ...
Nachdem ich mir eine Tabelle angelegt hatte mit meinen bisherigen Fonds, den Einzahlungen, den Dividenden, den Kosten etc. habe ich dann doch festgestellt, dass es Optimierungsbedarf geben KÖNNTE. Und wer ist eigentlich dieser Bitcoin von dem alle reden?
Nach vielen Abenden des Querlesens und YouTube-schauens war ich dann doch etwas schlauer und sagte zu mir: "Ein kostenloses ETF-Depot muss her und zwar geschwind, auf dass die Erträge nur so sprießen und fortan alle Groschen in eben jenes fließen."
Seit gut zwei Wochen habe ich jetzt mein neues Depot und habe mir auch schon ein paar ETFs ausgesucht. Das soll im Großen und Ganzen dann auch dabei bleiben, also mehr ETFs werden es nicht. Ein paar Aktien könnten aber noch hinzu kommen, mal sehen.
Nun zu meinem "Plan" bzw. meinen Überlegungen:
- Anlagehorizont sind >20 Jahre
- Frei werdendes Kapital aus dem Verkauf der Fonds direkt reinbuttern (weil Cost-Average-Effekt = Quark bei der Haltedauer), Sparplan erst hinterher vom Gehalt laufen lassen
- Großteil soll in den Amundi Global Low Carbon ETF (LU...229), die anderen werden so belassen oder mit Sparplänen im kleinen Rahmen bespart
- Evtl. noch den "iShares STOXX Europe 600 Financial Services UCITS ETF (DE) (DE000A0H08G5)" für Diversifizierung (?)
Jetzt stellen sich mir natürlich noch weitere Fragen, bei denen ihr mir bestimmt helfen könnt.
- ALLE aktiven Fonds killen und umschichten in die ETFs?
- "gute" Fonds wie den Industrie 4.0 mal noch behalten?! Sinn?
- aktuelle "Flaute" aussitzen und später verkaufen (Deka-GlobalChampions und Deka-Nachhaltigkeit) oder bewusst Verlust realisieren für den Verrechnungstopf?
- mich dafür schämen, dass ich auf meine letzten rebellischen Tage bei der Sparkasse noch Frank Thelen in den Arsch gekrochen bin für fünf Riesen und den Quark auch noch wie ein Amateur (bin ich ja) im Direkthandel über "billigst" am Wochenende gekauft hab?
- und überhaupt: taugen die ETFs etwas oder bin ich komplett auf dem Holzweg?
Danke fürs Lesen!
Hi Andreas,
EDIT: Vorsicht es ist ein kleiner Roman geworden ;).
Erst Mal Hut ab zu deinem stattlichen Portfolio. Ich glaub (fast) jeder (Hand aufs Herz) hatte den ein oder anderen aktiven Fond in seinem Portfolio gehabt (außer sie hatten Glück und haben sich vorher informiert). Mir ging es da mit den Union Investment Fonds nicht anders. ;) Mein Portfolio war vor einiger Zeit auch noch ähnlich gefüllt mit aktiven Fonds. Die sind ja erst Mal auch nicht verkehrt, bis zu dem Punkt halt an dem man sich selber damit beschäftigen will bzw. man sich über den Tellerrand der aktiven Fonds umschaut.
So nun zu deinen Fragen. Ich übernimm die Bulletpoints, dann lässt ich es leichter zuordnen. (Entspricht meiner pers. Einschätzung und vielleicht hat der ein oder andere auch noch Input oder wiederspricht mir komplett (gibt ja keine richtigen Antworten :D)).
ALLE aktiven Fonds killen und umschichten in die ETFs?
Pauschal lässt sich, dass nicht so einfach sagen. Ich hab mir einfach mal die ersten drei Positionen im Portfolio angeschaut.
Für mich sind wie auch damals bei mir (bei näherer & längerem Betrachtungszeitraum die Beträge pro Jahr schlichtweg zu hoch (ETFs bekommst du ja schon unterhalb der 0,2% pro Jahr bzw. es gehen ja dann auch noch immer x% Ausgabeaufschlag pro Sparplan weg).
Daher würde ich auch wenn es viel "Arbeit" ist (mich haben die Rückfragen der Bank da am meisten "gestört" und ggf. länger dauert über kurz oder lange alle liquidieren. Ausnahme ist wenn du Anteile hast die vor 2009 gekauft sind (Was bei dir meine ich nicht der Fall ist). Die sind ja steuerlich nochmal begünstigt.
Ich weiß nicht ob es okay ist den Link zu posten, die von Finanzfluss haben da ein spitzen Rechner gebaut ( https://www.finanzfluss.de/rechner/etf-wechseln/ oben dann auf Opportunitätskosten switchen. )
Da kannst du alle Daten eingeben und erhält am Ende eine Berechnung wann sich ein Verkauf (incl. Verkaufsgebühr (bei Banken meist 0€), Kauf für die ETFs, + Steuern etc.) lohnen würde.
Annahme dabei ist die Produkte der DEKA und z.B. ein MSCI World (z.B. 0,2% TER) in den du wechselst würden gleich gut performen. (Erfahrungsgemäß sind die DEKA meist schlechter)
Wenn ich mich jetzt nicht komplett vertan hab, kannst du dir ja nochmal selber nachrechnen würde sich der Verkauf (trotz steuern) nach einem Jahr durch die hohe Jahreskosten rechnen.
"gute" Fonds wie den Industrie 4.0 mal noch behalten?! Sinn?
Daher würde ich auch so "gute" Fonds komplett auflösen. Ich hab mit dem Rechner nur Mal ganz grob ohne Freistellungsauftrag und moderater Performance von 5% gerechnet. Da landest du bei aktuellem Gewinn von ca. 3000€ - Steuern von bisschen mehr wie 500 € Steuern bei einem reingewinn durch die reduzierte TER pro Jahr bei mehr wie 13k "mehr" Geld in der Position wie wenn du ihn ihm DEKA lassen würdest. Also rund 300€ pro Jahr Kostenersparnis durch den Wechseln in den ETF. Ich muss ehrlich sagen, 1% mehr kosten klingt immer so "schön" wenig nur auf die Zeitspanne frisst es wahnsinnig Rendite. (Bitte nochmal prüfen ob meine Rechnung auch mit deinen eingegebenen Werten darauf kommt ;))
Aktuelle "Flaute" aussitzen und später verkaufen (Deka-GlobalChampions und Deka-Nachhaltigkeit) oder bewusst Verlust realisieren für den Verrechnungstopf?
Wenn du die Verluste verschmerzen kannst (Halten sich aus meiner Sicht (bitte nicht falsch verstehen) im Vergleich zur allgemeinen Performance die Verluste in Grenzen) und würde diese daher bewusst in Kauf nehmen.
mich dafür schämen, dass ich auf meine letzten rebellischen Tage bei der Sparkasse noch Frank Thelen in den Arsch gekrochen bin für fünf Riesen und den Quark auch noch wie ein Amateur (bin ich ja) im Direkthandel über "billigst" am Wochenende gekauft hab?
Hier trifft klar zu, schämen gibts nicht! Du hast Erfahrungen gesammelt und warum nicht einfach Mal was ausprobieren.
und überhaupt: taugen die ETFs etwas oder bin ich komplett auf dem Holzweg?
Hier kommts stark auf deine Präferenzen an, ich kann hier auch nur wieder von meiner Meinung und den Erfahrungswerten die man so einschlägig mitbekommt teilen. Ich würde einen Großteil entweder in die klassischen MSCI World (IE00B4L5Y983) / EM (IE00BKM4GZ66) (altbekanntes 70/30 ;)) oder die Vanguard Palette stecken und darum dir deine Satteliten aufbauen. Ich denke nur in dem Zeithorizont bietet sich eine "sichere Sache" an und du musst dich im Idealfall nicht kümmern. Gerne auch mit den bisherigen ETFs. (als Satelliten) ggf. hast du da Überschneidungen. Müsste ich mir nochmal im Detail anschauen, aber wenn du von den Sektoren überzeugt bist und die Wette eingehen willst nur zu. Bei dem iShares STOXX Europe 600 würde ich wenn du Europa übergewichten willst, dann auf den klassischen gehen ohne die "Einschränkung" auf Financal Services (DE0002635307)
Abschließend noch zwei Worte, ich hoffe ich konnte dir mit meinen Erfahrungen den ein oder anderen Denkanstoß / Idee mitgeben. Darüber hinaus drücke ich dir die Daumen bei deinem Plan und bin gespannt wie deine Entscheidung ausfällt bzw. sich dann dein Portfolio verändert.
Eine Frage hab ich dir noch:
Ich hoffe du hast es bis hier her geschafft, dann grüße aus dem Schwarzwald
Mike
@mike_b172e2 Hi Mike,
danke schon mal für deinen Input!
"Die sind ja erst Mal auch nicht verkehrt, bis zu dem Punkt halt an dem man sich selber damit beschäftigen will bzw. man sich über den Tellerrand der aktiven Fonds umschaut."
Genau so ist es, wenn man sich aktiv damit beschäftigt und die Preise der Konkurrenz sieht, dann fällt die Entscheidung zum Wechsel relativ leicht.
"Daher würde ich auch wenn es viel "Arbeit" ist (mich haben die Rückfragen der Bank da am meisten "gestört" und ggf. länger dauert über kurz oder lange alle liquidieren. Ausnahme ist wenn du Anteile hast die vor 2009 gekauft sind (Was bei dir meine ich nicht der Fall ist). Die sind ja steuerlich nochmal begünstigt."
Also ich bin da, was meine Pläne angeht, sehr transparent meinem Bankberater gegenüber und seine Aussage zu meinem bevorstehenden Wechsel war ungefähr (frei übersetzt) "Understandable, have a nice day". Klar, der ein oder andere Lockversuch wird noch kommen aber mein Plan ist eigentlich, das komplette Depot zu übertragen und erst dann zu liquidieren. Da ist auch keine Position von 2009 drin.
"Wenn ich mich jetzt nicht komplett vertan hab, kannst du dir ja nochmal selber nachrechnen würde sich der Verkauf (trotz steuern) nach einem Jahr durch die hohe Jahreskosten rechnen."
Danke für den Link und ja, im worst case wäre ich nach 4-5 Jahren wieder im Plus und die meisten sind noch früher fertig.
"Wenn du die Verluste verschmerzen kannst (Halten sich aus meiner Sicht (bitte nicht falsch verstehen) im Vergleich zur allgemeinen Performance die Verluste in Grenzen) und würde diese daher bewusst in Kauf nehmen."
Ja das sind wirklich keine großen Verluste und die sind ja kalkulierbar, d.h. ich verkaufe im Tief und kaufe auch wieder im Tief. Habe nur bisher keine Erfahrungen mit diesen Verlusttöpfen gemacht, da ich bisher noch nie verkauft habe.
"Hier trifft klar zu, schämen gibts nicht! Du hast Erfahrungen gesammelt und warum nicht einfach Mal was ausprobieren."
Ich werd den Fonds auch behalten, das Ding nagel ich mir übers Bett als Erinnerung. 😃
"Ich würde einen Großteil entweder in die klassischen MSCI World (IE00B4L5Y983) / EM (IE00BKM4GZ66) (altbekanntes 70/30 ;)) oder die Vanguard Palette stecken und darum dir deine Satteliten aufbauen. Ich denke nur in dem Zeithorizont bietet sich eine "sichere Sache" an und du musst dich im Idealfall nicht kümmern. Gerne auch mit den bisherigen ETFs. (als Satelliten) ggf. hast du da Überschneidungen. Müsste ich mir nochmal im Detail anschauen, aber wenn du von den Sektoren überzeugt bist und die Wette eingehen willst nur zu."
Ja 70/30 liest man ja immer wieder aber ich halte nicht viel von EM. Ich wollte auf jeden Fall etwas mit Nachhaltigkeit und habe mehrere MSCI ETFs verglichen und da hat sich der Amundi herauskristallisiert, auch weil ich den kostenlos mit Einmalzahlungen vollpumpen kann. Das wollte ich einfach mal für mich testen in den ersten Monaten mit dem Market timing und selbst bisschen "zocken" in den sicheren ETF.
"Bei dem iShares STOXX Europe 600 würde ich wenn du Europa übergewichten willst, dann auf den klassischen gehen ohne die "Einschränkung" auf Financal Services (DE0002635307)"
Danke für den Hinweis, schau ich mir gerne an. Man kann ja nicht mal von einer Übergewichtung au Europa sprechen, das ist eher ein Versuch, von USA wegzukommen.
"Abschließend noch zwei Worte, ich hoffe ich konnte dir mit meinen Erfahrungen den ein oder anderen Denkanstoß / Idee mitgeben. Darüber hinaus drücke ich dir die Daumen bei deinem Plan und bin gespannt wie deine Entscheidung ausfällt bzw. sich dann dein Portfolio verändert. "
Danke, ich werd ein Update posten, wenn alles über die Bühne gegangen ist.
"Eine Frage hab ich dir noch: Waren die DIST (ausschüttenden Fonds (waren ein Großteil, wobei ich meine bei der Sparkasse werden die Auszahlungen wieder angelegt. korrigiert mich bitte wenn ich falsch liege) bewusst gewählt? Falls ja, willst du die Strategie weiterfahren und Ausschüttungen kassieren.? Wenn nicht vergiss die Frage."
Die waren dahingehend bewusst gewählt, dass ich den Pauschbetrag ausnutzen wollte. Und ja, die werden wieder angelegt. Nachdem der Betrag ausgeschöpft war, habe ich aber nie weiter optimiert in Richtung thesaurierend.
Aktuell habe ich 3 thesaurierende und 1 ausschüttende ETFs (mit dem STOXX EU 600 wären es 2) gewählt und will die entsprechend so aufstocken, dass der Pauschbetrag wieder genutzt wird. Wie viel Kapital da benötigt wird, muss ich noch herausfinden. Habe mal in einem anderen Thread hier iwas von 40-60k gelesen.