Gepostet in Portfolio Roasts
Nicht alt, aber fürs Alter - Was haltet ihr von meinem Portfolio? (knapp 80k)
Hallo zusammen,
diesen Monat hat mein “finanzielles Aufwachen” seinen ersten Geburtstag gefeiert. 🎂🥳 Das möchte ich als Grund nutzen euch, liebe Community, mal auf mein Portfolio und die Strategie schauen zu lassen - und gerne eure offene und ehrliche Meinung zu den Assets hören.
Was meine ich mit “finanzielles Aufwachen”?
Letztes Jahr im April habe ich - fragt nicht warum - angefangen, mich mit meinen eigenen Finanzen zu beschäftigen und bin regelrecht aufgewacht bzw. aufgeschreckt. Ich habe meine Einkünfte und Ausgaben, aber vor allem die Versicherungen in EXCEL erfasst und durchgearbeitet, was ich eigentlich so alles (unnötiges!) habe. Lange Rede kurzer Sinn: ich habe alle teuren Versicherungs- & Fondprodukte gekündigt (Bausparvertrag; mehrere DVAG Fondpakete; zwei Riester), beschlossen meine finanzielle Absicherung fürs Alter selbst in die Hand zu nehmen und u.A. mit dem Geld aus diesen Verträgen mein Depot hochgezogen. 💪 Seither lese ich, schaue ich und höre ich mir nahezu täglich Inhalte & Infos rund um Finanzen an - weil es mich mittlerweile sehr interessiert, was in der (Finanz-)Welt so passiert. 🕵️
Über mich:
Ich bin 36 Jahre alt, wohne im Süden Deutschlands und bin Angestellter im IG Metall Tarifvertrag. Ein großer Teil des Monatsgehalts geht in ETF-Sparpläne, der Rest und die Sonderzahlungen gehen aufs Tagesgeld für Aktienkäufe und Reisen. Meine Partnerin und ich haben weder vor zu heiraten, noch wollen wir Kinder - ich plane also nicht, Kapital oder ein Depot zu vererben. 😉 Mit meinem Geld will ich fürs Alter vorsorgen, aber auch im Hier und Jetzt LEBEN (= Reisen und schöne Erlebnisse).
Finanzieller Plan & Strategie: 1 Mio. Depotgröße zur Rente in ca. 30 Jahren
ETFs (Core): langfristiger Horizont; monatl. Sparpläne über insg. 1.100 €; wachstumsorientiert; dienen der Altersvorsorge
- Aufteilung: 70% S&P 500, 10% India, 10% Artificial Intelligence, 10% Automation & Robotics
- Aktien (Satellite): kurz- bis mittelfristiger Horizont; Einzelkäufe bei deutschen/europäischen Unternehmen, die ich interessant finde & wenn der Einstiegspreis stimmt
- Bitcoin (Satellite): mittelfristiger Horizont; kürzlich erst mit Einzelkäufen eingestiegen
Cash (Tagesgeld): jeder übrige € kommt am Monatsende da dazu
- Aufteilung: 10.000 € Notgroschen; 1.500 € Cash-Reserve für Aktienkäufe; 1.500 € Cash-Reserve für Reisen
Infos dazu:
Ich plane im Alter mittels Entnahmeplan meine ETF-Anteile nach und nach zu verkaufen und lege keinen großen Wert auf Dividenden. Die Übergewichtung der USA ist mir bewusst. Bitcoin und Aktien sehe ich als “Rendite-Booster”. Zweiteres kaufe ich nur aus Deutschland bzw. Europa, weil ich mich zu den Unternehmen, Branchen, Trends, Situationen, staatlichen Entscheidungen, etc. gerne auf dem Laufenden halte und das für mich in DE/EU am besten funktioniert – man ist ja mittendrin. 😅
Link zum Portfolio: roast it here (ACHTUNG: bitte Hinweis unten beachten!)
Gedanken, die ich aktuell habe (Feedback willkommen):
- ETF-Aufteilung von 70/10/10/10 ändern auf 60/20/10/10, also “India” ETF auf 20% erhöhen?
- Bitcoin Sparplan mit 100 € monatlich aufsetzen?
- DHL abstoßen, da zu sehr abhängig von Staat & Gesetzen? (z.B. Postgesetz)
- Den “Artificial Intelligence” ETF abstoßen und Kapital umschichten? - Da überschneiden sich 15 von 67 Positionen mit dem “Automation & Robotics” ETF (gerade erst durch X-Ray Export rausgefunden)
Ich freue mich über eure Meinung und beantworte gerne Fragen, falls ihr noch was Zusätzliches wissen wollt!
Danke schon mal und viele Grüße
Domi
Hinweis (10.05.2024):
Nach jeder Menge gutem und berechtigem Feedback und einigen Überlegungen von mir habe ich ein paar Änderungen bzw. Optimierungen vorgenommen. Die Beschreibung zum Roast passt deshalb nicht mehr ganz zum (aktualisierten) Portfolio! Siehe mein eigener Kommentar vom 10.05.
Danke fürs zeigen ;)
Gedanken:
Die 20er Indiawette fände ich spannend (Jonathan würde sich vermutlich freuen), allerdings würden mir einige der anderen asiatischen Schwellenländer fehlen (aber die Entscheidung hast du vermutlich bewusst getätigt.)
Bei den beiden 10er Tech-ETF habe ich überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, beide in einen breiten weltweiten Tech-ETF zu überführen. Aber ich muss zugegeben, ich habe keinen Überblick, ob es da einen guten gibt und ob er die Performance schlägt.
DHL ist für mich eine stabile Divi-Aktie mit Wachstumspotential, da der Burggraben = Quasi-Briefausträgermonopol mit bundesweiter Struktur doch recht breit ist, zudem international mit eigener Flugzeugflotte aktiv.
Ungefragt: Zu Rheinmetal, ich hatte meine jetzt mit einer Steigerung von knapp 300 € verkauft, einmal, neues Mindset, zweitens, wo solls kursmäßig noch hingehen und drittens, für dich als Gedanken vielleicht spannend, in der Ukraine werden die Schlachten aktuell durch billige Drohnen, Raketen und die Abwehr dagegen, sowie Artillerie geführt. Aktuell werden Panzer mit zweistelligen Millionenstückkosten von Billigdrohnen weggeräumt. Ich halte das für die Kriegsführung der Zukunft, die bisher keine adäquaten Gegenmaßnahmen hat, außer vielleicht Luftabwehrpanzern und -systemen (auch wenn Rheinmetal da was im Angebot hat). Bisher konnte ich noch keine klaren Linien bei europäischen Drohnenherstellern ausmachen, dafür militärische Produktionslinien aufzubauen. Aber Panzer halte, zum jetzigen Technikstand für ein auslaufendes Gut. i might be wrong?
Den Ansatz Aktien regional, wo man die News mitbekommt, zu kaufen und den Rest über ETF abzubilden find ich gut.
hf
@wurstsuppe @domi_699452 Was deine Gedanken zu Rheinmetall angeht gebe ich auch mal meinen Senf dazu :)
Zum Punkt “wo solls kursmäßig noch hingehen” finde ich sollte man auf mehr als nur den Kurs schauen
Hier sieht man die Prognostizierten Gewinne. Das ist aber hier nicht nur eine Analystenprognose, sondern Rheinmetall hat volle Auftragsbücher für die nächsten 5 Jahre aus aller Welt. Die können Produzieren ohne Ende weil die Nachfrage seit dem Überfall auf die Ukraine einfach extrem angezogen ist. Die Verteidigungsbudgets sind gestiegen, die Staaten geben wieder mehr Geld für die Modernisierung ihrer Verteidigung aus, und dazu gehören auch in erster Linie Panzer von Rheinmetall. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine ist uns wieder klar geworden dass einem selbst so etwas auch passieren kann, und dann will man vorbereitet sein. Man will sich kaum vorstellen was der Ukraine passiert wäre ohne Vorbereitung auf diesen Angriff seit dem Überfall auf die Krim 2014…
Auch was die Drohnen angeht hat Rheinmetall was im Portfolio, nicht nur Drohnenabwehr sondern auch eigene Drohnen zur Aufklärung, Überwachung und Zielerkennung, was wiederum den Nutzen der Panzer deutlich erhöht.
Die Rheinmetall Aktie ist natürlich enorm gestiegen seit 2022, aber mit ihr auch die planbaren Gewinne und der Umsatz. Wenn man sich die Bewertung ansieht, dann sind wir bereits in 1,5 Jahren wieder in einer angemessenen Bewertung falls der Kurs von hier nicht weiter steigt:
Dasselbe gilt auch für’s KGV. Aktuell sind wir natürlich sehr hoch mit knapp 40, aber bei den steigenden Gewinnen die nächsten Jahre, die sich wie gesagt durch die vollen Auftragsbücher gut prognostizieren lassen, sieht das in ein bis zwei Jahren wieder anders aus:
Gerade die aktuell gefragten Bereiche bei Rheinmetall wie “Weapon and Ammunition” sind auch deutlich profitabler geworden. Die Marge hier ist von 20% 2021 auf fast 30% 2023 gestiegen. Bei gleichzeitigem Umsatzwachstum von 30% in diesem Zeitraum ist der Gewinn also um 84% gestiegen, das finde ich schon ordentlich. Ähnliches Wachstum sieht man beim Segment mit dem größten Umsatzanteil “Vehicle Systems”. Das sind jetzt nur ein paar Beispiele, beim Aktienfinder sieht man das ganz gut aufgedröselt:
über www.aktienfinder.net/messeangebot bekommt man als Neukunde aktuell wegen der Invest-Messe Stuttgart 30 Tage Aktienfinder Premium gratis, nur so nebenbei :)
Also was Rheinmetall angeht:
Aktuell ist die Aktie mit 4,2% meine größte Position, und damit bin ich auch absolut zufrieden. Ich bin zwar schon 250% im Plus, sehe aber absolut keinen Grund zu verkaufen und halte die Aktie mindestens die nächsten 3-4 Jahre. Die erhöhten Verteidigungsausgaben sind keine vorübergehende Sache meiner Meinung nach, Deutschland hat im Verteidigungsfall Munition um sich 2 Tage(!!) zu verteidigen. Allein bis Deutschland seine Lager wieder aufgefüllt hat fließen Rheinmetall hunderte Millionen zu, andere Länder die aufrüsten noch nichtmal mit eingerechnet.
Gegen deinem ersten Punkt “neues Mindset” kann ich nichts sagen. Wenn man aus ethischen Gründen oder aus Überzeugung nicht in Rüstung investieren möchte dann ist das absolut in Ordnung, ich persönlich finde es aber wichtig dass sich Deutschland im Fall der Fälle falls es dazu kommen sollte verteidigen kann, und dazu gehören eben Firmen wie Rheinmetall. Mir wäre eine Welt ohne die Notwendigkeit für Rüstung auch lieber, aber so lange es Länder mit Diktatoren wie Russland, China oder Nordkorea gibt, wird leider kein Weg dran vorbei führen dass man bereit sein muss sich verteidigen zu können. Daher habe ich persönlich kein Problem in diesem Bereich zu investieren, das kann man natürlich aber auch anders sehen, und diese Meinung respektiere ich selbstverständlich!
Viele Grüße,
Niklas
@niklas_klamm klasse Ausführung und coole Deepdives, danke! Aktuell sieht es da mehr als rosig aus, da stimme ich dir komplett zu und sieht man ja auch in den Zahlen. Glückwunsch auch zu deinen 250%!
Einen ähnlichen Zeitraum wie du peile ich hier auch an, aber eben nichts langfristiges. Dein Mindset teile ich ebenfalls!
@wurstsuppe cooles Feedback, danke! Ich kommentiere das gerne zurück:
Bei den beiden ETFs ging es mir nicht grundsätzlich um Tech, sondern:
Danke auch für die Bestätigung zu meinem Aktien-Ansatz! 👍
@domi_699452 Interessante Gedanken zu Rheinmetall, aber ich glaube, dass Rheinmetall weiter steigen wird. Ein Krieg ist immer ein Zusammenspiel aus mehreren Komponenten, Luft, Wasser, Land und Cyber. Du brauchst also auch Panzer aus diversen Gründen.
Was in meinen Augen eher ein Risiko ist: Wenn der russische Angriffskrieg wie auch immer endet, werden die Haushalte der Länder vermutlich weniger Geld als bisher angekündigt in die Aufrüstung der Armeen stecken. Gerade Deutschland halte ich dafür prädestiniert, dass die Ausgaben für die Landesverteidigung massiv sinken werden, wenn der Krieg in der Ukraine endet.
Aber bis dahin wird Rheinmetall weiter attraktiv sein für Anleger.
@niklas_klamm danke für deine ausführliche Antwort. Hier eine leider etwas verspätete von mir.
Ich hatte mich bei meinen Ausführungen zu den Rheinmetalprodukten auf die aktuelle Kriegsführung in der Ukraine bezogen, die mMn als erster Krieg, zwischen zwei modern ausgerüsteten Armeen Grenzen und Limitierungen der derzeitigen Kriegsführung aufzeigt.
Insbesondere der Drohnenkrieg gegen Soldaten und Maschienen wird eine grundsätzliche strategische Umrüstung provozieren, vermute ich. Am Anfang des Krieges hat die Ukraine gezeigt, dass die mit 30-40k € teuren Drohnen russische Panzer zerstören, die Stückpreise von 3 Mio € haben, das war bereits ein hohes Missverhältnis. Aktuell räumen die Russen westliche Panzer, mit Stückkosten von 20-40 Mio € mit Drohnen von Stückkosten von ca. ± 100k € (oder weniger) weg. Und damit meine ich nicht die vermutlich deutlich teueren Aufklärungsdrohen von Rheinmetal.
Die Kosten dieses Rüstungswettlaufs werden von dem gewonnen, der die meisten dieser Kamikazedrohnen durch die feindliche Abwehr durchbekommt.
Die vollen Auftragsbücher zum jetzigen Zeitpunkt, blenden halt aus, dass die Armeen der Welt die Bedeutung von Panzern gegenüber von Billigdrohnen die diese Panzer für Kleingeld zerstören können, neu bestimmen werden.
Klar wird man sehen, ob technisch mit geeigneten Gegenmaßnahmen nachgezogen wird, in Videos sieht man auch auf russischen Panzern Störsender, gegen die Ukrainischen Drohnen, aber auch diese Technik könnte für Russen und Westen bald nutzlos werden, wenn du Drohnen ihre Ziele selbst erkennen können … schließlich sind wir in Jahr 2-3 dieser neuen Kriegsführung, da wird es mMn große Sprünge geben, aber ich sehe hier Rheinmetal mit seinem Produktportfolio nicht.