StefanP
Plus

Gepostet in Schnack

Fragen zu "Altersdepot" in der Rente, bitte um Meinungen

Moin,

da sich hier in der Community so viel Wissen und Erfahrung rund im Finanzenthemen sammelt dachte ich es ist ein guter Ort für meine Fragen.

Ausgangslage:

  • meine Schwiegermutter (74) hat ihre Eigentumswohnung verkauft
  • wohnt nun zur Miete einer Anlage mit Betreuungsangebot
  • etwa 200k “Vermögen” sind vorhanden
  • monatliche Rentenlücke etwa 200 - 300 € (Miete und Lebensgrundlage, keine Freizeit und Zusatzkosten berücksichtigt)

Nun bittet Sie mich für Sie das Geld zu verwalten und Ihr das nötige “Taschengeld” zu überweisen. Sie will sich da um nichts kümmern und damit nichts zu tun haben. Wie ihr seht keine schlechte Beziehung zur Schwiegermutter 🤣

Das Ziel ist also das Geld zu nutzen um das monatliche Minus zu abzufangen.

Prio: Kapitalerhalt, nicht Rendite, keine Spekulation

Mein Plan besteht aus diesen Stufen:

A) Absicherung und Liquidität / Notgroschen auf Tagesgeldkonto (4 Monatsausgaben)

B) Konsum und laufender Ausgleich mtl. Lücke aus Festgeld/Depot

Aufteilung

• A) 70 % Cash (Festgeld und Tagesgeld) & (Unternehmens-)Anleihen (iBonds?) /Rentenfonds(ETF), oder Geldmarkt ETF

• B) 30 % Cashflow Depot (Dividenden-ETF / REIT)

Daher habe ich einige Fragen

  1. Aufteilung
    Ist mein Plan sinnvoll? Was habt ihr für Ideen?
  2. Zusätzliches Depot auf meinen Namen? (Nachteil Steuern, Freistellungsauftrag…) oder kann man ein Depot für Erwachsene verwalten wie bei einem Kinderdepot? Oder schlicht Depot “offiziell” auf die Schwiegermutter eröffnen, die Kontaktdaten für Zugang und Benachrichtigungen auf mich?

Habt ihr zu einem der Themen Erfahrungen? Ich bin über jeden Gedanken und Meinung von euch dankbar! 🙏

Viele Grüße,

Stefan

@Moderatoren: falls das hier ganz falsch platziert ist bitte verschieben, und wenn solche Themen hier in der Community nicht erwünscht sind weil es in Richtung Beratung geht löscht meinen Beitrag, ich habe da Verständnis.

10 Kommentare

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Sylvia
Investor

Ich denke, dass die Schwiemu ein Depot eröffnen muss. Wenn Du das machst ist es Dein Geld = Schenkung und damit Steuerpflichtig. Sie kann Dich aber als Bevollmächtigten einsetzen.

Ansonsten kann ich Dir mal beschreiben wie ich es für mich geregelt habe.

Als erstes den jährlichen Bedarf + Reserve ermittelt. Dann habe ich einen größeren Teil meines Geldes in ausschüttenden IBonds (modifizierte Anleihe-ETFs) mit festem Ablauf angelegt. Jeweils pro Jahr mit der Summe die ich vorher ausgerechnet hatte. So habe ich jetzt IBonds bis 2034, die jeweils im Dezember fällig werden und dann für das nächste Jahr zum verleben auf dem Tagesgeldkonto zur Verfügung stehen. Bis zur Fälligkeit bringen Sie ganz gute Dividende/Zinsen. Vorteil gegenüber Festgeld (neben besseren Zinsen): IBonds kann man jederzeit verkaufen wenn plötzlich Pflegeheim o.ä. nötig ist.

Mit breiten ETFs könnte man auch arbeiten. Aber der Anlagehorizont wäre mir bei Deiner Schwiemu zu kurz. Soweit meine Planung die bis jetzt ganz gut funktioniert.

4
p
Plus

Zu deiner 2. Frage:

Auf keinen Fall ein Depot “auf deinen Namen” eröffnen. Sobald das Geld auf dem zugehörigen Verrechnungskonto eingeht, wäre das eine erbschaftsteuerpflichtige Schenkung an dich. Ich nehme nicht an, dass deine Schwiegermutter die Absicht hat, dir das Geld zu schenken, du sollst ja offensichtlich nur verwalten. Deshalb muss deine Schwiegermutter ein eigenes Depot eröffnen, das du dann per Vollmacht verwalten kannst. Ähnlich wie ein Kinderdepot, nur dass deine Schwiegermutter die Eröffnung selbst vornehmen muss, da sie - anders als Kinder - voll geschäftsfähig ist.

Und mache dich vorher schlau, ob bei der Bank/Broker die Verwaltung über Vollmacht möglich ist. Das ist im Moment (noch) nicht bei allen Online-Brokern möglich. Ohne Vollmacht könntet ihr natürlich tricksen und nach der Depoteröffnung die übliche Zwei-Faktor-Anmeldung zum Online-Zugang über dein Mobiltelefon vornehmen. Das kann man machen, stellt aber einen Verstoß gegen die Geschäftsbedingungen dar, weil du dich mit deinem Mobiltelefon als deine Schwiegermutter ausgibst. Offiziell über Vollmacht ist da sicherlich der bessere Weg.

3
p
Plus

@marcus Ob das stimmt, was du sagst, bin ich mir nicht sicher. Ich habe das gleiche Thema wie StefanP und verwalte Depots für Angehörige. Deshalb hatte ich Gespräche mit Banken/Brokern, die mich darauf hingewiesen haben, dass ein Zugang über meine Handynummer ohne Vollmacht ein Verstoß gegen Geschäftsbedingungen darstellen würde. Ich habe das nicht nachgeprüft, sondern die Finger davon gelassen und bin den Weg über ordentliche Vollmachten gegangen. Vielleicht übervorsichtig, aber ich will keinen Ärger, weder in der Familie noch mit der Bank.

2
Marcus
Investor
Beta
+1

@reinhard Alles richtig, allerdings wäre die Handynummer von ihm kein Verstoß, sondern Kundenwunsch dieses Gerät für die 2FA zu nutzen. Insofern meiner Meinung nach legitim.

2
Das_Lama
Plus

Moin,

zur Frage des Depots selbst schließe ich mich den Vorrednern an - Schwimus Geld, Schwimus Depot. Nutzt das vielleicht einfach als Gelegenheit, euch in dem Zuge auch mit Bank-/Kontovollmachten im Erbfall zu beschäftigen. Möge deine Schwiegermutter noch lange und gesund leben, aber wenn es eines Tages dem Ende entgegen geht, ist es ein häufig unterschätzter Punkt, überhaupt an das Konto von Erblassern zu kommen, um die notwendigen Bankgeschäfte vorzunehmen.

Zur Portfoliostruktur: es gibt von Vanguard diverse monatlich ausschüttenden Anleihen-ETF. Wenn die monatliche Auszahlung wichtiger ist als die Wertentwicklung, kann das ein Baustein sein. Ich selbst habe den IE00BG47KB92, aber das ist mit allen üblichen “Anleihenschwächen” verbunden, die es eben so gibt. Ansonsten findet du z.B. bei extraETF auch verschiedene Portfoliovorschläge für das Ziel monatlicher Ausschüttungen. Eine Kombination aus 3 Aktien- und einem Anleihe-ETF wäre das eine relativ einfache Option.

Gleichzeitig ist es natürlich so, dass 200k angelegtes Vermögen, wenn ca. 75 % risikoarm angelegt sein sollen, nicht zwingend 3.600 Euro netto pro Jahr ausschütten. Insofern kann es auch eine Überlegung sein, mit regelmäßigen Verkäufen zu arbeiten. Also beispielsweise (!!!) 100k in einen Low-Cost-Multi-Asset-Fonds wie z.B (!!!) Arero zu investieren, um dann 3 % pro Jahr zu entnehmen. Sollte das Pleiterisiko statistisch in engen Grenzen halten, und die anderen 100k könnten immer noch in Tages- und Festgeldern angelegt werden, a) damit im Notfall “was da ist” und b) etwas Cashflow aus Zinsen zu generieren.

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Das_Lama
Plus

Um noch einen weiteren Gedanken einzubringen, auch wenn er in einem Wertpapierforum erst einmal fernliegend erscheint: ich habe einfach mal für den Geburtsjahrgang 1950 eine Sofortrente bei einem Vergleichsportal eingegeben. Einzahlung 100k. Da gibts verschiedene Anbieter, die eine jährliche Bruttorente um die 5.500 Euro versprechen. Natürlich ist die Rendite katastrophal und zu erben gibts dann auch nix, aber wenn es wirklich primär um die Deckung der Lebenshaltungskosten geht, kann vielleicht selbst das ein Baustein sein - in welcher Höhe auch immer.

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Sylvia
Investor

Sofortrente würde ich sehr genau überlegen und prüfen, hinsichtlich Steuern, Krankenkasse und Pflegekasse. Das kann teuer werden. Hatte mal eine Bekannte die bekam ihre Lebensversicherung ohne Abgaben, weil vor 2005 abgeschlossen. Gab das Geld in eine Sofortrente und zahlte dann. Auch sollte geprüft werden was ist wenn Schwiemu plötzlich stirbt. Dann könnte das Geld weg sein. Bitte ganz genau vorher prüfen

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XYZ123

Ich denke hier sind schon viele sinnvolle Sachen gesagt worden. Je, nachdem wie das spätere Erbe geplant ist sollte man prüfen, wie man aus Erbschaftssteuer Sicht das Depot am besten auflegt und die nötigen Vollmachten direkt jetzt vergeben, bei Bedarf lassen die sich auch einschränken.

Dann würde ich klären, wie das “Taschengeld” genau gemeint ist, also reden wir hier nur von den gesagten 300€ pro Monat oder kommen auch mal spontane Anfragen von 2000€ für einen Urlaub, dass sollte unbedingt vorher feststehen.

Falls das so ist, gibt es nämlich nur 2 Möglichkeiten.

Die erste wäre, plane lieber mit 400-500€ pro Monat und bau so ein Polster auf, oder Tagesgeldkonten, kurzfristige Anleihen oder Geldfonds, wenn es regelmäßiger vorkommen wird.

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Parqet Nutzer
Plus

100% in einen ETF und variable Entnahmerate. So würd ich es machen. Damit minimierst du das Ausfallrisiko und maximierst die upside. Bei einer anfänglichen Zielentnahmerate (Rentenlücke) von ~2,45% (ca 4.900€ p.a. vor Steuern, vielleicht sogar weniger je nach persönlichem Steuersatz) vom Startkapital sollte das gut machbar sein.

Bonds sind outdated. https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=4590406

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StefanP
Autor
Plus

Wow, danke euch für die vielen guten Gedanken und Infos !
Ich hatte eh eine Fragenliste für Schwiemu, die werden wir am WE erstmal durchgehen damit dann entsprechende Aufteilung und Auswahl möglich wird

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