user_b43a1c

Gepostet in Schnack

Sicherer Teil im Depot: Geldmarkt-ETF vs. kurzlaufende Anleihen

Hey zusammen,
ich bin 61 und habe meinen Aktienanteil im Depot etwas reduziert. Aktuell liege ich bei ca. 70 % Aktien, 10 % Anleihen, 5 % Gold und 15 % Geldmarkt-ETF. Die 70% Aktien möchte ich so lassen.

Was mir gerade Kopfzerbrechen macht, ist der „sichere“ Teil des Portfolios. Wenn man sich kurzlaufende Anleihen mit guter Bonität anschaut und sie mit einem Geldmarkt-ETF wie dem Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap UCITS ETF (WKN DBX0AN) vergleicht, kommt man ja im Moment fast auf die gleiche Rendite.
Wie seht ihr das? Lohnt sich da überhaupt noch der Umweg über Anleihen?

13 Kommentare

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Jens L.
Investor

Hallo @user_b43a1c , wie ich es sehe, sollte es sich beim risikofreien Portfolioteil um eine Anlage mit geringstmöglichem Ausfallrisiko, mit geringer Volatilität, hoher Liquidität sowie ohne Wechselkursrisiko handeln. Rendite geht mit Risiko einher, was beim RFT definitionsgemäß unerwünscht ist. Aus diesem Grund kann mit dem RFT keine nennenswerte Rendite erwirtschaftet werden. Wenn doch, hat man keine wirklich risikofreie Anlage gewählt. Für Privatanleger ist ein RFT am einfachsten durch ein verzinsliches Bankkonto innerhalb der in D. staatlich garantierten Einlagensicherung (100k) umsetzbar. Wenn diese nicht reicht, führt an Staats- und Unternehmsanleihen hoher Bonität mit sehr kurzer Restlaufzeit (1-3Y bzw. 0-1Y) in der Heimatwährung kein Weg vorbei. In meinem Sicherheitsanker verwende ich den kurzlaufenden Rentenfonds iShares € Ultrashort Bond UCITS ETF EUR Acc (WKN A3DJQJ). PS: Renditeorientierte Anleihen z.B. Hochzinsanleihen aus den Emerging Markets würde ich im risikobehafteten Teil sehen.

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Björn Beier
Team
Mod
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Anleihen lohnen sich mMn höchstens da, wo du moderates Risiko in Kauf nehmen willst für eine leicht erhöhte Rendite (z.B. Unternehmensanleihen) oder wo du eine Planungssicherheit haben möchtest, z.B. für 3 Jahre die feste Rendite X.

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Peter Andres
Plus

Das ist ein spannendes Thema. Ich beschäftige mich momentan auch damit, welchen Anteil an Anleihen ich halten möchte. Zurzeit sind es 0 %, da ich vor einigen Monaten alle verkauft habe, als Trump im April die hohen Zölle angekündigt hat. Damals habe ich die Gelegenheit genutzt, alles in Aktien und Geldmarkt-ETFs umzuschichten.

Inzwischen schaue ich mir aber wieder einige High-Yield-Anleihen an. Der Markt ist derzeit recht sportlich bewertet, weshalb man in den nächsten Jahren wohl eher mit rund 0 % Rendite rechnen sollte, so wie es historisch auch bei ähnlich hohen Bewertungen war. Da erscheint es attraktiver, sich mit High-Yield-Anleihen Renditen von 7–8 % zu sichern.

Ich kann dir dazu gerne sicher einiges erzählen, aber hör dir am besten Howard Marks an, auf ihn hört sogar Warren Buffett, wie er einmal in einem Interview gesagt hat. Marks gilt als der „King of High Yield Bonds“. Auf YouTube hat er dieses Jahr einige sehr gute Videos zu dem Thema veröffentlicht. Seine Memos auf Oaktree Capital sind auch klasse, vor allem “Bubble Watch” 😁

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zero
Investor

@n_f Dem Teil will ich natürlich nicht widersprechen 🙂
Aber mal abgesehen vom Ausfallszenario: Wenn man mit Ü60 den „sicheren“ Teil des Portfolios hoch schrauben will, geht es ja auch um die Volatilität und man will nicht zwangsläufig jede Anleihe bis zum Ende der Laufzeit halten (oder verwendet sowieso einen ETF).
In den meisten Krisenszenarien, wo Aktien und sonstige Risikoassets abverkauft werden, gehen die Kurse der High Yield Bonds dann Risk-off-bedingt fast genauso steil in den Keller.
Eine Chance, mit Anleihen das Portfolio zu stabilisieren, gibts dann eben nur mit langweiligen Staatsanleihen und zu einem gewissen Grad Investment Grade Unternehmensanleihen.

Daher würde ich Hochzinsanleihen eben als einen ganz anderen Portfoliobaustein sehen, als das, wonach hier gefragt wurde.

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zero
Investor

@user_b43a1c Also dass Anleihen mit kurzer Restlaufzeit und guter Bonität wie du oben geschrieben hast etwa die gleiche Gesamtrendite liefern wie der Geldmarkt ist Normalzustand, von daher würde ich da generell keinen großen Aufwand rein stecken, sondern einfach einen ETF verwenden. Einzelne Anleihen habe ich eigentlich nur 2023 für die Renditechance gekauft.

Ich würde aber allein schon nicht alles in den Xtrackers Overnight stecken, weil der nur synthetisch einen Index nachbildet, was andere Risiken mit sich bringt als ein physisch replizierender Anleihe-ETF. Der von @jens_l genannte Ultrashort ETF ist dafür gut geeignet, oder wenns etwas mehr sein darf sowas wie der "iShares € Govt Bond 1-3yr".

Ich persönlich würde noch einen Teil in einen ETF auf längere Laufzeiten oder Investment Grade Euro-Unternehmensanleihen (ich hab da den “Vanguard EUR Corporate Bond”) stecken, da man ja hoffentlich nie an das ganze Geld auf einmal ran muss und dann auch ohne einzelne Anleihen wiederum etwas optimiert vorgehen kann. Ist aber Geschmackssache, wie kompliziert man es für das Bisschen mehr Rendite machen will.

2
zero
Investor

@n_f Ob sie im aktuellen Marktzyklus interessant sind, ist natürlich ne andere Frage, aber High Yield Bonds passen für mich nicht zur Überschrift “Sicherer Teil im Depot” und man kann sich damit auch keine bestimmte Rendite “sichern” - meines Wissen behauptet auch Howard Marks nichts anderes.

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Peter Andres
Plus

@zero da kann ich nicht wiedersprechen 🙂 das Alter ist mir beim Lesen entflogen

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Peter Andres
Plus

@zero Keine Rendite ist wirklich sicher, da sind wir uns vermutlich einig 🙂. Aber wenn man sich die historischen Ausfallquoten anschaut, liegen sie bei solchen Anleihen meist bei etwa 2–3% (laut Marks & Moody’s Daten). Außerdem gibt es noch eine gewisse Recovery Rate, also das Geld ist nicht zu 100% weg wie bei Aktien.

Ich würde mir natürlich kein Unternehmen aussuchen, das ein B- Credit-Rating hat. Das Kreditrisiko in dem Bereich halte ich aber für vertretbar, und genau das sieht auch Howard Marks so in seinen letzten Memos.

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Marius
Plus

Ich würde derzeit kein Geld in Anleihen stecken, egal welche Laufzeit. Dafür sind die Aussichten bzgl. Zinsen und Inflation (weltweit) zu unklar. Wenn es um stabile Ausschüttungen geht würde ich mir eher einen guten Income-Fond suchen.

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user_b43a1c
Autor

Vielen Dank an euch alle für die Kommentare. 2023 habe ich angefangen, den „sicheren“ Teil meines Depots mit einzelnen Anleihen aufzubauen. Sehr schnell wurde mir klar, dass es gar nicht so einfach ist, Anleihen wirklich zu diversifizieren. Eigentlich wird aus Sicherheit schnell Unsicherheit.
Ich bin ein Freund des KISS-Prinzips – keep it simple. Ich werde eure Anregungen umsetzen und in ein paar ETFs investieren. Ich glaube, man muss sich selbst disziplinieren und den „sicheren“ Teil auch wirklich sicher halten. Sonst kann man am Ende doch alles wieder voll in Aktien investieren.

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user_b43a1c
Autor

Ich meine das als Alternative zum Geldmarkt. Ich investiere weiterhin, bis ich in Rente gehe, und ich kann mich noch nicht richtig zurechtfinden, wenn es um den „sicheren“ Anteil meines Portfolios geht. Ich habe Bundesanleihen (bis 2034) und ein paar Investment Grade Unternehmensanleihen mit mittlerer Restlaufzeit (bis 2030). ETFs auf Anleihen erscheinen mir ziemlich unübersichtlich.

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Moneymaker
Investor
Beta
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Warum müssen die Anleihen nur kurze Restlaufzeiten haben, wenn Du am Geldmarkt auch investierst? Rechnest Du mit steigenden Zinsen? Meinst Du mit guter Bonität nur Staatsanleihen oder denkst Du auch Unternehmensanleihen im Investment Grade Bereich?

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