Gepostet in Schnack
Warum Mastercard jetzt wieder attraktiv bewertet ist – mein aktualisiertes DCF‑Modell
Ich weiß, Mastercard, langweilig…
Aber als ehemaliger Mitarbeiter eines großen Mastercard‑Konkurrenten bringe ich etwas Markteinblick mit (ohne hier wirklich tief in Details zu gehen da ich ein Buch dazu schreiben könnte), und nach den heute veröffentlichten Quartalszahlen habe ich mein DCF‑Modell überarbeitet und meine Position direkt um 20 % erhöht.
Am Ende dieser Zusammenfassung stelle ich euch meine 3 Szenarien (Bear, Base, Bull) und die entsprechenden Bewertungssimulationen vor.
Bewertungstechnisch (P/E und FCF‑Yield) ist Mastercard so günstig wie seit Ende 2022 nicht mehr, während das Kerngeschäft weiterhin zweistellig wächst. Besonders interessant ist für mich aber aktuell nicht einmal das klassische Payment‑Network (was regulatorisch/ Politisch immer wieder angefeindet wird – wann verstehen Politiker endlich, dass Mastercard kein Kreditkartenunternehmen ist sondern ein Payment-Abwickler und mit Zinsen direkt nichts am Hut hat), sondern vielmehr der Bereich Value Added Services, der im Q4/25 um 26 % (GAAP) gewachsen ist.
Bei diesem Wachstumstempo dürfte dieser Bereich das „klassische“ Zahlungsnetzwerk in etwa zwei Jahren überholen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Der Payments‑Sektor ist extrem kompetitiv. Viele Kollegen sind damals zu Startups gewechselt, die in Nischen sehr schnell Marktanteile erobern. Mastercard hat das auch erkannt. Genau deshalb fließt der Value‑Added‑Services‑Bereich heute stärker in meine Investmentthese ein.
Das Payment‑Network selbst wird weiter wachsen, da bin sehr zuversichtlich, durch Inflation, eine steigende Zahl an Karten und weltweit wachsenden Wohlstand. Rund 8–9 % Wachstum pro Jahr sind aus meiner Sicht realistisch in den nächsten 10 Jahren. Sollte das Thema Schuldenlast und die damit verbundene Inflation global wieder anziehen, könnte es sogar mehr werden.
Der Value‑Added‑Services‑Bereich umfasst insbesondere Datenprodukte, Sicherheitslösungen, Analytics und Consulting – extrem margenstark und schwerer angreifbar. Ich arbeite gerade für eine Bank und wir lagern immer mehr Funktionen aus. Analytics, Marketing, Betrugsprävention, Regulatorische Anforderung der Geldwäsche und mehr. Es ist einfach Kosteneffizienter. Dort sehe ich das zukünftige Potenzial, da diese Services auch an Konkurrenten verkauft werden die im Payment-Bereich tätig sind.
Meine Annahme: Required Rate of Return = 12 % damit ich eine Aktie kaufe
Wenn ich weniger als 12 % Renditeerwartung habe, kann ich auch einfach einen ETF kaufen und weniger Risiko eingehen. Deshalb nutze ich diesen Zielwert als Grundlage für die Bewertung.
Bear Case
- Aktueller Preis: 525 $
- Umsatzwachstum: 9 % (konservativ, obwohl Q4/26 GAAP bei +18 % liegt)
- Terminal P/E: 25 (deutlich unter dem 10‑Jahres‑Schnitt von >40)
- Aktienrückkäufe: 1 % p. a. (halbe Rate der letzten 10 Jahre)
- Marge: 42 % (leichter Rückgang von ~45 %)
→ Fairer Wert für 12 % Rendite: 400 $
= 125 $ unter dem aktuellen Kurs / Aktie ist überbewertet
Base Case
- Aktueller Preis: 525 $
- Umsatzwachstum: 11 % (leicht optimistischer)
- Terminal P/E: 30 (immer noch unter dem historischen Niveau)
- Aktienrückkäufe: 2 % p. a.
- Marge: 45 % (stabil)
→ Fairer Wert für 12 % Rendite: 628 $
= 107 $ über dem aktuellen Kurs / Aktie unterbewertet
Bull Case
- Aktueller Preis: 525 $
- Umsatzwachstum: 14 % (optimistisch, aber nicht unrealistisch)
- Terminal P/E: 33 (aktuelles Bewertungsniveau bleibt)
- Aktienrückkäufe: 2 % p. a.
- Marge: 46 % (leichter Hebel durch Effizienz und Skalierung)
→ Fairer Wert für 12 % Rendite: 881 $
= 361 $ über dem aktuellen Kurs / klar Unterbewertet
Bei einer Rückkehr zu historischen Bewertungsmultiples könnte es sogar noch höher gehen.
Würde jemand das Modell anpassen? Falls jemand spezifische Fragen zur Industrie hat, immer her damit ;)
Danke für die ausführliche Aufklärung.