Markus W aus W
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Gepostet in Schnack

US-Schuldenberg am Limit: Welches Finanzszenario kommt auf uns zu? [Teil 1]

40 Billionen US-Dollar Schulden, langfristige Zinsen im Steigflug und absolut kein politischer Wille zur Haushaltskonsolidierung – die US-Staatsfinanzen bieten aktuell makroökonomische Unterhaltung auf Thriller-Niveau. Was passiert eigentlich, wenn Investoren bei neuen US-Staatsanleihen irgendwann den Dienst verweigern? Wenn die Renditen der wichtigsten Anleihen der Welt immer weiter steigen, sendet das Schockwellen durch das gesamte globale Finanzsystem.

​Hier sind die drei denkbaren Szenarien, wie dieses Finanzdrama ausgehen könnte:

  • ​Szenario 1: Globales „Crowding Out“

    • ​Die Dynamik: US-Staatsanleihen bieten verlockend hohe Zinsen und saugen wie ein Staubsauger das weltweite Kapital in den Dollar-Raum ab.
    • ​Die Konsequenz: Der US-Dollar wertet drastisch auf. Weltweit steigen die Finanzierungskosten, Kapital zieht aus Schwellenländern ab und die Weltwirtschaft gerät in eine globale Stagnation.
    • ​Szenario 2: Fiskalische Dominanz & Schuldenmonetarisierung

      • ​Die Dynamik: Wird die Zinslast für den US-Haushalt mathematisch untragbar, zwingt die Politik die Notenbanken dazu, die Zinsen künstlich zu deckeln.
      • ​Die Konsequenz: Die Schulden werden schleichend weginflationiert und der Dollar verliert spürbar an Wert. Anleger flüchten weltweit aus Fiat-Geld in Sachwerte wie Gold, Rohstoffe und Immobilien.
      • ​Szenario 3: Der „Minsky-Moment“

        • ​Die Dynamik: Ein abrupter Vertrauensverlust führt dazu, dass große Gläubiger Bestände abstoßen und Auktionen für US-Papiere ins Stocken geraten.
        • ​Die Konsequenz: Schockartig steigende Renditen lösen weltweite Margin Calls, einen Einbruch der Aktien- und Immobilienmärkte sowie eine globale Kreditklemme aus.
      • ​Keine Sorge, ich behaupte keineswegs, das globale US-Schuldenproblem im Alleingang durchschaut oder gar eine Patentlösung für das Depot erfunden zu haben. Aber ich habe versucht, aus diesen drei Szenarien eine konkrete Strategie für mein eigenes Portfolio abzuleiten – gewissermaßen mein persönlicher Entwurf für den makroökonomischen Ernstfall.

        ​In Teil 2 stelle ich euch diesen Strategie-Ansatz im Detail vor und gebe mein Depotmodell zur offenen Diskussion in der Community frei!

        ​Bevor wir in die Allokation einsteigen, interessiert mich eure Einschätzung zum Makro-Bild: Welches der drei Szenarien ist für euch der wahrscheinlichste Kandidat? Vielleicht keines davon? Setzt ihr auf die schleichende Inflationierung (Szenario 2), den abrupten Knall (Szenario 3) oder das Verdrängungsspiel (Szenario 1)?

        ​Schreibt eure Wahl in die Kommentare – und liefert unbedingt eure Begründung mit! Ich bin gespannt auf die Debatte.

      • Kleiner Disclaimer, der Inhalt kommt zu 100% von mir. Beim Texten hilft mir die KI, sie schreibt besser als ich 😉

19 Kommentare

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HoDler
Investor
Terminal
+1

Es ist nicht wichtig wie viel Schulden ein Staat hat sondern:

-Ist er in Auslandswährung oder einheimischer/eigener Währung verschuldet

-Von wem werden die Schulden maßgeblich gehalten Inland vs. Ausland

-Wie ist das Potential für Einnahmesteigerung / Steuererhöhungen

Vor allem sind die USA ja nicht alleine mit der Schuldenthematik, nahezu alle Industrieländer sitzen da mehr oder weniger im selben Boot.

Steuererhöhungen und Einsparungen sind unpopulär und bei Demokraten die gerne wiedergewählt werden wollen und nur von Legislatur zu Legislatur denken nicht im notwendingen Umfang zu erwarten. Ein Grund für das defacto abschaffen der Schuldenbremse bei uns in Deutschland und Schaffung des “Sondervermögens”.

Das wahrscheinlichste Szenario für die USA sind eine mehr oder weniger offen/verdeckte Yield Curve Control in Verbindung mit einer Inflationsrate die niedriger als der allgemein Zins liegt also negative Realzinsen.

Bei einem Black Swan Event sind natürlich auch andere Maßnahmen die bereits in der Vergangenheit praktiziert wurden möglich z.B. Goldverbot inkl. Einzug zu einem Festpreis unterhalb Marktwert, Zwangsanleihen, Zwangshypotheken. Die Digitalisierung inkl. kommender CBDC wird hier noch weitere Instrumente der finanziellen Repression hinzufügen.

Wer kann ist gut beraten diversifiziert in Aktien, Edelmetalle und Krypto zu streuen. Immobilien würde ich unter den Vorzeichen eher nicht empfehlen und Anleihen(Schulden) sind kein Asset.

Ein positiver Schluss: Die Welt ist bisher nie untergeganen auch nach den schlimmsten Kriegen und Wirtschaftskrisen, Staatspleiten ging es immer weiter.

4
El Sino
Investor
Terminal
+1

Hey @ascending ,

in unserem Finanzsystem entsteht Geld über Kredite. Wenn du etwas sparen möchtest, muss dir entweder jemand etwas abgeben (der hat anschließend weniger) oder es muss sich jemand verschulden (dadurch entsteht zusätzliches Geld). Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. In der Regel ist es der Staat der sich verschuldet, das Geld investiert und über Steuern wieder zurückholt. Das Geld, das er nicht über Steuern zurückholt, ist das Geld, das auf unseren Konten ist.

  • Investiert der Staat mehr als er über Steuern einnimmt (also zusätzliche Schulden), drückt er Geld in die Privatwirtschaft. Irgendjemand hat dann mehr Geld auf seinem Konto.
  • Investiert der Staat weniger als er über Steuern einnimmt (zahlt also Schulden zurück), entzieht er Geld der Privatwirtschaft. Irgendjemand hat anschliessend weniger auf dem Konto.

Das ist auch der Grund weshalb der Gedanke, der Staat müsse lediglich besser mit unseren Steuergeldern umgehen, dann bräuchte er keine neuen Schulden, falsch ist. Wenn der Staat sich nicht verschuldet, entsteht auch kein neues Geld.

Bei Staaten mit Exportüberschüssen (z.B. Deutschland) ist das offensichtlich kein Problem, denn dort landet das Geld auf den Konten der eigenen Bevölkerung. Der Staat kann es sich also jederzeit über Steuern zurückholen.

Bei Staaten mit Importüberschüssen ist das anders, denn dort fließt das Geld ins Ausland ab. Der Staat kann das Geld daher nicht über Steuern zurückholen. Das das trotzdem kein Problem ist, sieht man beispielsweise an Japan. Dort kauft einfach die Notenbank die Staatsanleihen und sorgt so dafür, das der Staat liquide bleibt. Ähnliches hatte die EZB mit italienischen und griechichen Staatsanleihen gemacht und ebenso könnte die FED in den USA verfahren. Daher kann ein Staat in der eigenen Währung auch nicht Pleite gehen. Es besteht lediglich die Gefahr das die eigene Währung immer mehr abwertet und im schlimmsten Fall im Ausland nicht mehr akzeptiert wird. So lange das Ausland aber auf Produkte aus den USA angewiesen ist, und umgekehrt, muss der USD akzeptiert werden.

Viele Grüße

6
El Sino
Investor
Terminal
+1

@ascending : “[…] Frankreich ist auch nur 7 %Punkte entfernt. Mal sehen woher das Geld für die Erneuerung der Atomreaktoren kommt.“

Wenn Frankreich zusätzliches Geld braucht, versteigert es, ähnlich wie Deutschland, eine Anleihe. Die ersteigernde Bank leiht sich das Kapital zunächst bei der Zentralbank (erhöht also die Geldmenge) und verkauft die Anleihe anschließend ganz oder teilweise am Sekundärmarkt (Börse). Sollten die Zinskosten zu sehr steigen (siehe Italien oder Griechenland), kann die Zentralbank am Sekundärmarkt selbst Anteile der Anleihe kaufen und so die Zinskosten niedrig halten.

Den Teil der Zinskosten den die ersteigernde Bank selbst an die Zentralbank zahlen muss (Refinanzierungszins zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen), bekommt der Staat mehr oder weniger zurück. Im Gegensatz zu Banken in der Privatwirtschaft ist die EZB nämlich kein kapitalistisches Unternehmen das Gewinne macht. Alle Zinseinnahmen/-ausgaben landen in einem Topf und werden unter den Mitgliedsländern der Währungsunion aufgeteilt. Die effektiven Zinskosten sind daher wesentlich geringer als die im Haushalt aufgelisteten Zahlungen.

Im übrigen ist Deutschland nicht ganz unschuldig an der hohen Schuldenquote anderer Länder. Da Deutschland einen Exportüberschuss hat, müssen andere Länder entsprechend ein Defizit haben. Da deren Geld immer weiter nach Deutschland aber nicht mehr zurück fließt, müssen sich diese Länder immer weiter verschulden.

Viele Grüße

3
TTTom
Plus

@hodler Mal im Ernst. Die USA machen im Moment täglich 5 Mrd $ neue Schulden, die täglichen Zinszahlungen müssten auch schon so 4 Mrd $ sein. Viele (nicht nur hier, auch institutionelle) Anleger machen sich Sorgen und Ängstliche (China z.B.) reduzieren.

Mit der blödsinnigen Umschichtungsaktion der 30 jährigen Anleihen in Kurzläufer hat Scott Bessent gezeigt, dass die Nerven im Finanzministerium blank liegen. Und wenn die FED jetzt die Zinsen erhöht, wird der Schuldienst noch stärker zur Belastung.

Meine Einschätzung: Unter “normalen” Umständen geht das noch ein paar Jahre so weiter, aber bei 180-200% des BIP ist dann Schluß.

Zur Zeit ist die Gier der Anleger größer als die Angst, aber die Trump-Administration hat ja noch 2 Jahre Zeit das Ding “great” in die Grütze zu fahren.

Noch 1 oder 2 Aktionen wie der Irankrieg und wir sprechen nicht mehr von Jahren, sondern von Monaten, insbesondere, wenn KI nicht -wie erwartet- der Knüller wird und für massives Wachstum sorgt.

3
ASCending
Investor
Beta
2
Jens
Plus

@ascending - mir wird flau, wenn ich das sehe…

Die Krankenakte des Kapitalismus

2
Marius
Plus

Szenario 3 ist schon im Gange. Die größten Gläubiger der USA (Japan, China, Europa) sind schon seit Monaten oder Jahren dabei US-Staatsanleihen abzustoßen, und Auktionen für kurzlaufende Anleihen waren schon wiederholt unterzeichnet (da das Anbot massiv ausgeweitet wurde um Geld für den Fed-Zinssatz aufzunehmen). Deswegen steigen ja die Zinsen für langlaufende Anleihen auf Werte die eigentlich nicht mehr tragbar sind.

Die “Lösung” die das Regime anstrebt ist der GENIUS Act: Stablecoins als Zahlungsmittel etablieren die dann über Staatsanleihen abgesichert werden müssen. Sprich man will die Bevölkerung (nicht nur die amerikanische) als indirekte Gläubiger zwangsverpflichten, und im Anschluss will man die Schulden dann weginflationieren (natürlich ohne es zuzugeben). Aber offenbar haben sie es bislang noch nicht auf die Reihe bekommen das tatsächlich umzusetzen, die nächste Deadline ist im Januar 2027. Derzeit trickst man sich noch von Auktion zu Auktion, aber spätestens beim nächsten Haushalt dürfte die Panik einsetzen.

Noch wird das Thema durch die auf dem Papier gut laufende US-Wirtschaft und gefakte Statistiken in der öffentlichen Debatte relativ klein gehalten (auch die Demokraten haben ja keine wirkliche Lösung und halten sich entsprechend zurück). Das Problem v.a. bei den Amis ist aber dass nicht nur der Staat völlig überschuldet ist, auch Unternehmen und Verbraucher schieben riesige Schuldenberge vor sich her.

3
TTTom
Plus

@genone Auch interessant:

Gold: Niederländische Zentralbank bringt 86 Tonnen Gold zur Bank of England

Etwa die Hälfte dessen, was sie bisher in den USA hatten.

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Marius
Plus

@tttom_unterwegs Interessante Frage da wäre ob sie wirklich ihre original eingelagerten Barren verlagert haben. Denn bei der Verlagerung der deutschen Barren vor ein paar Jahren wurden wohl neue Barren ausgeliefert was Spekulationen befeuert hat ob denn die ganzen in New York gelagerten Barren überhaupt noch alle vorhanden oder schon dem US-Defizit zum Opfer gefallen sind.

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ASCending
Investor
Beta

Szenario 1 geht nahtlos in Szenario 2 über, während Szenario 3 das Schreckgespenst bleibt, mit dem die Notenbank die Monetarisierung aus Szenario 2 rechtfertigt.

2
ASCending
Investor
Beta

@markus_ec52e1 @markus_6954a0
wo ist denn jetzt Teil 2?

(und wieso kann man nicht das korrekte Profile auswählen?)

2
Markus W aus W
Autor
Plus

@ascending , vielen Dank für deine Beiträge und natürlich auch an alle anderen. Freut mich, dass du nach Teil 2 fragst. Der kommt, versprochen.

Das Gerüst für Teil 2 ist fertig, ich feile an den Details. Bitte gib mir bis zum Wochenende etwas Zeit.

Dein Hinweis mit dem Profil ist mir nicht klar. Ich poste das erste Mal, sorry wenn ich was falsch gemacht habe. VG Markus

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Markus W aus W
Autor
Plus

@ascending mein Profil sollte jetzt eindeutig sein.

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ASCending
Investor
Beta

@markusw 👀👍😎

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Markus W aus W
Autor
Plus
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