Gepostet in Portfolio Roasts
Einfaches Portfolio seit 2017 mit Hebel und Crypto Exposure
Hi zusammen,
mein Depot wurde vorhin schon im Livestream aufgegriffen(verlinktes Video startet bereits bei 1:39:50). Ich würde das aber hier gerne noch einmal teilen mit einigen weiteren Details (Link zum Depot: https://app.parqet.com/p/6a8feba6a23bd5b2c8ed367e)
Ich weiß noch nicht einmal, ob der Titel passend ist. Von der Positionsanzahl sehr simple, aber von der Aufstellung durchaus sehr risikobehaftet und viele würden das nicht als “einfach” titulieren.
Würde gerne ein wenig Input bekommen wie ihr das so grob empfindet und wie sich die Zielaufstellung anhört.
Werdegang / Sparrate:
M32, lebe mit meiner Frau (W31) zentral in Frankfurt. Ihr Portfolio mit derzeit knapp 100k habe ich komplett exkludiert, geht hier nur um meine Aufstellung. Mein Berufseinstieg war erst Mitte 2019, Krypto hatte ich bereits während des Studiums gekauft. Ein früheres comdirect-Depot fehlt leider komplett, weshalb insbesondere die Kapitalflüsse vor 2020 nicht korrekt abgebildet sind.
Das sechsstellige Gehalt habe ich erst seit 2025 (ab Juli 25 40 Wochenstunden) durch den Wechsel zum DAX-Konzern (nicht in Frankfurt übrigens, da wohnen wir nur). Zuvor waren es ca. 80k beim alten AG bis Ende 2024. Die genannten ~3,6k Sparrate entsprechen ungefähr dem Durchschnitt der letzten 12 Monate (basierend auf Portfolio Performance lokal). Parqet verstehe ich da teils nicht ganz bzgl. der Kapitalflüsse. Ich meine da zählen auch die realisierten und reinvestierten Gewinne rein? Sieht für 2020 beispielsweise extrem skurril aus, da ich in dem Jahr gewiss keine 70k investiert habe. Das kann aber am Kredit oÄ liegen, ist jedenfalls nicht stimmig abgebildet. 2018 und 2019 gab es bereits Investitionen in ein altes comdirect Depot, zwar mit sehr kleinen Beträgen, aber leider nicht abgebildet, da das Depot gekündigt wurde und kurze Zeit später das jetzige erstellt wurde. Ansonsten kann ich mir das schwer erklären im Vergleich zu meinen Excels und Portfolio Performance, track das seit Ende 2019 alles soweit, dass zumindest die Sparrate relativ akkurat ausfallen sollte.
Aber daher einfach 2018 und 2019 sowie die Kapitalflüsse in 2020 seeeehr mit Vorsicht genießen, kriege ich leider in parqet nicht rekonstruiert.
Allokation:
Ironischerweise soll das “aufgeräumte” Depot noch einfacher werden. Die physischen Krypto Positionen sollen komplett verschwinden, der 21Shares ETP komplett in Aktien und wahrscheinlich auch der Asia-Pacific-ETF in All World oder Europe umgeschichtet werden.
Langfristig möchte ich im Wesentlichen einfach die Marktrendite mitnehmen: All World als Kern, Europe zusätzlich wegen des eigenen Währungsraums (nur leicht höheres Gewicht). EM bleibt wahrscheinlich als Altbestand bestehen (wäre mir zu steuerschädlich) und wird durch neue Kapitalflüsse automatisch immer kleiner.
Kypto soll auf 5-10% perspektivisch runter und wird dann nach aktuellen Plan via ETP abgebildet (macht alles wesentlich komfortabler).
Cash habe ich faktisch nicht, nur ausreichend Liquidität für meine monatlichen Ausgaben. Sonderausgaben werden via Cashflow problemlos bezahlt. Und wenn ich mit Hebel im Markt bin, geht die Position ohnehin merklich ins Negative.
Grundlegende Philosophie: Investitionsquote möglichst maximieren, um maximal Vermögen aufbauen zu können. Sollten sich angespannte Marktphasen ergeben, wird ebenso mit Hebel die Investitionsquote “erhöht”, sodass man dann jenseits der 100% ist. Ich versuche zudem möglichst wenig zu handeln, wirkt für mich sonst schnell etwas wirr und größere überlegte Trades wirken einfach schön clean (von den monatlichen Investitionen abgesehen).
Mittel- und langfristige Zielaufstellung
Aktien (90-95%)
- All-World (~80%)
- World Value Large Cap (~10%, simpler value tild, hatte früher noch Small Cap value, aber dann auch versimpelt)
- Europe ex UK (~5%, nur eine leichte Übergewichtung > Position wird ggf. nochmal hinterfragt)
- Emerging Markets (perspektivisch <5%, wird mit der Zeit immer mehr an Gewicht verlieren, da alle Kapitalflüsse primär in den AW gehen werden)
Krypto (5-10%)
- 100% BTC via Wisdom Tree ETP
Krypto
Langfristiges Ziel sind die genannten 5–10 %. Ich bin bei BTC nach wie vor optimistisch, rechne aber mit weiterhin sinkenden Renditen. Aktien sind für mich langfristig die deutlich solidere Basis bzw. mein Safe Heaven. Die Kryptoposition sehe ich ausdrücklich als Spekulation und möchte sie bei entsprechend hohen Kursen reduzieren. Ich gehe von neuen ATHs in den kommenden 2 Jahren aus und mir ist bewusst, dass sich da die Meinungen stark unterscheiden. Aber sonst wäre es ja nicht spannend.
Fremdkapital
Fremdkapital bzw. Hebel ist zentraler Bestandteil meines Portfolios. Das wird jedoch nur phasenweise genutzt, wenn es an den Märkten turbulenter wird. Hier werde ich perspektivisch aber verstärkt auch auf LevETFs nutzen. Das wird daher am Ende praktisch eine Kombination aus Wertpapierkredit + LevETFs sein müssen (bin ja immer 100% investiert).
Ich versuche an das Thema immer möglichst konservativ ranzugehen. Anders als beim tagesbasierten Hebel von einem LevETF (dahingehend ein Vorteil, bzgl Pfadabhängigkeit ein potentieller Nachteil) verändert sich bei einem fixen Kredit der Hebel mit dem Depotwert: 10k EK + 10k FK = 20k Depot und Hebel 2. Nach −20 % stehen noch 16k Depotwert gegen 10k Schulden und ein entsprechender Hebel von ~2,7. Bei LevETFs muss man den sich verändernden Leverage hingegen gar nicht beachten (2er LevETF tagesbasiert immer bei 2), daher würde ich das beim nächsten Mal zusätzlich nutzen. Bei 2er LevETFs ist die Pfadabhängigkeit auch kein derart großes Problem wie bei höheren Hebeln.
Beim Wertpapierkredit dimensioniere ich so, dass auch −50 % mit deutlichem Puffer zum Beleihungswert überstanden werden können. Dazu kommen die Zinsen. Zu Corona sehr attraktiv, heute für dauerhaftes Leveraging IMO viel zu teuer (da müsste man dann IKBR als Broker nutzen, dort kann man am günstigsten Hebeln). Deshalb nutze ich FK nur punktuell in starken Marktverwerfungen. Wichtig ist trotzdem ein vorher Plan wie man in verschiedenen Szenarien handelt, sodass man ohne notwendiger emotionalisierter Entscheidungsfindung in der Situation das einfach im Autopilot durchziehen kann.
Nachfolgend noch paar Infos zu den genannten Sonderthemen.
GameStop:
Darauf hat mich damals ein Freund aufmerksam gemacht, der viel auf wallstreetbets unterwegs war und meinte, dass GameStop “to the moon geht, da Short Interest so hoch”. Bei ungefähr $20 habe ich mir das Short Interest von >100 % über einige Tage angesehen und konnte das am ersten Tag gar nicht glauben, da es extremst skurril wirkte. Das wirkt selbst heute noch rückblickend wie ein No Brainer auf mich, daher bin ich damals auch mit gut Fremdkapital rein gegangen (meine das waren 10-20k Fremdkapital via Krediten). Das war ein sehr wilder Ritt und für mich nach wie vor völlig suspekt wie bei einem derart liquiden Aktienmarkt so eine Situation aufkommen konnte und andere Hedgefonds nicht früher die Situation entsprechend genutzt haben.
Der 23-Stunden-Trade war glaube ich rund um den Short Squeeze bzgl. Citron Research (Squeeze da Lemon für alle, die damals auch dabei waren) oder gegen Ende wo ich mit mehr Kapital drin war, kann das nicht perfekt verorten. Teilweise ging es innerhalb kürzester Zeit von >$60 auf ~$30 und anschließend Richtung $80. Und gegen Ende dann eben von unter $200 auf über $300. Das fühlte sich mehr nach Krypto-Memecoin als Aktie an. Die Zeit war damals mega witzig und die ganzen Memes waren legendär. Trauer der Zeit rein vom Unterhaltungsfaktor noch immer hinterher.
Nahe dem Top, als das Thema komplett im Mainstream angekommen war und viele auf Robinhood reingeströmt sind, habe ich die Reißleine gezogen (wenns am besten ist, ist auch der beste Zeitpunkt aufzuhören). War für mich ein ziemlich lustiger und profitabler Abschluss des Themas Einzelaktien. Nach Wirecard hatte ich eigentlich bereits mit Einzelaktien samt den Verlusten abgeschlossen, aber dann kam GameStop unerwartet daher. Einzelaktien sind mir zu zeitintensiv und der Erwartungswert überzeugt mich nicht, daher inzwischen KISS: möglichst simpel halten und die gewonnene Zeit anderweitig nutzen.
Gab es eigentlich schon einmal jemanden, der nach einigen Jahren erneut sein Depot für einen Roast eingereicht hat? Falls nicht, könnte ich mir gut vorstellen, in ~5 Jahren nochmal vorbeizuschauen. Fände es auch bei anderen spannend zu sehen, wie sich Strategie und Depot über mehrere Jahre verändern. Also nur als möglicher Input…könnte auch ein cooles Format sein (damaliges Video vs heutiger Stand).
80 %+ Drawdown:
Klingt dramatischer, als es sich damals angefühlt hat, weil Ende 2017 enorme Buchgewinne vorhanden waren. Ende 2018/Anfang 2019 lag ich trotzdem zeitweise bei etwa −40 % Buchverlust (Ende 2018 / Anfang 2019). Als Student trotzdem nicht sonderlich angenehm gewesen, da ich damals 80-90% in Krypto drin war und mit meinen damaligen Werkstudentenjob auch nicht in Geld ertrunken bin. War aber im Zuge der vorherigen Buchgewinne erheblich leichter zu ertragen als wenn man direkt kurz nach dem Kauf solch ein Blutbad miterlebt.
2017-2019 waren dahingehend extrem prägend hinsichtlich meiner Aufstellung, meinem Ansatz und meinem Verhalten, insbesondere in sehr turbulenten Phasen wo der Pessimismus im Vordergrund steht.
Nur drei Gedanken dazu.
Der Krypto-Anteil wäre mir ganz erheblich zu hoch. Ich bin auch etwas in Bitcoin investiert, weil ich hier schon Potenzial sehe. Die Summe ist aber in keiner Weise vergleichbar 😅
Von Investieren mit Fremdkapital halte ich mich ebenso fern wie von allen Hebeln. Beides kann richtig unschöne Folgen haben. Klar - kann auch funktionieren und dann ist das eine gute Beschleunigung.
Und zuletzt ist mir immer noch der ETF auf Europa ohne GB ein Rätsel. Ich kann wirklich nicht erkennen, warum GB ausgeschlossen werden sollte.
Deine Risiko-Toleranz weicht massiv von meiner ab. Das ist aber absolut ok. Jeder muss sich mit seinem Portfolio gut fühlen. Und ich bin überzeugt, dass unterschiedliche Wege zum Ziel führen können. 😊
@joerg_745831 Europe ex UK ist nur für eine leichte Übergewichtung des eigenen Währungsraums. UK hat in Europa ein ordentliches Gewicht und würde den Zweck dann entsprechend untergraben. Den Part kann man in langfristiger Hinsicht durchaus für redundant halten bzgl. Vermögensaufbau.
In der Entnahmephase dann teils etwas hilfreich (sofern auch da noch ~100% Aktien), wobei ich die Position selbst dafür heute nicht mehr für 100% sinnvoll erachte. Ich denke über die Position in den letzten Monaten häufiger nach. Vielleicht wird auch bei der nächsten Marktturbulenz die Gelegenheit für eine kleine steuergünstige Aufräumaktion genutzt, in der ich dann auch die Position ggf. angehen werde. Muss mir da noch Gedanken zu machen.
Und klar, Krypto wird für viele ein zu hohen Anteil einnehmen, ist für mich auch verständlich. Für mich ist der Anteil rein historisch eher “moderat”, aber da bin ich einfach gebiased und das ist mir bewusst.
@joerg_745831 Wenn das Ziel ist, möglichst schnell möglichst viel Geld zu verbrennen, dann passt das schon.
Man könnte auch ins Casino gehen und alles auf rot setzen. (da geht es schneller) oder 6500 Jahreslose der Aktion Mensch kaufen, da tut man noch Gutes.😃
@tttom_unterwegs Man hebelt immer mit FK, ist gar nicht anders möglich, auch bei LevETFs ist FK im Spiel. Ansonsten ist deine Sicht da zu pauschal. Mit Hebel kann man sich vieles runieren, aber gibt auch Paper, die sogar einen langfristigen Hebel als Option aufgreifen, um die Rendite effizient zu steigern.
Bei dem Thema muss man einfach aufpassen, dass man nicht übertreibt und auch Worst Case Szenarien bedenkt, sprich hohe Vola oder / und hoher Drawdown.
@marlon_046c56 Hebel mit Fremdkapital
@tttom_unterwegs Bezieht sich das auf Bitcoin oder dem Thema Hebel? In beiden Fällen kann ich es schwer nachvollziehen.