Peter Andres
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Gepostet in Portfolio Roasts

Update Öl-Portfolio

Moin zusammen,

nachdem ich Anfang Februar meine Rotation von Gold in Öl vorgestellt habe (Gold raus, Öl rein - Mein Öl-Portfolio), wollte ich euch mal ein Update zum Sektor geben. Da ich mich beruflich täglich damit auseinandersetze und bei uns in der Bank die internen Updates dazu gebe, brennt mir das Thema aktuell unter den Nägeln.

Obwohl wir mitten in einer historischen Ölkrise stecken (die IEA nennt es den größten Energieschock der Menschheitsgeschichte) sind US- und kanadische Energieaktien im Vergleich zum Gesamtmarkt aktuell extrem günstig. Verrückterweise stehen wir fast auf dem gleichen Kursniveau der Aktien wie vor dem 28. Februar. Damals lag der Barrel-Preis bei 60 $, heute sind wir bei 100 $.

Kurz zur Mechanik: Öl-Firmen holen das Zeug (sehr einfach ausgedrückt) für Preis X aus dem Boden und verkaufen es (meist an Raffinerien) für Preis Y. Jeder Dollar mehr landet fast eins zu eins im Free Cash Flow (FCF) und damit bei uns Aktionären.

Warum der Sektor meiner Meinung nach gerade jetzt ein No-Brainer ist:

1. Die krasse Schere zwischen Gewinn und Kurs

Die Gewinnerwartungen für den Energiesektor im S&P 500 liegen für 2026 rund 58 % höher als vor dem Konflikt. Die Aktien haben sich aber kaum bewegt. Bei Ölpreisen um die 100 $ handeln die Titel bei einem KGV von unter 14. Das ist ein Abschlag von 36 % zum Gesamtmarkt, deutlich mehr als der historische Schnitt von 29 %. Die Börse preist hier also eine Entspannung ein, die fundamental noch gar nicht da ist.

2. Fokus auf "Value" statt blindes Bohren

Früher haben gerade die US-Schieferöl-Produzenten bei hohen Preisen oft den Fehler gemacht, einfach alles in neue Bohrungen zu pumpen und Kapital zu verbrennen. Das hat sich komplett gedreht:

  • Die Firmen halten an ihren Budgets fest; es kommt also keine plötzliche Angebotsschwemme. Was den Preis natürlich hoch hält.
  • Viele Felder (Permian Basin) sind mittlerweile „reif“. Man denkt jetzt langfristig und schont die Inventare, was uns Aktionären durch Dividenden und Rückkäufe zugutekommt. Großer unterschied zu früher
  • Außerdem haben vor allem Kanadische-Ölaktien, Inventare die Jahrzehnte reichen, ohne neue große Kosten zu verursachen. Niedrige Capex bedeutet für uns Aktionäre mehr FCF. Außerdem sind diese Unternehmen nicht mehr so stark verschuldet wie früher.

3. Warum der Ölpreis so schnell nicht fällt

Es kann Jahre dauern, bis wir die 60 $ wieder von unten sehen. Jeder Tag, an dem die Straße von Hormus dicht ist, bräuchte theoretisch 4-5 Tage Volllast-Produktion, um das Defizit auszugleichen (was technisch unmöglich ist, da viel Infrastruktur zerstört wurde).

Dazu kommt ein ganzer Rattenschwanz an Problemen:

  • Ruiniert Felder: Man kann eine Ölquelle nicht wie einen Wasserhahn abdrehen. Viele Quellen im Mittleren Osten laufen gerade mit Wasser voll (vor allem im Irak und Iran), weil die Lager voll sind… die sind technisch oft für immer verloren.
  • Logistik-Albtraum: Seeminen müssen geräumt werden, Versicherungen müssen die Durchfahrten erst mal wieder decken, und Raffinerien, die auf andere Ölsorten umgestellt haben, können nicht einfach über Nacht zurückwechseln.
  • Politisches Risiko: Eventuelle Zölle der Iraner dürften westliche Schiffe aus Gründen der Terrorfinanzierung gar nicht erst zahlen.
  • Amerikaner: Wäre ich der US-Präsident, würde ich meine beiden Flugzeugträger vor der Straße stehen lassen. Warum? US-Öl ist meistens erst ab 50-60$ profitabel. Warum möchte ich einen niedrigeren Ölpreis, wenn ich meine eigene Produktion stärke und im Mai 2026 dadurch zum ersten mal seit Jahrzehnten einen positiven Handelsüberschuss erzielen kann. Wäre ich blöd die Straße wieder auf zu machen. Selbst wenn das zu höheren Preisen daheim führt. Ich schade der ganzen Welt sehr, mir nur ein bisschen.

Fazit:

In einem insgesamt recht teuren Markt bietet Energie gerade echtes Value-Potenzial mit eingebautem Hedge-Faktor. Schaut euch mal die Earnings-Präsentationen der Großen an: Viele bieten bei diesen Preisen FCF-Yields von über 10 %.

Ich bin Anfang April kurz raus, aber seit einigen Wochen wieder drin (<10% meines Porfolios). Dieser Konflikt wird uns noch lange begleiten. Im Endeffekt reicht eine Panzerfaust auf einem Fischerboot, und das Ganze geht von vorne los.

Wie sieht euer Energie-Exposure aktuell aus?

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6 Kommentare

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Pascal_
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Ich habe seit Dezember 2025 den ETF “iShares MSCI World Energy Sector UCITS ETF - USD DIS” (IE00BJ5JP105) in mein Portfolio aufgenommen.
Ich gehe ebenfalls davon aus, dass in Zukunft der Energie/Öl Markt eine große bzw. eine größere Rolle spielen wird.

Konnte mich aber nicht für einzelne Titel entscheiden, deshalb hab ich den Sektor mit dem ETF abgedeckt.

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TTTom
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Hab je 2,5% BP und Shell, 1,5% Chevon. Kursplus BP +20%, Shell +10%, Chevron +2% seit Februar. FCF bei den Europäern heut deutlich besser, in der Tat haben die Amerikaner Nachholbedarf. Die werden aber auch heftig investieren müssen.

Die Europäer, insbesondere Shell, profitieren durch Handelsergebnis ebenso von den Iran-Problemen, aber ohne zu investieren.😀

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Peter Andres
Autor
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@tttom_unterwegs Da hast du recht. FCF-Yield ist bei den Europäer höher, vor allem bei den Norwegern. Krass sind die beiden Brasilianer, Petrobras & Brava Energia.

Bei den Nordamerikanern finde ich halt die Lagerbestände krass. Canadian Natural Ressources hat glaube ich Öl für die nächsten 40 Jahre oder Tourmaline 30 Jahre. Da können BP & Shell nicht annähernd mithalten. Diese müssen teure Akquisitionen und viele Investitionen machen. Wie neulich Shell, die eines meiner ehemaligen Investments Arc Ressources für um die 20 Mrd. gekauft haben (war ein ordentlicher Premium meiner Meinung - was zeigt wie gut die Kanadier sind). Diese Bestände haben die Europäern nicht (bis auf Norwegen).

Die Kanadier werden ohne große weitere Kosten die nächsten 30-40 Jahre Geld drucken. Notfalls halte ich die Aktien bis ich sterbe und sacke schöne Dividenden ein 😄

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TTTom
Plus

Auch wenn ich kein Energieexperte bin kann ich Deinen Überlegungen folgen.

Kenne mich aber bei den Einzelunternehmen nur bei meinen Beständen ein wenig aus. Deswegen noch der Hinweis, dass Shell schon bei 40-50$ Ölpreis Geld verdient.

Canadian Natural Ressources hatte ich bis vor kurzem auch im Bestand, hab aber umgeschichtet in BP und Shell, da Quellensteuer und Währungskurse mir zuviel Rendite gefressen haben. 30, 40 Jahre sind nicht mein Zeithorizont, dafür bin ich zu alt. Stabile Cash Flows (an mich) sind mir persönlich jetzt wichtiger.😀

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stilgar
Plus
Beta

Ich bin gerade noch am verschieben meiner USD Positionen daher sind die nicht linkfähig.

https://app.parqet.com/p/68c50cf4ae297dfba57a7d1c

Habe den Ishare S+P 500 Energy dann als USD Positionen - Haliburton und PBF Energy (Venezuela Öl)

Hab aber auch LNG und den Global Clean Energy um in vielen Bereichen dabei zu sein.

Kann sein das ich welche vergessen habe zu erwähnen.

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Vielen Dank für das Teilen deines Wissens auf verständliche Art und Weise - sehr gut!

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