Gepostet in Portfolio Roasts
Chris, 64 Jahre und 'absolute beginner'
Hallo zusammen,
ich bin Chris und habe erst Ende 2024 / Anfang 2025 mit dem Investieren angefangen.
Mein Anlagehorizont ist “open end”. So kurz vor der Rente ist mein Portfolio daher keines um meine Rente aufzuhübschen, sondern eher ein sanftes Ruhekissen, falls mal unerwartete größere Anschaffungen anstehen. Mittelfristig sollen etwa 100TSD+ als Grundstock zusammenkommen mit einem kleinen, aber feinen Dividenden Anteil der es mir erlaubt den jährlichen, unfassbar riesigen Sparerpauschbetrag auszuschöpfen.
Wie im Titel zu lesen bin ich ein Neuling mit 0,01% Erfahrung. Ich habe die ersten Monaten etliche (auch nicht funktionierende) Ideen ausprobiert, viele Ein- und Verkäufe getätigt und mir so zunächst mal ein Gespür für dieses Neuland erschlossen.
Meine Strategie würde ich als Core-Satellite bezeichnen.
Ich habe derzeit (noch) keinen Sparplan, sondern schaufele Geld, das ich nicht verkonsumiere in mein Portfolio. Zukünftig angedacht sind jedoch regelmäßige Einzahlungen von etwa 1.000 - 1.200 Euro im Monat.
Aktuell besteht mein Core aus einem MSCI World und drei EU ETFs.
Diese Drei ETFs fungieren zusammen als etwa hälftiges Gegengewicht zum MSCI World. Der Rest sind die Satelliten. Heute ganz neu sind nun auch Aktien dabei, der Startschuß für den Dividenden Anteil.
Ich bin gespannt was Ihr dazu sagen könnt und freue mich schon auf das Roasten!
Liebe Grüße
🖐😄
Hi Chris,
finde ich gut, dass du “trotz” deines Alters anfängst. Immerhin können wir davon ausgehen, dass du noch das eine odere andere Jahrzehnt hast, das Investieren ab dem Ruhestandsbeginn ergibt sicherlich trotzdem Sinn. Allerdings gibt es Menschen, die vertreten, dass man im zunehmenden Alter durchaus anders investieren dürfe, als ein sehr junger Mensch. Falls du da etwas schmökern möchest, sei beispielhaft verwiesen auf “Souverän investieren vor und im Ruhestand” von Gerd Kommer sowie die Darstellungen zum Vermögenserhalt und zum Entsparen in “Die genial einfache Vermögensstrategie” von Weber et al. Ansonsten kann ich mir vorstellen, dass Carola Ferstls neues Buch auch in die Richtung gehen wird, aber das erscheint erst im November.
Jedenfalls würde ich dir, wenn du sagst du stehst bei 0,01 % Erfahrung, zum Wissensaufbau raten. Vielleicht kannst du dann ja den einen oder anderen teuren Fehler vermeiden.
Aber zum Portfolio: wenn dir ein starkes europäisches Gegengewicht wichtig ist, mach es. Ob man dafür allerdings wirklich drei ETF braucht, weiß ich jetzt nicht. Der “Europe Core”-ETF hat 400 Positionen, dazu kommen dann noch 390 Small Caps mit einer wirklich sehr kleinen Fondsgröße, entsprechend teuer ist der Bums. Darüber hinaus dürfte es zwischen dem Core Europe und dem Europe Equity starke Überschneidungen geben. Ein echtes Plus an Diversifikation entsteht also gar nicht. Da könntest du überlegen, statt in drei ETF nur in einen Stoxx Europe 600-ETF zu gehen. Die gibts wie Sand am Meer, mitunter sehr günstig und wahlweise ausschüttend oder thesaurierend. Dadurch könntest du die Portfoliostruktur vereinfachen.
Oder, verwegener Gedanke: Wiederum unter der Prämisse, dass du dauerhaft ein starkes europäisches Gegengewicht zu den USA möchtest, kannst du auch einen MSCI World Equal Weight als einziges Core-Produkt verwenden. Z.B. hat Invesco da etwas mit der ISIN IE000OEF25S1 herausgebracht, alternativ (falls du ESG möchtest) kenne ich noch was von VanEck NL0010408704. Letzterer hat aber nur 250 Positionen, der erstgenannte ca. 1.400. Zu Equal-Weight-ETF findest du diversen informativen Content beispielsweise auf Youtube. Ich selbst bin noch nicht so sicher, was ich von dem Ansatz halte.
Zu guter Letzt zu den Dividendenaktien: mach mal 😄Mir machen Einzelaktien ebenfalls Spaß und ich freue mich über Dividenden. Da kann ich dir nur den Rat mit auf den Weg geben, neben der Unternehmensqualität und dem Geschäftsmodell insbesondere auch das Herkunftsland und die damit einhergehende Quellensteuer im Blick zu behalten. Falls du dazu etwas lesen möchtest: ich fand hier “Cool bleiben und Dividenden kassieren” von Christian W. Röhl sehr interessant. Der zweite Teil ist seit Jahren angekündigt, ich glaube aber nicht an eine Veröffentlichtung noch in diesem Jahr.
Viel Erfolg!
@chris_9014bb Selbstredend liegt mir grundsätzlich nichts ferner, als deiner Frau zu widersprechen. Gleichzeitig ist es meines Erachtens so, dass gerade die unterschiedliche Ausgestaltungstiefe zu den faszinierenden Aspekten der Geldanlage gehört. Wer eigentlich gar keine Lust auf das Thema hat, kann sich innerhalb von ein oder zwei Tagen trotzdem genug Grundlagenwissen draufschaffen, um seine Finanzen zu sortieren, Tagesgeld und Depot zu eröffnen, Sparpläne anzulegen und sich in der Folge nie wieder kümmern zu müssen. Wer allerdings Lust auf das Thema hat, kann nach und nach unglaublich tief einsteigen, immer mehr Wissen aufbauen und sich fast schon eine neue Welt erschließen. Da werdet ihr euch schon auf eine gemeinsame Komfortzone einschwingen.
Um was die Community hier angeht, kann ich dir nur Recht geben. Wenngleich hier in den letzten Monaten/Jahren leider ein paar Schwergewichte von Bord gegangen sind, gibt es hier sehr viele Menschen mit tiefem Wissen. Ich habe hier schon viel lernen können und bislang auf jede Frage Antworten erhalten. Ich vermute, viele Mitglieder sind froh, sich hier austauschen zu können - gerade die, die im privaten Umfeld mit dem Investieren eher alleine sind oder im Privaten ungern ihre Vermögensverhältnisse teilen möchten.
Schön, dass du dabei bist!
@das_lama Hey, vielen lieben Dank für deine ausführlichen Tipps - Whow, da habe ich jede Menge worüber ich nachdenken kann…
Das Gerd Kommer Buch habe ich sogar (ok, mit dem Lesen bin ich über die ersten 15 Seiten noch nicht weiter raus…) Aber ich verfolge seine Beiträge schon länger auf YT, wie auch die von Prof. Waltz und noch so’n paar Jungs und Mädels von “justetf” “extraetf” usw.
meine 3 Euro ETFs mit einem einzigen Euro 600 zusammenzufassen ist eine gute Idee, das schaue ich mit definitiv mal genauer an.
Den Invesco IE000U9J8HX9 hatte ich auch mal im Blick, der war mir jedoch damals noch zu jung und auch nicht besonders groß. Ich hab da mal so’ne Faustregel aufgeschnappt: mind. 3-5 Jahre am Markt und mind 500 Mio Volumen. Die finde ich eigentlich ganz vernünftig.
Aktuell lese ich übrigens “Winning the Loser’s Game” von Charles D. Ellis - der Mann teilt in etwa dieselben Ansichten wie John C. Bogle dessen Buch “Das kleine Handbuch des vernünftigen Investierens“ bei mir auf dem Nachttisch liegt.
OK, ich beschäftige mich schon ziemlich intensiv - meine Frau meint bisweilen viel zu viel - mit dem Thema Geldanlage und welche Stragegien und Ideen es da gibt, aber Grau ist alle Theorie - die Praxis ist des Lebens (banknoten-)grüner Baum.
Jedenfalls bin ich sehr froh hier bei Euch gelandet zu sein und das Par qet Programm hilft schon ungemein die richtigen Weichen zu stellen, damit Geldanlage Spaß macht!
Danke für deine Worte und bess demnäxx 🙏😃