Gepostet in Schnack
Fair Isaac (FICO) – das beste Unternehmen der Welt endlich zum fairen Preis?
Gestern habe ich in einem Podcast gehört: Wenn man sich am Reißbrett ein „perfektes“ Unternehmen ausdenken müsste, dann wäre es FICO. Als jemand, der aus der Finanzwelt kommt und deren Produkte schon genutzt hat, muss ich dem irgendwie zustimmen. Obwohl ich solche Aussagen nicht leiden kann.
Um FICO für den deutschen Markt greifbar zu machen, muss man es mit der Schufa vergleichen, ein Unternehmen, dessen Produkte ich seit dem ersten Tag meiner Karriere nutze. Ich habe mal von einem MD bei uns in der Bank gehört (überspitzt): Ein Finanzinstitut würde eher die Hälfte seiner Belegschaft entlassen, bevor es den Vertrag mit der Schufa kündigt.
Hier erkläre ich euch kurz, warum dieses Geschäftsmodell so stark ist. Ich nutze dafür das Beispiel der Schufa, da die Berührungspunkte hierzulande direkter sind, doch die Argumente lassen sich eins zu eins auf FICO (oder Wettbewerber wie Experian und Equifax) übertragen. Am Ende folgt meine DCF-Analyse mit drei Szenarien: Conservative, Base und Bull Case um der Aktie einen Preisstempel auf zu setzen.
Warum ist dieses Businessmodell so stark?
- Extreme Wechselbarrieren: Die Schufa ist wie ein Organ in einem Finanzinstitut. Es zu entfernen ist nahezu unmöglich oder lebensgefährlich. Als Beispiel: Wir migrieren gerade bei einem Wettbewerber der Schufa Daten und Systeme “nur” in die Cloud; ein Projekt, das über drei Jahre dauert, Unmengen an Ressourcen frisst und das eigentlich niemand freiwillig anfasst. Ein kompletter Wechsel des Datenanbieters für diesen Use-case zB. zur Schufa würde exponentiell mehr Zeit und Geld kosten. Solche Anträge werden in jedem Steering-Committee sofort abgeschmettert.
- Der „perverse“ ROIC auf Daten: In einem früheren Institut war ich für ein Portfolio verantwortlich, bei dem wir jährlich einen hohen sechsstelligen Betrag an die Schufa zahlten. Dieser Betrag amortisiert sich bereits, wenn uns die Daten vor nur einer Handvoll großer Kreditausfälle schützen – bei tausenden Neukunden pro Jahr. Die Schufa hätte ihre Preise verdoppeln oder vervierfachen können, und wir hätten trotzdem gezahlt, weil der Business Case immer noch glasklar aufgegangen wäre.
- Überlegene Vorhersagekraft: Der Score ist schlichtweg gut (nicht perfekt natürlich). Wir hatten in einer Bank wo ich mal war mehrere Machine-Learning-Modelle mit über 100 Variablen zur Bewertung von Neukunden oder Bestandskunden. Unter den Top 5 Variablen mit der höchsten Vorhersagekraft waren meistens drei bis vier Schufa-Datenpunkte (oder von einem anderen Kreditbureau). Ohne diese Daren wären die Modelle nahezu „random“ und damit wertlos gewesen.
- Der Netzwerkeffekt: An sich ist die Modellierung kein Hexenwerk. Ich baue solche Modelle täglich (danke Youtube). Ich könnte theoretisch mit einem leicht besseren Model an den Markt gehen und niemand würde es nutzen. Warum? Weil das Netzwerk, das Finanzinstitute über Jahrzehnte mit der Schufa aufgebaut haben, nicht kopierbar ist. Es ist ein Datenaustausch in beide Richtungen: Fällt ein Kunde bei uns aus, weiß es die Schufa sofort. Dieser zweiseitige Datenfluss lässt sich nicht mal eben replizieren.
Alles, was ich oben beschrieben habe, lässt sich eins zu eins auf FICO anwenden und sind nur einige Punkte die für so ein Unternehmen sprechen. Schauen wir uns dazu die nackten Zahlen an und die sind gelinde gesagt beeindruckend: eine Bruttomarge von 83 % und eine Net Income Margin von 32 %. In den letzten fünf Jahren hat das Management zudem 20 % aller ausstehenden Aktien zurückgekauft. Der CapEx ist dabei so verschwindend gering, dass man ihn kaum erwähnen muss; es ist Wahnsinn, wie „capital light“ dieses Unternehmen operiert.
Momentan sehen wir ein Forward-KGV von 28, was im Vergleich zum 5-Jahres-Schnitt von über 50 fast schon nach einem Ausverkauf klingt. Bei einem erwarteten Umsatzwachstum von 19 % und einem EPS-Wachstum von 30 % sind das Werte, die man sich als Investor wünscht, aber eigentlich nie bekommt. Die spannende Frage ist also: Was ist der Laden heute wert und wo steht er in 10 Jahren? Ist die Aktie nach dem Rückgang von über 50 % endlich preiswert?
Für meine DCF-Analyse setze ich eine Zielrendite von mindestens 12 % pro Jahr an. Wenn eine Einzelaktie mir nicht mehr liefert als ein simpler ETF, brauche ich das zusätzliche Risiko nicht einzugehen. Mein Anlagehorizont liegt bei 10 Jahren und die Aktie notiert momentan bei 1011 $.
Conservative Case
Um zu sehen, ob die Aktie trotz des hohen Qualitäts-Aufschlags kaufenswert ist, habe ich ein extrem defensives Szenario gerechnet. Hier sind meine Annahmen:
· Umsatzwachstum pro Jahr: 10 %
· Net Margin in 10 Jahren: 30 %
· Erwartetes KGV in 10 Jahren: 25
· Buyback pro Jahr: -1.5 % (Reduktion der ausstehenden Aktien)
· Fairer Preis für 12 % Zielrendite: 860 $
Fazit: Bei dieser sehr vorsichtigen Annahmen ist die Aktie beim aktuellen Kurs leicht überbewertet für meine Zielrendite von 12%, sollte aber eine Rendite ermöglichen die mit dem Markt mithält.
Base Case
Das wären meine realistische, aber noch leicht konservative Annahmen:
· Umsatzwachstum pro Jahr: 15 %
· Net Margin in 10 Jahren: 31 %
· Erwartetes KGV in 10 Jahren: 27
· Buyback pro Jahr: -2% (Reduktion der ausstehenden Aktien)
· Fairer Preis für 12 % Zielrendite: 1100 $
Fazit: Bei dieser Annahmen ist die Aktie beim aktuellen Kurs knapp unterbewertet für meine Zielrendite von 12%.
Bull Case (für manche auch den Base Case)
Das wären meine “Bull” case, eigentlich ist es das was Analysten erwarten, wie die Aktien die letzten Jahre notiert hat Preislich und wie das Unternehmen sich verhalten hat. Hier meine Annahmen:
· Umsatzwachstum pro Jahr: 19 % (erwartetes Wachstum dieses Jahr)
· Net Margin in 10 Jahren: 32 % (momentane Net Margin)
· Erwartetes KGV in 10 Jahren: 30
· Buyback pro Jahr: -2.5% (weniger als die letzten Jahre)
· Fairer Preis für 12 % Zielrendite: 1650 $
Fazit: Bei dieser Annahmen ist die Aktie beim aktuellen Kurs knapp 40% unterbewertet für meine Zielrendite von 12%.
Was meint ihr? Hat jemand das Unternehmen bereits im Portfolio oder verfügt über tiefere Einblicke? Meine Ausführungen oben waren natürlich recht oberflächlich gehalten, aber vielleicht konnte ich euer Interesse wecken, mehr über das Unternehmen zu erfahren
Hallo Peter, auch Jospeph Carlson hat letztens ein Video auf YouTube über FICO rausgebracht: https://youtu.be/LzKCJVFQJwM?si=B0-SpwZZm2eu7DGF. Evtl. erhälst du da ja noch zusätzliche nützliche Infos. Ich denke FICO würde sich in dein Compounder Portfolio einreihen richtig ? Was FICO betrifft frage ich mich halt persönlich, da es auch zum Sektor Finanzen gehört, ob es eine Qualitativ bessere Aktie als Mastercard/VISA, Moodys/ S&P Global ist bzw. ob evtl. sogar Börsenanbieter Aktien wie bei dir die Deutsche Börse nicht die besseren Unternehmen sind. Daher denke ich warum noch eine Position eröffnen ? Wenn auch gerade die anderen Werte im Sale sind. FICO ist die Schufa in Amerika richtig ? Also wird sie ihr Geld nie Global verdienen ? Auch ein Punkt den ich immer sehr wichtig finde. Was ich damit sagen will, wenn jetzt gerade VISA/Mastercard und S&P Global auch aufgrund gewisser Sorgen/Ängste günstig zu haben sind warum das Geld in FICO stecken?
@danny_2e70ec angepinnt? geil 😄 gut so, dann habe ich etwas Druck keinen Unsinn zu bauen wenn jemand drüber schaut. Vor allem wenn derjenige eine ähnliche Strategie fährt.
Ich bin mit Mercado Libre & Amazon von dem Capital Light requirement etwas abgewichen. Es gibt auch klasse Unternehmen die hohe CapEx haben. Finde ich auch stark von dir, dann nur auf ein Unternehmen zu gehen, wie bei Mastercard oder S&P. Ich bin da einfach etwas Risikoavers.
Finde die Unternehmen die du hast sehr stark! Wie siehst du Microsoft? Wenn ich mir die Bewertung so langsam anschaue, wirkt das recht interessant.
Danke für die schnelle Antwort.Gut das sie in 40 Ländern agieren wusste ich nicht, habe mich nicht ausführlich mit FICO beschäftigt, da ich momentan andere Baustellen habe, die ich weiter ausbauen will (Mastercard, S&P Global, Amazon, Microsoft, SAP) Dein Compounder-Portfolio habe ich angepinnt und gucke wöchentlich mal rein 😃. Deswegen bin ich immer sehr interessiert an deinen Posts. Fahre ein leicht ähnlichen Ansatz, wie du nur würde ich mein Portfolio nicht als Capital light only bezeichnen, ich versuche auch nur 15 Unternehmen max am Stk. zu halten.Schaue auch immer ob etwas systemkritisch sein könnte oder ob der Burgraben in der jeweiligen Branche der meiner Meinung nach stärkste im Gegensatz zu anderen Unternehmen ist. Deswegen habe ich auch ,,nur’’ Mastercard und S&P Global.
@danny_2e70ec Danke wie immer für das Feedback! Das ist ein sehr berechtigter Punkt. Ist das Unternehmen wirklich besser als die bestehenden Werte in meinem Portfolio? Aktuell sind 3 bis 4 Titel in meinem Compounder-Portfolio historisch gesehen günstig bewertet, eigentlich der perfekte Zeitpunkt, um dort aufzustocken. Da ich zudem mit 9 von 12 Positionen im Minus bin, nutze ich die Phase momentan für regelmäßige Nachkäufe.
Allerdings hat mein Ranking ergeben, wenn ich FICO auf Basis des Geschäftsmodells bewerten müsste, würde es sofort in meine Top 3 rutschen… sogar noch vor Mastercard oder Visa. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich das Modell besser durchdringe als das der Deutschen Börse oder von MSCI, die ich ebenfalls halte (https://app.parqet.com/p/682d05e74f87b13085abb70c).
Diese Kreditbüros sind ein klassischer ‚Pain in the Ass‘ 🫤 Als Kreditgeber will man sie nicht, aber man braucht sie zwingend. Sei es aus ökonomischer Notwendigkeit oder aufgrund regulatorischer Pflichten, man kommt an ihren Daten nicht vorbei. Diese Kombination aus einem hervorragenden Produkt und dem Kaufzwang für den Kunden macht für mich den Unterschied. Ich habe daher gestern Abend eine erste kleine Tranche (< 2%) gekauft; damit umfasst mein Portfolio nun 13 Werte. Sobald sich die Lage im Nahen Osten stabilisiert, plane ich zudem, mein Öl-Portfolio aufzulösen und das Kapital in meine schwächelnden Compounder zu reinvestieren.
Nur FYI - FICO ist in 40 Länder vertreten. Die sind mittlerweile auch international. Aber in Europa habe ich mit denen noch nie zusammengearbeitet 🙂
@n_f Ja angepinnt 😄. Will hier nicht rumschleimen, aber deine Expertise übertrifft meine bei weitem, genau deswegen folge ich deinen Posts auch zum Teil. Wie gesagt schade, dass es keine Privat Nachrichten gibt sonst hätte man mal connecten können.Das was ich tue habe ich mir auch nur aus Büchern, YouTube und meinem Onkel der seit 40 Jahren schon investiert angeeignet. Ich bin wahrscheinlich das klassische Bsp. wo am Ende gesagt wird wozu der Stress du hättest auch einfach ein MSCI World Etf besparen können. Übrigens meine Benchmark. Ich halte zurzeit 12 Unternehmen( Berkshire Hathaway, Amazon, Air Liquide, Alphabet, S&P Global, SAP, Hannover Rück, Microsoft, Mastercard, Coca Cola, McDonalds, Proctor and Gamble und habe ein wenig Gold. Bin oft All in investiert, aber es stört mich nicht. Zu Microsoft ich sehe dieses Unternehmen als Systemkritisch an, auch wenns sie sich evtl. mit Open AI ein wenig verzettelt haben. Office 365 wird halt in gefühlt jedem großen Unternehmen genutzt, selbst wenn etwas besser ist wie z.B. Zoom nutzen die Leute trotzdem Teams, da es im Bundlie mit drin ist. Die Cloud wächst weiterhin zweistellig und ist die 2. Größte. Dem CEO traue ich eine Menge zu und mag seine Weitsicht. Es haben Insider die Aktie jetzt gekauft, was auch oft ein gutes Zeichen ist. Sie haben eine sehr geringe Verschuldung. Das PEG je nachdem wo man schaut ist 1.04. EPS laut Analysten die nächsten 5 Jahre im Schnitt bei 18%. Ich gehe von 15 % aus und benutze ein konservativ KGV von 25! da komme ich auf ein Kurswachstum von 17,5% pro Jahr zum jetzigen Preis. Was für mich zu gut ist um Microsoft zu ignorieren. Selbst wenn ich Amazon und Alphabet besser finde was ihre diversifizierten Geschäftsmodelle betreffen. Microsoft verdient ja auch noch mit anderen Sparten Geld denke, aber das die Cloud sowie das Softwarepaket weiterhin die wichtigsten Treiber bleiben sollten. Das war jetzt nur ein grober Grund warum ich denke das Microsoft weiterhin solide ist. Amphenol und ASML habe ich in den Hochs verkauft, war aber auch nur mehr Glück als Verstand. Trotzdem stehen sie weiterhin auf meiner Watchlist. Welche Unternehmen beinhaltet wie ( Amphenol,ASML, Deutsche Börse, Stryker, Aptar Group, Essilor Luxoticca, ADP, Universal Music Group, Ecolab etc). Wie gesagt ich bin ein Laie, aber es macht mir trotzdem Spass und wenn es am Ende in die Hose geht, dann ist es so😅.
@danny_2e70ec „Ich bin wahrscheinlich das klassische Bsp. wo am Ende gesagt wird wozu der Stress du hättest auch einfach ein MSCI World Etf besparen können“ → 😂 sage ich mir auch oft. Wir werden es hoffentlich wie dein Onkel in 40 Jahren noch erleben dürfen um dies dann noch herauszufinden.
Starkes Portfolio und Watchlist! Bei Microsoft komme ich auf ähnliche Ergebnisse bei meiner Bewertung , bin aber nicht so tief drinnen momentan ob meine Annahmen so passen. Da bist du sicher deutlich tiefer drinnen.
So viel Ahnung habe ich auch nicht. Ich schreibe nur über Moodys, Mastercard oder Fico weil ich Berührungspunkte professionell hatte, die die meisten hier vermutlich niemals haben werden. Daher kommt mein Wissen, mehr nicht. Aber viel lesen oder Podcasts hören hilft viel. Auch earning calls kann ich dir ans Herz legen. Die letzten beiden waren Moodys und S&P, da ich wissen wollte das die zu dem AI Thema sagen. Nach den calls war mir klar dass ich mehr Anteile kaufen muss. Mache ich aber leider viel zu selten momentan. Vielleicht einen pro Quartal, plus einige Transkripts die ich überfliege.
Wirklich schade dass es hier nicht möglich ist Nachrichten auszutauschen. Meine ganzen Kumpels machen halt nur ETS oder Crypto. Ist schwer jemanden zu finden der eine ähnliche Strategie hat