Peter Andres
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Gepostet in Schnack

Fair Isaac (FICO) – das beste Unternehmen der Welt endlich zum fairen Preis?

Gestern habe ich in einem Podcast gehört: Wenn man sich am Reißbrett ein „perfektes“ Unternehmen ausdenken müsste, dann wäre es FICO. Als jemand, der aus der Finanzwelt kommt und deren Produkte schon genutzt hat, muss ich dem irgendwie zustimmen. Obwohl ich solche Aussagen nicht leiden kann.

Um FICO für den deutschen Markt greifbar zu machen, muss man es mit der Schufa vergleichen, ein Unternehmen, dessen Produkte ich seit dem ersten Tag meiner Karriere nutze. Ich habe mal von einem MD bei uns in der Bank gehört (überspitzt): Ein Finanzinstitut würde eher die Hälfte seiner Belegschaft entlassen, bevor es den Vertrag mit der Schufa kündigt.

Hier erkläre ich euch kurz, warum dieses Geschäftsmodell so stark ist. Ich nutze dafür das Beispiel der Schufa, da die Berührungspunkte hierzulande direkter sind, doch die Argumente lassen sich eins zu eins auf FICO (oder Wettbewerber wie Experian und Equifax) übertragen. Am Ende folgt meine DCF-Analyse mit drei Szenarien: Conservative, Base und Bull Case um der Aktie einen Preisstempel auf zu setzen.

Warum ist dieses Businessmodell so stark?

  • Extreme Wechselbarrieren: Die Schufa ist wie ein Organ in einem Finanzinstitut. Es zu entfernen ist nahezu unmöglich oder lebensgefährlich. Als Beispiel: Wir migrieren gerade bei einem Wettbewerber der Schufa Daten und Systeme “nur” in die Cloud; ein Projekt, das über drei Jahre dauert, Unmengen an Ressourcen frisst und das eigentlich niemand freiwillig anfasst. Ein kompletter Wechsel des Datenanbieters für diesen Use-case zB. zur Schufa würde exponentiell mehr Zeit und Geld kosten. Solche Anträge werden in jedem Steering-Committee sofort abgeschmettert.
  • Der „perverse“ ROIC auf Daten: In einem früheren Institut war ich für ein Portfolio verantwortlich, bei dem wir jährlich einen hohen sechsstelligen Betrag an die Schufa zahlten. Dieser Betrag amortisiert sich bereits, wenn uns die Daten vor nur einer Handvoll großer Kreditausfälle schützen – bei tausenden Neukunden pro Jahr. Die Schufa hätte ihre Preise verdoppeln oder vervierfachen können, und wir hätten trotzdem gezahlt, weil der Business Case immer noch glasklar aufgegangen wäre.
  • Überlegene Vorhersagekraft: Der Score ist schlichtweg gut (nicht perfekt natürlich). Wir hatten in einer Bank wo ich mal war mehrere Machine-Learning-Modelle mit über 100 Variablen zur Bewertung von Neukunden oder Bestandskunden. Unter den Top 5 Variablen mit der höchsten Vorhersagekraft waren meistens drei bis vier Schufa-Datenpunkte (oder von einem anderen Kreditbureau). Ohne diese Daren wären die Modelle nahezu „random“ und damit wertlos gewesen.
  • Der Netzwerkeffekt: An sich ist die Modellierung kein Hexenwerk. Ich baue solche Modelle täglich (danke Youtube). Ich könnte theoretisch mit einem leicht besseren Model an den Markt gehen und niemand würde es nutzen. Warum? Weil das Netzwerk, das Finanzinstitute über Jahrzehnte mit der Schufa aufgebaut haben, nicht kopierbar ist. Es ist ein Datenaustausch in beide Richtungen: Fällt ein Kunde bei uns aus, weiß es die Schufa sofort. Dieser zweiseitige Datenfluss lässt sich nicht mal eben replizieren.

Alles, was ich oben beschrieben habe, lässt sich eins zu eins auf FICO anwenden und sind nur einige Punkte die für so ein Unternehmen sprechen. Schauen wir uns dazu die nackten Zahlen an und die sind gelinde gesagt beeindruckend: eine Bruttomarge von 83 % und eine Net Income Margin von 32 %. In den letzten fünf Jahren hat das Management zudem 20 % aller ausstehenden Aktien zurückgekauft. Der CapEx ist dabei so verschwindend gering, dass man ihn kaum erwähnen muss; es ist Wahnsinn, wie „capital light“ dieses Unternehmen operiert.

Momentan sehen wir ein Forward-KGV von 28, was im Vergleich zum 5-Jahres-Schnitt von über 50 fast schon nach einem Ausverkauf klingt. Bei einem erwarteten Umsatzwachstum von 19 % und einem EPS-Wachstum von 30 % sind das Werte, die man sich als Investor wünscht, aber eigentlich nie bekommt. Die spannende Frage ist also: Was ist der Laden heute wert und wo steht er in 10 Jahren? Ist die Aktie nach dem Rückgang von über 50 % endlich preiswert?

Für meine DCF-Analyse setze ich eine Zielrendite von mindestens 12 % pro Jahr an. Wenn eine Einzelaktie mir nicht mehr liefert als ein simpler ETF, brauche ich das zusätzliche Risiko nicht einzugehen. Mein Anlagehorizont liegt bei 10 Jahren und die Aktie notiert momentan bei 1011 $.

Conservative Case

Um zu sehen, ob die Aktie trotz des hohen Qualitäts-Aufschlags kaufenswert ist, habe ich ein extrem defensives Szenario gerechnet. Hier sind meine Annahmen:

·       Umsatzwachstum pro Jahr: 10 %

·       Net Margin in 10 Jahren: 30 %

·       Erwartetes KGV in 10 Jahren: 25

·       Buyback pro Jahr: -1.5 % (Reduktion der ausstehenden Aktien)

·       Fairer Preis für 12 % Zielrendite: 860 $

Fazit: Bei dieser sehr vorsichtigen Annahmen ist die Aktie beim aktuellen Kurs leicht überbewertet für meine Zielrendite von 12%, sollte aber eine Rendite ermöglichen die mit dem Markt mithält.

Base Case

Das wären meine realistische, aber noch leicht konservative Annahmen:

·       Umsatzwachstum pro Jahr: 15 %

·       Net Margin in 10 Jahren: 31 %

·       Erwartetes KGV in 10 Jahren: 27

·       Buyback pro Jahr: -2% (Reduktion der ausstehenden Aktien)

·       Fairer Preis für 12 % Zielrendite: 1100 $

Fazit: Bei dieser Annahmen ist die Aktie beim aktuellen Kurs knapp unterbewertet für meine Zielrendite von 12%.

Bull Case (für manche auch den Base Case)

Das wären meine “Bull” case, eigentlich ist es das was Analysten erwarten, wie die Aktien die letzten Jahre notiert hat Preislich und wie das Unternehmen sich verhalten hat. Hier meine Annahmen:

·       Umsatzwachstum pro Jahr: 19 % (erwartetes Wachstum dieses Jahr)

·       Net Margin in 10 Jahren: 32 % (momentane Net Margin)

·       Erwartetes KGV in 10 Jahren: 30

·       Buyback pro Jahr: -2.5% (weniger als die letzten Jahre)

·       Fairer Preis für 12 % Zielrendite: 1650 $

Fazit: Bei dieser Annahmen ist die Aktie beim aktuellen Kurs knapp 40% unterbewertet für meine Zielrendite von 12%.

Was meint ihr? Hat jemand das Unternehmen bereits im Portfolio oder verfügt über tiefere Einblicke? Meine Ausführungen oben waren natürlich recht oberflächlich gehalten, aber vielleicht konnte ich euer Interesse wecken, mehr über das Unternehmen zu erfahren

21 Kommentare

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Danny1988
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Hallo Peter, auch Jospeph Carlson hat letztens ein Video auf YouTube über FICO rausgebracht: https://youtu.be/LzKCJVFQJwM?si=B0-SpwZZm2eu7DGF. Evtl. erhälst du da ja noch zusätzliche nützliche Infos. Ich denke FICO würde sich in dein Compounder Portfolio einreihen richtig ? Was FICO betrifft frage ich mich halt persönlich, da es auch zum Sektor Finanzen gehört, ob es eine Qualitativ bessere Aktie als Mastercard/VISA, Moodys/ S&P Global ist bzw. ob evtl. sogar Börsenanbieter Aktien wie bei dir die Deutsche Börse nicht die besseren Unternehmen sind. Daher denke ich warum noch eine Position eröffnen ? Wenn auch gerade die anderen Werte im Sale sind. FICO ist die Schufa in Amerika richtig ? Also wird sie ihr Geld nie Global verdienen ? Auch ein Punkt den ich immer sehr wichtig finde. Was ich damit sagen will, wenn jetzt gerade VISA/Mastercard und S&P Global auch aufgrund gewisser Sorgen/Ängste günstig zu haben sind warum das Geld in FICO stecken?

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Peter Andres
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@danny_2e70ec angepinnt? geil 😄 gut so, dann habe ich etwas Druck keinen Unsinn zu bauen wenn jemand drüber schaut. Vor allem wenn derjenige eine ähnliche Strategie fährt.

Ich bin mit Mercado Libre & Amazon von dem Capital Light requirement etwas abgewichen. Es gibt auch klasse Unternehmen die hohe CapEx haben. Finde ich auch stark von dir, dann nur auf ein Unternehmen zu gehen, wie bei Mastercard oder S&P. Ich bin da einfach etwas Risikoavers.

Finde die Unternehmen die du hast sehr stark! Wie siehst du Microsoft? Wenn ich mir die Bewertung so langsam anschaue, wirkt das recht interessant.

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Danny1988
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Danke für die schnelle Antwort.Gut das sie in 40 Ländern agieren wusste ich nicht, habe mich nicht ausführlich mit FICO beschäftigt, da ich momentan andere Baustellen habe, die ich weiter ausbauen will (Mastercard, S&P Global, Amazon, Microsoft, SAP) Dein Compounder-Portfolio habe ich angepinnt und gucke wöchentlich mal rein 😃. Deswegen bin ich immer sehr interessiert an deinen Posts. Fahre ein leicht ähnlichen Ansatz, wie du nur würde ich mein Portfolio nicht als Capital light only bezeichnen, ich versuche auch nur 15 Unternehmen max am Stk. zu halten.Schaue auch immer ob etwas systemkritisch sein könnte oder ob der Burgraben in der jeweiligen Branche der meiner Meinung nach stärkste im Gegensatz zu anderen Unternehmen ist. Deswegen habe ich auch ,,nur’’ Mastercard und S&P Global.

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Peter Andres
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@danny_2e70ec Danke wie immer für das Feedback! Das ist ein sehr berechtigter Punkt. Ist das Unternehmen wirklich besser als die bestehenden Werte in meinem Portfolio? Aktuell sind 3 bis 4 Titel in meinem Compounder-Portfolio historisch gesehen günstig bewertet, eigentlich der perfekte Zeitpunkt, um dort aufzustocken. Da ich zudem mit 9 von 12 Positionen im Minus bin, nutze ich die Phase momentan für regelmäßige Nachkäufe.

Allerdings hat mein Ranking ergeben, wenn ich FICO auf Basis des Geschäftsmodells bewerten müsste, würde es sofort in meine Top 3 rutschen… sogar noch vor Mastercard oder Visa. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich das Modell besser durchdringe als das der Deutschen Börse oder von MSCI, die ich ebenfalls halte (https://app.parqet.com/p/682d05e74f87b13085abb70c).

Diese Kreditbüros sind ein klassischer ‚Pain in the Ass‘ 🫤 Als Kreditgeber will man sie nicht, aber man braucht sie zwingend. Sei es aus ökonomischer Notwendigkeit oder aufgrund regulatorischer Pflichten, man kommt an ihren Daten nicht vorbei. Diese Kombination aus einem hervorragenden Produkt und dem Kaufzwang für den Kunden macht für mich den Unterschied. Ich habe daher gestern Abend eine erste kleine Tranche (< 2%) gekauft; damit umfasst mein Portfolio nun 13 Werte. Sobald sich die Lage im Nahen Osten stabilisiert, plane ich zudem, mein Öl-Portfolio aufzulösen und das Kapital in meine schwächelnden Compounder zu reinvestieren.

Nur FYI - FICO ist in 40 Länder vertreten. Die sind mittlerweile auch international. Aber in Europa habe ich mit denen noch nie zusammengearbeitet 🙂

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Danny1988
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@n_f Ja angepinnt 😄. Will hier nicht rumschleimen, aber deine Expertise übertrifft meine bei weitem, genau deswegen folge ich deinen Posts auch zum Teil. Wie gesagt schade, dass es keine Privat Nachrichten gibt sonst hätte man mal connecten können.Das was ich tue habe ich mir auch nur aus Büchern, YouTube und meinem Onkel der seit 40 Jahren schon investiert angeeignet. Ich bin wahrscheinlich das klassische Bsp. wo am Ende gesagt wird wozu der Stress du hättest auch einfach ein MSCI World Etf besparen können. Übrigens meine Benchmark. Ich halte zurzeit 12 Unternehmen( Berkshire Hathaway, Amazon, Air Liquide, Alphabet, S&P Global, SAP, Hannover Rück, Microsoft, Mastercard, Coca Cola, McDonalds, Proctor and Gamble und habe ein wenig Gold. Bin oft All in investiert, aber es stört mich nicht. Zu Microsoft ich sehe dieses Unternehmen als Systemkritisch an, auch wenns sie sich evtl. mit Open AI ein wenig verzettelt haben. Office 365 wird halt in gefühlt jedem großen Unternehmen genutzt, selbst wenn etwas besser ist wie z.B. Zoom nutzen die Leute trotzdem Teams, da es im Bundlie mit drin ist. Die Cloud wächst weiterhin zweistellig und ist die 2. Größte. Dem CEO traue ich eine Menge zu und mag seine Weitsicht. Es haben Insider die Aktie jetzt gekauft, was auch oft ein gutes Zeichen ist. Sie haben eine sehr geringe Verschuldung. Das PEG je nachdem wo man schaut ist 1.04. EPS laut Analysten die nächsten 5 Jahre im Schnitt bei 18%. Ich gehe von 15 % aus und benutze ein konservativ KGV von 25! da komme ich auf ein Kurswachstum von 17,5% pro Jahr zum jetzigen Preis. Was für mich zu gut ist um Microsoft zu ignorieren. Selbst wenn ich Amazon und Alphabet besser finde was ihre diversifizierten Geschäftsmodelle betreffen. Microsoft verdient ja auch noch mit anderen Sparten Geld denke, aber das die Cloud sowie das Softwarepaket weiterhin die wichtigsten Treiber bleiben sollten. Das war jetzt nur ein grober Grund warum ich denke das Microsoft weiterhin solide ist. Amphenol und ASML habe ich in den Hochs verkauft, war aber auch nur mehr Glück als Verstand. Trotzdem stehen sie weiterhin auf meiner Watchlist. Welche Unternehmen beinhaltet wie ( Amphenol,ASML, Deutsche Börse, Stryker, Aptar Group, Essilor Luxoticca, ADP, Universal Music Group, Ecolab etc). Wie gesagt ich bin ein Laie, aber es macht mir trotzdem Spass und wenn es am Ende in die Hose geht, dann ist es so😅.

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Peter Andres
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@danny_2e70ec „Ich bin wahrscheinlich das klassische Bsp. wo am Ende gesagt wird wozu der Stress du hättest auch einfach ein MSCI World Etf besparen können“ → 😂 sage ich mir auch oft. Wir werden es hoffentlich wie dein Onkel in 40 Jahren noch erleben dürfen um dies dann noch herauszufinden.

Starkes Portfolio und Watchlist! Bei Microsoft komme ich auf ähnliche Ergebnisse bei meiner Bewertung , bin aber nicht so tief drinnen momentan ob meine Annahmen so passen. Da bist du sicher deutlich tiefer drinnen.

So viel Ahnung habe ich auch nicht. Ich schreibe nur über Moodys, Mastercard oder Fico weil ich Berührungspunkte professionell hatte, die die meisten hier vermutlich niemals haben werden. Daher kommt mein Wissen, mehr nicht. Aber viel lesen oder Podcasts hören hilft viel. Auch earning calls kann ich dir ans Herz legen. Die letzten beiden waren Moodys und S&P, da ich wissen wollte das die zu dem AI Thema sagen. Nach den calls war mir klar dass ich mehr Anteile kaufen muss. Mache ich aber leider viel zu selten momentan. Vielleicht einen pro Quartal, plus einige Transkripts die ich überfliege.

Wirklich schade dass es hier nicht möglich ist Nachrichten auszutauschen. Meine ganzen Kumpels machen halt nur ETS oder Crypto. Ist schwer jemanden zu finden der eine ähnliche Strategie hat

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Simon
Investor
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Danke für den Einblick! Genau solche Infos bieten einen echten Mehrwert in der Community 🙂. Im Portfolio habe ich das Unternehmen nicht, lege es mir dank deiner Ausführungen mal auf die watchlist.

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Peter Andres
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@simon_abdbc1 Danke für das Feedback. Ich habe versucht es kurz und knapp zu halten, könnte über das Thema Kreditbureaus mittlerweile ein Buch schreiben.

Ich habe FICO noch nicht gekauft, denn gab es in den letzten Jahren auch einige No-gos. Die zwei größten Kritikpunkte für mich:

  • Die aggressive Preispolitik für deren Scores: Diese war so massiv, dass sie direkt die Aufsichtsbehörden und die Politik auf den Plan gerufen hat. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum man hier nicht diplomatischer vorgegangen ist, das war strategisch einfach unklug.
  • Aktienrückkäufe auf Pump: Ich war noch nie ein Fan davon, Schulden für Buybacks aufzunehmen, schon gar nicht bei derart „sportlichen“ Bewertungen.

Vermutlich werde ich aber diese Woche mir eine erste Trance (von 3) ins Portfolio holen, denn das Risk/Reward passt so langsam.

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Dome
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@n_f
Top Beitrag! Hattest du bei deiner Analyse den VantageScore 4.0 berücksichtigt? Seit Juli 2025 ist FICOs Exklusivmandat bei Fannie und Freddie weggefallen und alle drei Auskunfteien bieten den VantageScore mittlerweile teils kostenlos an. Wenn man dann noch die Hawley-Ermittlung und die DOJ-Kartellprüfung dazunimmt, stellt sich die Frage, wie nachhaltig die Pricing Power wirklich noch ist. Würde mich interessieren, wie du das einschätzt!

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Peter Andres
Autor
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Das Management hat es leider übertrieben mit der Preisanpassung. Ja, der Score war zu billig und ja man kann den Preis erhöhen. Das man es so aggressiv macht, muss irgendwie nicht sein. Aber, ich gebe dir kurz meine Meinung warum das kein Problem ist und warum ich den VantageScore nicht ernst nehmen kann.

  • Für eine 500.000 € Hypothek sind 5 € oder 10 € für einen FICO-Score marginal. Die "Sicherheit" des bewährten Standards überwiegt oft die Ersparnis. Das kann ich dir aus Erfahrung garantieren.
  • Investoren weltweit verstehen "FICO 720". Ein VantageScore 4.0 muss dieses Vertrauen erst über einen vollen Kreditzyklus (Rezession) beweisen. Das ist nicht einfach, da falls der Score nicht performed, das sehr teuer werden kann.
  • Ich saß schon mit knapp 10 verschiedenen Kreditbureaus in einem Raum und diese haben mir versucht einen neuen Score zu verkaufen. In 10 Jahren haben es immerhin 2 geschafft. Ersetzt wurde keiner der alten Scores oder Anbieter. Diese neuen Scores flossen einfach zusätzlich in das Model und haben es besser gemacht. Ich bin bei meiner vierten Bank und ich habe noch nie erlebt dass ein existierendes Kreditbureau ersetzt wurde. Es kam eher eins hinzu. Ich hatte mal ein Model da flossen Scores von 3 Anbietern rein. Der Businesscase ging immer auf.
  • Ein weiteres Beispiel. Ich bin bei einer Bank welches ein Antragsscoring hat was 2008 entwickelt wurde! Was noch Kreditbureau score Modelle verwendet von vor 20 Jahren. Nur weil es einen neuen Score gibt heißt es nicht dass der auch verwendet wird - die Scorecard müsste komplett neu gebaut werden. Macht keine Bank wenn alles funktioniert. Ist auch immer noch in Risiko so etwas neu zu machen. Ich wette FICO verkauft heute noch Sachen die sie vor 10-15 Jahren entwickelt hat, zu marginalen Kosten.
  • VantageScore wird vermutlich am Anfang billig sein um Kunden zu ködern. Aber ich kenne die Verträge. Irgendwann werden die ihren Kuchen haben wollen und das pricing anpassen. Die haben auch eine Sales-Abteilung 😂 Zeigt nur wie stark Fico ist, dass die Konkurrenz Scores „verschenken“

Hoffe das macht oben Sinn. Bei Fragen einfach melden 😉

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micwgn
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Ich grabe den “alten” Chat auf Basis der heutigen Bewertung nochmals aus:

Ich habe FICO schon eine Weile auf der Watchlist. Der Burggraben und die Wechselbarrieren sind gigantisch (ähnlich der Schufa). Mich treibt allerdings der extreme Kursrutsch von fast 40 % Ende September um, der durch die FHFA und die Zulassung des VantageScore ausgelöst wurde.

Ein aktuelles KGV um die 20 ist für ein solches Monopol recht verlockend. Ich gehe davon aus, dass Banken ihre Kernsysteme nicht über Nacht auf einen neuen Score umstellen, das ist ein viel zu komplexes und teures Unterfangen.

Wie ist eure Sicht auf die Regulierungsthematik? War der Absturz eurer Meinung nach eine völlig überzogene Panikreaktion des Marktes, oder schätzt ihr das langfristige Risiko für FICOs Pricing Power durch die Regulierer wirklich so hoch ein? Ich bin echt gespannt, ob ihr das aktuelle Level als historisches Einstiegsszenario seht oder ob die absolute Dominanz von FICO vorerst gebrochen ist... Vielen Dank vorab.

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Peter Andres
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@jens_11a37b habe meine DCF mal auf sehr schlechte Zeiten ge-updated:

Bei den wirklich schlechten Zahlen und jetzigem Aktienkurs von 680$, sollte man seine 12% p.a. noch machen können in den nächsten 10 Jahren. Ich gehe davon aus, dass sie aber aggresiv Aktien zurückkaufen bei den Preisen momentan

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micwgn
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@jens_11a37b @n_f Merci für euren fundierten Input und den exzellenten Deep Dive! Eure Argumente haben mir bei meiner Einordnung enorm geholfen. Ich werde das derzeitige Preisniveau nutzen und eine erste Tranche bei FICO aufbauen, da m.E. der B2B-Flaschenhals intakt ist und das Chance-Risiko-Verhältnis beim aktuellen KGV um die 20 für mich gut passt.

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Jens
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Nicht wirklich gut zu beantworten. Vor einigen Wochen hatte ich mit der KI ähnliches diskutiert.

„Nein, eliminiert ist das Risiko nicht. Aber eines der größten Risiken wurde offenbar deutlich reduziert.

Wenn wir zurückdenken, war die Angst bei Fair Isaac (FICO) zuletzt zweigeteilt:

Risiko 1: Regulatorik / FHFA ✅ deutlich entschärft

Die Genehmigung des Direct License Program bedeutet laut der Meldung, dass FICO seine Scores künftig direkt an Hypothekengeber vertreiben kann und nicht ausschließlich über die Auskunfteien gehen muss. Mehrere Analysten sehen darin einen wichtigen positiven Schritt, weil damit ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor verschwindet.

Aus Investorensicht ist das tatsächlich eine gute Nachricht.



Risiko 2: VantageScore ❌ nicht verschwunden

Das eigentliche Problem war nie nur die FHFA.

Das Problem lautet:

Was passiert, wenn sich VantageScore dauerhaft als gleichwertige Alternative etabliert?

In deiner Meldung wird ausdrücklich erwähnt, dass BofA ihr Kursziel massiv gesenkt hatte wegen der nun preislich gleichgestellten Wettbewerbsposition von VantageScore. Dieser Wettbewerbsdruck bleibt bestehen. Er wurde heute nicht gelöst. Er wurde nur überlagert durch die positive regulatorische Nachricht.



Was sagt mir die Kursreaktion?

+7,7 % an einem Tag ist für FICO enorm.

Das deutet für mich darauf hin, dass der Markt zuletzt tatsächlich ein sehr negatives Szenario eingepreist hatte.

Die Bewegung bedeutet wahrscheinlich:

"Okay, die regulatorische Katastrophe bleibt aus."

Sie bedeutet nicht:

"FICO wird weiterhin Monopolrenditen verdienen."



Die entscheidende Frage

Vor einigen Monaten hatten wir FICO als eine Art Qualitätsmonster diskutiert:

extremer Burggraben

hohe Margen

enorme Preissetzungsmacht

Asset-light-Modell

Die Aktie war aber sehr teuer.

Jetzt stellt sich die Frage:

Ist der Burggraben dauerhaft beschädigt oder nur leicht angekratzt?

Wenn VantageScore langfristig nur 5-10 % Marktanteil gewinnt, dürfte FICO weiterhin eine außergewöhnliche Firma bleiben.

Wenn VantageScore hingegen 30-40 % Marktanteil gewinnt, dann ändern sich die ökonomischen Eigenschaften des Geschäfts fundamental.

Und genau diese Frage hat die heutige Nachricht nicht beantwortet.



Mein Fazit

Vor der Meldung:

Regulierungsrisiko hoch

Wettbewerbsrisiko hoch

Nach der Meldung:

Regulierungsrisiko deutlich niedriger ✅

Wettbewerbsrisiko unverändert ❌

Deshalb würde ich sagen:

Das größte kurzfristige Risiko wurde reduziert.Das wichtigste langfristige Risiko existiert weiterhin.

Für mich wirkt FICO heute weniger wie ein potentiell beschädigtes Geschäftsmodell und mehr wie eine Aktie, bei der der Markt noch herausfinden muss, wie stark die zukünftige Konkurrenzsituation tatsächlich sein wird.

Und genau deshalb überrascht mich ein Kursplus von 7-10 % überhaupt nicht. Wenn eine Aktie zuvor wegen eines einzelnen großen Unsicherheitsfaktors abgestraft wurde, reicht oft schon dessen Entschärfung für eine kräftige Gegenbewegung. Das heißt aber noch nicht, dass die Investmentthese vollständig rehabilitiert ist.

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micwgn
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Kurzes Update zu meinem FICO-Investment: Ich hatte ein kurzes Gastspiel in der Aktie und habe diese ±0 heute wieder verkauft. Warum der Verkauf? FICO hat am vergangenen Freitag angekündigt, auf geplante Preiserhöhungen beim Wholesale-Mortgage-Score-Bundle für sogenannte bevorzugte Kreditgeber zu verzichten. Damit bricht eine meiner zentralen Thesen für das Unternehmen (Burggraben der unbegrenzten Preissetzungsmacht) weg.

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Peter Andres
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@micwgn Das Verrückte an der neuen FHFA-Politik ist, dass ein FICO-Score von beispielsweise 700 künftig im Grunde ähnlich behandelt werden soll wie ein VantageScore von 700. Dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Scoring-Modelle mit unterschiedlicher Aussagekraft. Ein identischer Zahlenwert bedeutet nicht zwangsläufig das gleiche Risiko. Deshalb erscheint mir diese Gleichsetzung schwer nachvollziehbar, sagen wir eher Geisteskrank/Dumm. Ich bin sehr schockiert gewesen alls ich das gelesen habe!

Die entscheidende Frage lautet: Was ist das eigentliche Ziel dieser Policy der FHFA? Aus meiner Sicht geht es weniger um mehr Wettbewerb oder darum, die Dominanz von FICO aufzubrechen. Das Ergebnis der neuen Regelung ist vielmehr, dass Kreditnehmer im Agency-Mortgage-Markt, also dem mit Abstand größten Teil des US-Hypothekenmarkts, künftig einfacher Zugang zu Krediten erhalten. VantageScore von 700 bedeutet weniger Risiko als ein FICO score von 700. Das wiederrum bedeutet einen besseren Zins für den Darlehensnehmer.

Praktisch bedeutet das eine Lockerung der Vergabekriterien. Politisch lässt sich das natürlich gut verkaufen: Mehr Menschen können sich trotz Hypothekenzinsen von rund 7 % den Traum vom Eigenheim erfüllen. Nichts aus 2008 gelernt…

Der VantageScore gibt es eigentlich schon länger, aber wirklich durchgesetzt hat er sich nie. Einer der Hauptgründe ist, dass FICO von den meisten Marktteilnehmern als der bessere und zuverlässigere Prädiktor angesehen wird. Vantage hatte über die Jahre immer wieder den Ruf, Risiken etwas zu optimistisch einzuschätzen bzw. Ausfallrisiken eher zu unterschätzen. Deshalb sind die Prozesse, Modelle und Systeme der meisten Banken und Mortgage-Lender heute auf FICO ausgerichtet.

Der aktuelle Absturz der FICO-Aktie wirkt auf mich so, als würde der Markt plötzlich davon ausgehen, dass jetzt alle sofort auf VantageScore umsteigen. Das halte ich für ziemlich unrealistisch. Aussedem hat FICO noch viele andere sehr gute Produkte. Genau deshalb habe ich den Rücksetzer genutzt und Stück für Stück nachgekauft. Nicht alles auf einmal, sondern in mehreren Tranchen. Mein durchschnittlicher Einstieg liegt aktuell bei rund 830€.

Dass Unternehmen wie Rocket Mortgage oder United Wholesale Mortgage (sind Kreditvermittler) angekündigt haben, stärker auf VantageScore zu setzen, überrascht mich dagegen überhaupt nicht. Warum auch? Für sie bedeutet das potenziell mehr Kunde. Das zusätzliche Risiko tragen sie am Ende ja nicht unbedingt selbst. Bei vielen Agency-Mortgages landet das Risiko letztlich bei den staatlich gestützten Institutionen und damit indirekt beim Steuerzahler.

Ehrlich gesagt würde es mich nicht wundern, wenn man in ein paar Jahren merkt, dass diese Lockerungen Nebenwirkungen hatten. Wenn man Kredite zunehmend an Kunden vergibt, die nach den bisherigen Standards vielleicht nicht qualifiziert gewesen wären, kann das irgendwann auf die Kreditqualität durchschlagen. Ob es tatsächlich so kommt, wird man sehen, aber die Entwicklung erinnert mich schon daran, wie schnell man bei politischen Zielen bereit ist, Risiken etwas großzügiger zu bewerten.

Nur als sidenote: 99 % aller FICO-Scores werden außerhalb des Mortgage-Originations-Marktes verwendet . Das bedeutet, von der Anzahl der Scores ist Mortgage fast irrelevant. Vom Gewinn und Umsatz ist Mortgage dagegen extrem wichtig, weil dort die höchsten Preise und Margen erzielt werden. Also, man kann bei den anderen Scores sicher beim Pricing noch etwas machen, und das wissen sie bei FICO ;)

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Jens
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Hatte vor kurzem ein Video bei einem meiner Lieblings-YouTuber darüber gesehen.

Scheint ein extrem spannendes Unternehmen zu sein

https://m.youtube.com/watch?v=UKqggjNnvG4&t=42s&pp=ygUJQXJ2eSBmaWNv

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user_d5f69a

Und wie erklärst du dass die Aktie innerhalb von 6 Monaten ca. 40% an Wert verloren hat?

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Peter Andres
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@user_d5f69a das Unternehmen war einfach sehr sportlich bewertet. Bei dem Preis von über 1200 Euro hätte ich FICO niemals gekauft. Das Unternehmen wächst aber meiner Meinung nach souverän weiter.

Ich habe vor 2-3 Wochen einmal bei 915 und ein zweites Mal bei 815 Euro gekauft. Sollte die Aktie weiter fallen, würde ich weitere Tranchen kaufen. Ich habe bis jetzt nicht einmal 50% meines Pulvers verschossen für diese Position. Man braucht einfach Geduld. FICO ist ein prima Unternehmen, aber ich bin nicht bereit dafür einen übertriebenen Preis zu zahlen. Der Preis sollte immer Fair bis sehr gut sein.

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Jens
Plus

@PN - die Antwort darauf lässt sich sicherlich in den vielen News über das Unternehmen finden. An den Fundamentals wird es sicherlich nicht liegen

Das Unternehmen war extrem hoch bewertet, da ist dann häufig die Erwartung ebenfalls extrem. Die Börse ist viel Psychologie und häufig nicht rational

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