Umgang mit nicht-performanten Qualitätsaktien
Moin Leute,
mit wachsender Ideenlosigkeit, wenn nicht sogar an Verzweiflung grenzender Ungläubigkeit, blicke ich auf eine spezielle Aktie. Kauf Qualitätsaktien, haben sie gesagt. Lass sie einfach liegen, haben sie gesagt. Von den Galliern und ihrem Zaubertrank hat beim Anwerben aber niemand etwas gesagt.
Ich habe im Herbst 2022 eine Position bei Procter & Gamble eröffnet. Defensiv, sogenannte Qualität, über die Marken ordentliche Preissetzungsmacht, unter dem langjährigen Durchschnitts-KGV, fand ich clever. Dann habe ich erst einmal bis inklusive Februar 2026, mithin etwa dreieinhalb Jahre, nichts getan. Einfach nur die Dividenden kassiert. Vereinfacht gesagt ist 2023 im Kurs gar nichts passiert, 2024 ging es kräftig bergauf, seit 2025 gehts wieder bergab. Im Mai 2026 habe ich die Position nahe meines ursprünglichen Einstiegskurses nochmals aufgestockt, weil ich P&G “eigentlich” für einen No-Brainer halte.
Und genau dieses “eigentlich” treibt mich um. Denn de facto gab es keine Rendite über die Dividende hinaus. Ich stelle P&G auch nicht in ein Szenario “Was wäre, wenn ich stattdessen Nvidia gekauft hätte”. Allerdings gibt es mir schon zu denken, dass jeder Index - nicht nur die Tech- und Chiplastigen, die breiten US-Indizes, die Welt- und All-World-Indizes, sondern auch Dax, Cac40 und wahrscheinlich auch die Bierpreiskurve im Paulaner Biergarten P&G einfach brutal wegperformt haben.
Nun ist P&G natürlich nur ein Beispiel. Und auch über Inflation, Ölpreis, Asset price Inflation und alles hinaus stelle ich mir eine abstrahierte Frage: wie umgehen mit Titeln, die EIGENTLICH Qualität sind. Die EIGENTLICH nur liegen gelassen werden müssen. Die EIGENTLICH über Jahrzehnte bewiesen haben, dass sie sinnvolle Anlagen sind. Die aber TATSÄCHLICH einfach nur eine Underperformance aufweisen.
Wie geht ihr mit solchen Titeln um? Kurzer Prozess und raus aus dem Depot oder liegen lassen, vergessen und in 20 Jahren wieder gucken? Sagt nicht, dass ich der einzige bin, der sich solche Fragen stellt.
Das Problem ist nicht nur bei den US Konsumwerten zu sehen. Schau‘ dir eine Nestle oder eine Beiersdorf an. Gegessen und geputzt wird zwar immer, die Frage ist aber, was und von wem. Den Gürtel schnallen viele enger und da wird dann bei sowas gespart. Das so einige No- Name Artikel von den gleichen Unternehmen produziert werden, ist wegen der da deutlich geringeren Marge kein großer Trost. Ich möchte aber ein ausgewogenes Portfolio haben und daher gehören ein paar wenige Konsumgüter dazu und die bleiben auch. Das in solchen Zeiten das Depot dann hinter einigen Indizes zurückbleibt, muss man dann aushalten. Gut möglich aber auch, dass sich der Wind mal etwas dreht,
@joerg_745831 Klare Aussage, danke dir!