Gepostet in Portfolio Roasts
1 Jahr später: Vom "Kann ich FIRE?" zum konkreten Fahrplan (Kassensturz mit 51)
Hallo zusammen,
vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mich hier der öffentlichen Röstung gestellt (Fire-Kandidat) – die Resonanz und das Feedback waren für mich überwältigend+lehrreich! Deshalb wird es Zeit für ein Update und einen Kassensturz:
https://app.parqet.com/p/604cf1d2864d9d002f5a4237
Kurz zu mir (für alle, die den ersten Post nicht kennen): Ich bin mittlerweile 51, weiterhin als Unternehmensberater in NRW tätig, verheiratet, zwei Kinder. Das Eigenheim ist abbezahlt und erst seit Corona investiere ich hochstrukturiert. Mein Jugendtraum war immer: Mit 50 finanziell frei sein (daher FiftyFire 😉).
Was ist in den letzten 12 Monaten im Depot passiert? Ich habe das Feedback aus der Community und meine Risikoanalyse abgeglichen und angefangen, das Depot von einer reinen Wachstums-Wette in ein FIRE-Fundament umzubauen.
Die wesentlichen Veränderungen:
- Der große „Apple-Shift“: Meine historische Apple-Position war auf ein massives Übergewicht (>40 %) angewachsen. Ich habe 1.400 Stück verkauft sowie einige Anteile von NVIDIA sowie Palantir veräußert!
- Der Cashflow-Fokus: Das freigewordene Kapital floss gezielt ins Einkommens-Fundament:
- Vanguard FTSE All-World High Dividend
- Realty Income
- Main Street Capital
- VDIV
- Portfolio-Hygiene & Qualitäts-Fokus: Ich habe mich von Werten getrennt, bei denen die Überzeugung für meine Einkommensstrategie fehlte (z.B. Crowdstrike, Hims & Hers, Universal). Dafür wurden Dividendenwerte neu aufgenommen bzw. aufgestockt:
- BlackRock
- CME Group,
- UnitedHealth,
- PepsiCo
- McDonald's
- Deutsche Telekom
- Steuerfreie „Dividende“ auf dem Hausdach: Im Sommer habe ich meine Ausgabenseite weiter „frisiert“: statt in Aktien habe ich direkt in eine PV-Anlage investiert – das drückt die monatlichen Fixkosten nun dauerhaft auf erfreuliche Weise.
Wo stehe ich heute?
- Portfolio-Entwicklung: Der Depotwert ist in einem Jahr von 1,39 Mio. Euro auf 1,61 Mio. Euro angewachsen (+ ca. 220.000 Euro)
- Strategie: weiterhin Buy & Hold (Nvidia, Alphabet, Amazon und Apple laufen weiter; frisches Kapital geht in Cashflow & Dividendenwachstum).
- Sparrate: Weiterhin ca. 4.000 € / Monat + Reinvestition der laufenden Erträge.
- Ausschüttungen: aktuelles Jahr ca. 47.000, 2027 werden es ca. 54.000 € Brutto-Dividende.
Ach ja: Ein paar historische „Depot-Leichen“ wie AMC oder alte Hongkong-Werte liegen noch als Mahnmal bzw. steuerfreie Altbestände im Keller – die ignoriere ich gekonnt.
Was meint Ihr? Wie seht ihr die Entwicklung nach dem großen Umbau? Würdet ihr etwas anders einordnen auf den letzten Metern vor dem Exit? Was würdet Ihr ändern?
Ich bin wieder sehr gespannt auf euer Feedback und eure Röstung!
Danke & allen ein gutes Händchen!
FiftyFire
Wenn du in die freiwillige GKV gehst/bleibst, könnte es hilfreich sein, vor dem Exit alles zu verkaufen, was Dividende zahlt (d.h. als Einkommen dann 100% beitragspflichtig wäre) und die Cashflows für Ausgaben ausschließlich durch Entnahmen aus thesaurierenden ETFs (d.h. nur Kursgewinne beitragspflichtig, Teilfreistellung, Vermeidung von Überschuss etc.) zu generieren.
Zumindest in meiner Situation wäre das Szenario, als Privatier von automatisch rein sprudelnden Dividenden zu leben, ein großer Nachteil gewesen, während ich in der anderen Variante nah am Mindestbeitrag bleiben kann.
Kann bei anderer Familiengröße und Kombination mit anderen Cashflows natürlich anders aussehen, aber es lohnt sich zumindest, das mal durch zu rechnen.
@zero Absolut. Ich verstehe diese Dividendenfixierung nicht. Wie du sagst bei einem Teilverkauf wird nur den Gewinn versteuert. Bei der Depotgrösse sagen wir mal 4% Entnahme pro Jahr vs. 4% Dividendenrendite also 64k.
Bei vereinfacht gerechnet 50% Kursgewinn bedeutet das:
32k Besteuerungsgrundlage bei Teilverkauf 9600 Euro Steuer p.a.
64k Besteuerungsgrundlage bei Dividende 19200 Euro Steuer p.a.
Dazu verschenkt man die Kursteigerungen von Growth Titeln wie das besagte Crowdstrike mit 118% bisher YTD
Warum Sankeys zu Kosten erstellen um dann 10k p.a. an Steuern zu verschenken und das Growth Potenzial abzugeben?
Dazu kommt die Dividende kommt ob man sie gerade braucht oder nicht. Die Steuer fällt aber immer an.
Ich persönlich hätte zudem keine Lust ein so hochkomplexes Depot in der Rente zu verwalten. Peace of Mind ist was unschätzbares. Daher habe ich persönlich den Anspruch nichts unter 1% im Depot zu haben und vielleicht 10-20 Positionen maximal.
Cash Puffer für die ersten FIRE Jahre ist mir nicht klar was man damit abdecken will. Mehrere Jahre Miete? Reichen da nicht 3-6 Monate Kosten um sich nur quartalsweise drum zu kümmern?
Die Vorabpauschale gilt ja auch für Kapitalgewinne. 2026 wird der Zins 2.2% sein, die persönliche Dividendenrendite in diesem Portfolio ist jetzt schon 3.5%.
Krankenkasse hatte ich weggelassen aber in der Tat das ist bei GKV noch on Top. Da lohnt es sich mal nach anderen Orten für die Rente zu sehen.
Was kann man über die Steuerjahre optimieren? Aus meiner Sicht sollte man frühestens den Cash Puffer aufbauen im Steuerjahr nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses.
Wenn ich dann aber schon Aktien in Cash für 2 Jahre verkaufe komme ich doch schön in die Progression. Mit der Krankenkasse kann ich dann aber im 2. Jahr praktisch in den niedrigsten Satz da “kein Einkommen”, hat aber verpasste Gewinne. Müsste man modellieren was sich mehr lohnt.
Bei der Grösse des Portfolios wäre es auch gut zu wissen wie hoch die geschätzten Kosten sind, die können ja durchaus schon über der Beitragsbemessungsgrenze sein.
@user_5e4962 Am steuerlichen Unterschied zwischen Ausschüttung und Thesaurierung ändert sich durch den FIRE-Exit ja erstmal nicht viel, und nach Berücksichtigung von Vorabpauschale etc. ist der ja auch halb so wild, so lang man nicht zu sehr auf high yield setzt.
Aber wenn man als gesetzlich Krankenversicherter aus dem SV-pflichtigen Beschäftigungsverhältnis raus geht, kann man ja bei allen steuerpflichtigen Transaktionen ganz grob nochmal das gleiche für die Versicherungen drauf legen.
Da ist der Nettoertrag aus dem Depot plötzlich viel geringer, als wo man sich vorher nur über die theoretische finanzielle Freiheit mit 50k Dividenden gefreut hat und die Optimierung der Geldflüsse wird erst so richtig spannend.
Ein Cash-Puffer für mehr als ein Jahr ist dann u.a. auch sehr hilfreich, um über die Steuerjahre hinweg optimieren zu können, was in der Praxis auch mehr Unterschied machen kann als die verpasste Rendite uninvestierter Reserven.
@user_5e4962 Bei der Optimierung über die Jahre meinte ich Szenarien wie z.B. dass ich normalerweise weit unter der Bemessungsgrenze liege, aber dann in einem Jahr mal zusätzlich für eine Renovierung o.ä. einen großen Betrag realisieren muss. Da kann es schon zu Relationen kommen, wo es sich lohnt, noch zusätzlich Cash raus zu holen, um im nächsten Jahr Abgaben zu sparen.
Der Unterschied zwischen minimalem und maximalem Jahresbeitrag ist bei meinem Satz immerhin ca. 11k. Das mit dem Gegenwert meiner jährlichen Ausgaben stattdessen als Rendite zu machen, wird schwer.
Das Argument “frühestens den Cash Puffer aufbauen im Steuerjahr nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses” versteh ich gerade nicht. Ich hab ja dann kein Einkommen außer der Entnahme und müsste über meine Verhältnisse entnehmen, um den Puffer aufzubauen, den ich komplett weg investiert hab, als ich noch Überschuss durchs feste Einkommen hatte? Oder wie meinst du das?
@fiftyfire Mit dem Ehegattensplitting hast du recht, das habe ich nicht berücksichtigt. Wobei du bei so langen Zeiträumen dich auch nicht unbedingt drauf verlassen kannst dass es für immer weiterbesteht. Auch können sich Lebensumstände ändern.
Ich hab spontan jetzt nur die Splitting Tabelle 2025 gefunden, 3% Steuern wären wenn ich es richtig sehe ca. 29,5k EUR p.a. zVe und was dir nach Krankenkasse übrigbleibt zum Leben. Das wäre auf dein Kapitalvermögen bezogen ca. 1.85%. Das wäre mir persönlich absolut und relativ zu wenig.
Zumal ich am Anfang auch immer noch mehr ausgeben würde weil es danach immer schwieriger wird. Ich hab direkt nach der Uni ein paar Gruppenreisen gemacht wo viele Rentner 65-80 dabei waren. Manche sind dann 5x im Jahr auf Teufel komm raus auf Fernreise (natürlich Eco) um das nachzuholen auf was sie vorher verzichtet haben. Besonders glücklich hab ich sie nicht empfunden, dafür mehr die Leute die dabei waren und schon vor der Rente viel gereist sind und es beibehalten haben.
Mein Punkt war dass du dein Portfolio graduell weg von Growth Richtung Dividenden shiftest. Dabei bringen dir Dividenden zwar ein schönes Gefühl dass was auf dem Konto ankommt, am Ende entscheidet aber ja immer die Gesamtrendite. Mein Punkt ist auch nicht dass du alles umschichten sollst, sondern mein Vorschlag wäre die Buchverluste die du hast zu nutzen um Buchgewinne in Einzelaktien zu saldieren und dann das ganze in einen breiten ETF zu investieren. Dann hast du Growth und Value und wenn du magst einen ausschüttenden ETF. Wenn ichs grob überschlage hast du gut 20 Aktien mit mehr als 10k investiert, wär mir zu viel Arbeit immer am Ball zu bleiben was die Entwicklungen sind, warum die Dividende vielleicht weniger oder mehr wird etc. Ich würde mir eine Grenze setzten wie 0.5% oder 1% des Gesamtportfolios sollte das Minimum Invest sein.